Megaprojekt: Indien will größtes Solarkraftwerk der Welt bauen

Megaprojekt: Indien will größtes Solarkraftwerk der Welt bauen

von Wolfgang Kempkens

Solarkraftwerke werden immer größer. Im indischen Rajasthan entsteht jetzt ein Mega-Solarfeld, das fast so groß ist, wie die Stadt Kassel.

Beinahe täglich werden rund um den Globus neue Solarkraftwerke gebaut. Doch was derzeit in Rajasthan, Indien passiert, ist weltweit einzigartig.

Mitten in der Wüste entsteht im nordwestlichsten Bundesstaat des Landes das mit weitem Abstand größte Solarkraftwerk der Welt. Ersteinmal fertig soll es eine Spitzenleistung von 4000 Megawatt haben, das entspricht drei großen Kernkraftwerken. Schon die erste Baustufe wird mit 1000 Megawatt alle aktuell bestehenden Solarparks übertreffen.

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Rajasthan besteht zu einem Gutteil aus Wüste. 300 bis 330 Tage im Jahr scheint dort die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Der Energieertrag liegt dort pro Tag und Quadratmeter im Jahresdurchschnitt bei bis zu sieben Kilowattstunden. Das ist mindestens fünfmal so viel wie in Deutschland.

Die rund 70 Millionen Einwohner des Bundesstaates werden die gigantischen Strommengen nicht selbst verbrauchen können. Die meisten leben von Ackerbau, Viehzucht und der Verarbeitung von Wolle und benötigen daher wenig Strom. Nötig sind demnach Hochspannungsleitungen, die einen Teil des  Stroms in weit entfernte Zentren mit hohem Stromverbrauch transportieren.

Kosten für das Megaprojekt noch nicht geklärt93 Quadratkilometer Fläche stehen in der Nähe des Sambhar-Sees (siehe Aufmacherbild) für den Bau der Solaranlagen zur Verfügung - das ist nur geringfügig weniger Fläche, als die Stadt Kassel hat. Das Land gehört dem staatlichen Unternehmen Sambhar Salts. Partner sind der Kraftwerksbauer Bharat Heavy Electricals, der Netzbetreiber Power Grid und das Forschungsinstitut Corporation of India and Solar Energy Corporation of India.

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Wie viel das Megaprojekt kosten wird ist noch offen. Beim Strompreis haben sich die Partner dagegen schon festgelegt. Er soll umgerechnet 6,5 Eurocent pro Kilowattstunde nicht übersteigen. In Deutschland zahlen private Nutzer für Strom aus der Steckdose rund 25 Cent, Solarstrom aus großen Freiflächenanlagen wird mit knapp unter zehn Cent vergütet.

Offen ist auch, welche Technologien eingesetzt werden. Spekulationen zufolge dürfte es darauf hinaus laufen, dass etwa die Hälfte der Leistung von Solarzellen erbracht wird, die andere Hälfte von Solaranlagen, die Sonnenhitze nutzen. Diese Parabolrinnen- und Turmkraftwerke sind bereits in Spanien und den USA in Betrieb.

Sonnenstrom bei NachtIn der Parabolrinnenversion konzentrieren Spiegel die Strahlen auf ein Absorberrohr, durch das Wasser oder ein Thermoöl fließt. Genutzt wird die Wärme, um eine Dampfturbine mit angeschlossenem Generator zur Stromerzeugung anzutreiben. Bei Turmkraftwerken wiederum wird die solare Wärme auf einen Receiver auf der Spitze eines Turms konzentriert. Auch hier wird die Wärme in einem dampfbetriebenen Turbogenerator genutzt.

Diese solarthermischen Kraftwerke können auch in sonnenarmen Zeiten und bei Nacht Strom liefern. Ein Teil der gesammelten Hitze wird dazu in riesigen Wärmespeichern zwischengelagert. Ob solche Puffer geplant sind ist offen, aber sehr wahrscheinlich. Ansonsten müsste die nächtliche Stromlücke durch zusätzliche fossile Kraftwerke geschlossen werden.

Fraglich ist, ob auch neuartige Konzentrator-Solarzellen eingesetzt werden. Diese haben einen etwa doppelt so hohen Wirkungsgrad wie konventionelle Zellen. Ihren Vorteil, entsprechend weniger Platz zu benötigen, können sie in Indien nicht so recht ausspielen. Denn Platz gibt es in der Wüste genug.

Weltrekord aus DeutschlandVielleicht werden sie aber doch aus Prestigegründen genutzt. Denn Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg meldete gerade einen neuen Weltrekord beim Wirkungsgrad: 44,7 Prozent. 1,1 Punkte mehr als im vergangenen Mai, haben die Forscher gemeinsam mit dem ebenfalls in Freiburg tätigen Unternehmen Soitec Solar geschafft, das aus dem ISE hervorgegangen ist.

Betrachtet man die Situation in Rajasthan, wären diese Zellen gerade dort ideal. Denn sie funktionieren nur bei absolut wolkenfreiem Himmel. Der ist im Nordwesten Indiens alltäglich. Der hohe Wirkungsgrad ist möglich, weil die Solarzelle selbst aus vier Teilen besteht, die jeweils ein bestimmtes Frequenzband des Sonnenlichts in Strom umwandeln. Außerdem wird das Sonnenlicht mit Fresnel-Linsen 297-fach konzentriert auf die Zelle geleitet.

Aber welche Technik auch immer zum Einsatz kommt: Die Ausmaße des Projekts sind einmalig. Indien ist also auf dem besten Weg in die solare Zukunft.

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