Meeres-Windkraft: Drachen sollen Energiegewinnung revolutionieren

Meeres-Windkraft: Drachen sollen Energiegewinnung revolutionieren

von Wolfgang Kempkens

Billig, verlässlich, schnell zu installieren: Das Unternehmen Skysails will mit Lenkdrachen auf dem Meer Strom erzeugen.

Hoch über dem unruhigen Meeresspiegel tänzeln Dutzende Lenkdrachen. Einige dieser Riesen haben eine Höhe von bis zu 800 Metern erreicht. Andere scheinen kurz davor zu stehen, ins Wasser zu stürzen. Doch kurz davor werden sie abgefangen und beginnen erneut zu steigen.

So soll  in einigen Jahren Windstrom erzeugt werden, hat sich Stefan Wrage überlegt, der Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens SkySails, das bisher ausschließlich Lenkdrachensysteme herstellte, die große Schiffe und Tanker zogen. Deren Einsatz reduziert den Spritverbrauch auf windreichen Routen um ein Viertel und mehr.

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Mit der gleichen Technik soll künftig nun Strom auf hoher See erzeugt werden. Die Basisstation ist dabei fest mit dem Meeresboden verankert oder steht auf einer Plattform, die mit Stahlseilen gegen das Abdriften gesichert ist. Die Station besteht aus einem Mast, einer rechnergesteuerten Lenkeinheit und einem Generator, der mit einer gewaltigen Trommel gekoppelt ist.

Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Windkraftanlagen auf dem Meer: Die Technik soll sehr viel günstiger sein, weil keine großen Fundamente nötig sind, die mit riesigen Schiffen transportiert werden müssen. Außerdem können die Ingenieure die Anlagen in größeren Wasserstiefen installieren. Und der Wind bläst in 400 Metern Höhe sehr viel stärker als in Bodennähe. Ein Nachteil allerdings: Stromleitungen müssen noch weiter als bisher durchs Wasser verlegt werden.

Erster Prototyp ist geplantWenn der Lenkdrachen startet – das schafft er ganz allein, so wie auch die Kites, die Schiffe ziehen – rollt er das Seil ab, das sich auf der Trommel befindet. Sie rotiert und treibt einen Generator an. Der Drachen steigt auf eine Höhe von bis zu 800 Meter. Dann dreht ihn die automatische Steuerung aus dem Wind.

Jetzt fungiert der Generator als Motor, der die Trommel dreht, bis das Seil wieder aufgerollt ist. Da der Kite beim Einholen dem Wind kaum Widerstand entgegensetzt wird in dieser  Phase weit weniger Strom verbraucht als beim Anstieg erzeugt wurde. Wenn mehrere Windgeneratoren dieser Art kombiniert werden wird kontinuierlich Strom erzeugt.

SkySails hat ein solches Windkraftwerk in seiner Fabrik in Wismar schon gebaut und erfolgreich getestet, allerdings an Land. Es leistet bescheidene 55 Kilowatt. Jetzt planen Wrage und sein technischer Geschäftsführer Stephan Brabeck den Bau einer Ein-Megawatt-Versuchsanlage. Wann sie wo errichtet wird, ist noch offen.

Wrage rechnet damit, dass SkySails-Windgeneratoren pro Quadratmeter fast doppel so viel Strom erzeugen wie klassische Mühlen auf dem Land.

Die urspüngliche Idee, Schiffen einen Kite als windigen Hilfsmotor zu verpassen, kommt währenddessen nur schleppend bei den Reedern an. Rund 3 Schiffe sind bisher damit ausgestattet worden. Das erste war die Beluga SkySails der mittlerweile abgewickelten Bremer Reederei Beluga. Der Schwergutfrachter startete Mitte Januar von Bremerhaven aus zu seiner Jungfernfahrt nach Venezuela.

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