Micro-Grids: 200.000 Menschen in Kenia sollen Sonnenstrom bekommen

Micro-Grids: 200.000 Menschen in Kenia sollen Sonnenstrom bekommen

von Benjamin Reuter

Ein US-Unternehmen will Dörfer in Kenia mit Solarenergie beliefern. Ein Modell für die Elektrifizierung Afrikas?

Eine gesicherte Stromversorgung ist in Industrieländern selbstverständlich. Für viele Menschen in Entwicklungsländern ist sie immer noch eine Ausnahme. 620 Millionen Menschen fehlt allein in Afrika laut einem aktuellen Report der Afrikanischen Entwicklungsbank der Zugang zu einer gesicherten Energieversorgung. Das sind 60 Prozent der Gesamtbevölkerung des Kontinents.

In Staaten wie Äthiopien haben 70 Prozent der Menschen keinen Zugang zu Strom und selbst im vergleichsweise stark industrialisierten Südafrika trifft ein Drittel der Bevölkerung dieses Schicksal. Auch die Arbeit in Krankenhäusern und Schulen wird von einer lückenhaften Stromversorgung behindert.

Anzeige

Stromversorgung für 200.000 MenschenEine der Lösungen für dieses Problem sind lokale Energieversorgungsnetze, die einzelne Dörfer oder Gemeinden mit Strom beliefern. Neu ist die Idee nicht, aber nun hat es sich das US-Unternehmen Powerhive auf die Fahnen geschrieben, genau damit Teile Afrikas zu elektrifizieren.

Den Anfang will es in Kenia machen. Powerhive hat als wohl erstes westliches Unternehmen von der Regierung in Nairobi die Erlaubnis erhalten, sogenannte Microgrids (also lokale Stromnetze) in Dörfern weitab des öffentlichen Stromnetzes aufzubauen.

Basis für die Stromversorgung sind Solaranlagen und Batterien, die den Strom für ein paar Tage bewölkten Himmel speichern können, hinzu kommt ein Energiemanagement-System und Stromzähler. Außerdem verlegt Powerhive in den Häusern der Kunden auch die Leitungen. In den vergangenen zwei Jahren startete Powerhive in Kenia vier Pilotprojekte, die 1500 Menschen sowie Schulen und Geschäfte mit Strom versorgten.

Beteiligt an dem Projekt war mit First Solar auch eines der größten US-Solarunternehmen.

"Der große Vorteil an unserem System ist", sagt Powerhive-Vizechef Rik Wuts, "dass es modular aufgebaut ist und sich per Funk betreiben und überwachen lässt." Damit könnten einige wenige Haushalten aber auch mehrere Dörfern mit dem System versorgt werden. Technische Probleme lassen sich durch Funküberwachung sofort aufspüren.

Große Bedeutung für dezentrale EnergieversorgungEin besonderer Vorteil für die Haushalte: Die Anlage liefert nicht nur Strom, sondern ersetzt auch teurere und gesundheitsschädliche Petroleumlampen und Dieselgeneratoren. Bezahlen können die Nutzer den Strom über das in Afrika weitverbreitete Mobile-Banking mit ihren Mobiltelefonen. Das Ziel von Powerhive ist es, in den kommenden Jahren 200.000 Kenianern Strom zu liefern.

Haushalte zahlen zwischen drei und vier Dollar im Monat für die Versorgung (laut Powerhive 50 Prozent weniger als mit Dieselgeneratoren und Petroleumlampen), für gewerbliche Nutzer steigen die Gebühren bis auf 100 Dollar pro Monat.

Die Betreuung übernehmen ausgebildete Techniker, die bei Bedarf anreisen. Aber auch vor Ort in den Dörfern wirbt Powerhive Mitarbeiter, die die Anlagen betreuen. Geeignete Orte für den Bau der Anlagen spürt eine Software anhand von Satellitenbildern auf.

Ein interessanter Nebenaspekt: Die kenianische Regulierungsbehörde schrieb in ihrer Begründung für die Vergabe der Konzession an Powerhive, dass große öffentliche Stromnetze nicht immer die wirtschaftlichste Art seien, um die Bevölkerung mit Strom zu versorgen. Lokale Netze seien dafür besser geeignet.

Kenia will bis 2030 seiner gesamten Bevölkerung Zugang zur Stromversorgung ermöglichen. Laut Zahlen aus dem Jahr 2010 haben nur rund 25 Prozent der Kenianer Zugang zu Elektrizität (inzwischen dürfte der Anteil höher liegen).

Kenia könnte damit zu einem Vorbild für andere afrikanische Staaten werden und die Powerhive-Projekte zu einem Startschuss für die Elektrifizierung der ländlichen Gegenden Afrikas. Abzuwarten bleibt freilich, ob die Regierungen ähnliche Projekte künftig ausschreiben, um die günstigsten Angebote für ihre Bürger zu erhalten.

***

Lesetipp: Unter diesem Link findet sich eine spannende Untersuchung zu den Gründen für die schwache Elektrifizierung in den ländlichen Gebieten Kenias.

Korrektur: Im Text hieß es, dass Powerhive mit Solarcity kooperiert. Es ist aber das Unternehmen First Solar. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%