Meeresenergie: Lagune liefert Strom für 100.000 Haushalte

Meeresenergie: Lagune liefert Strom für 100.000 Haushalte

von Wolfgang Kempkens

Vor der Küste von Wales entsteht eine Lagune mit eingebautem Gezeitenkraftwerk. Die geplante Strommenge kann sich sehen lassen.

In der Swansea Bay vor der walisischen Küste soll dem Meer eine gigantische Lagune abgetrotzt werden. Die Mauer, die sie von der offenen See trennt, wird rund zehn Kilometer lang  sein. Ihre Krone ragt auch bei Hochwasser noch heraus, sie wird sich über elf Quadratkilometer erstrecken. Die Initiatoren haben es mit dem Projekt auf die Gezeiten abgesehen: Hauptzweck des Baus ist die Erzeugung von Strom.

Zwischen dem Meer und der Lagune sind Turbinen installiert, die Generatoren antreiben. Bei Flut strömt Wasser in die Lagune, bei Ebbe fließt es zurück. Viermal am Tag laufen die Turbinen jeweils ein paar Stunden lang. Das soll reichen, um pro Jahr 400 Millionen Kilowattstunden zu erzeugen, so viel, wie 100000 Vier-Personen-Haushalte jährlich verbrauchen. Ähnlich wie Wind- und Solarkraftwerke liefert der Turbogenerator nur zeitweise Strom. Allerdings lassen sich die Ausfallzeiten exakt vorhersagen, sodass der Einsatz von Ersatzkraftwerken problemlos planbar ist.

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120 Jahre Lebensdauer

Die Rotorblätter lassen sich verstellen, sodass die Turbine ihre Drehrichtung beibehält, egal aus welcher Richtung das Wasser kommt. Das gigantische Gezeitenkraftwerk will das Unternehmen Tidal Lagoon (Swansea Bay) bauen, das in Swansea im Süden von Wales beheimatet ist.

Umgerechnet 785 Millionen Euro soll der Bau kosten. Ab 2017 soll der erste Strom fließen. Die ganze Anlage könnte mehr als 120 Jahre halten, heißt es bei Tidal Lagoon. Nach einer Art Umweltverträglichkeitsprüfung (Environmental Impact Assessment) durch unabhängige Gutachter hat das Kraftwerk grünes Licht bekommen. Kritiker befürchten allerdings eine teilweise Zerstörung des Meeresbodens und negative Folgen für die Fisch- und Vogelwelt.

Die Befürworter führen vor allem die emissionsfreie Stromerzeugung ins Feld. Außerdem würden Jobs in der strukturschwachen Region geschaffen. Wegen der künstlerischen Gestaltung der Krone werde der Damm auch Touristen anlocken, dazu noch Radfahrer, Läufer und Walker.

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