Mieterstrom und gemeinsame Speicher: Energie aus der Nachbarschaft

Mieterstrom und gemeinsame Speicher: Energie aus der Nachbarschaft

von Wolfgang Kempkens

Ob geteilte Speicher oder Mieterstrom - nachbarschaftliche Stromprojekte sparen Geld und entlasten die Netze.

Im bayrischen Städtchen Moosham beginnt in wenigen Tagen die Zukunft der nachbarschaftlichen Energieversorgung. Dann geht Energy Neighbor in Betrieb, eine Batterie, die 200 Kilowattstunden liefern kann.

Sie wird mit Solarstrom aufgeladen, der auf den Dächern umliegender Häuser produziert wird und aktuell keine Abnehmer findet. Insgesamt sind 20 Häuser beteiligt, auf deren Dächern Strom erzeugt wird. Am Abend oder an Tagen mit wenig Sonnenschein, an denen die eigene Solarstromproduktion nicht ausreicht, wird den Versuchsteilnehmern automatisch Strom aus dem Pufferspeicher zur Verfügung gestellt.

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Das System soll billiger und effektiver sein als die Installation von Batterien in jedem Haus, das Solarstrom produziert.

Normalerweise wird überschüssiger Solarstrom ins Netz eingespeist. Vor allem bei neuen Anlagen ist das ein schlechtes Geschäft, denn die Vergütung deckt nicht mehr die Kosten. Eine eigene Batterie kann Abhilfe schaffen, doch wenn sich mehrere Solarstromhersteller zusammentun lässt sich die Energie mit größerer Wahrscheinlichkeit komplett lokal nutzen, statt die zeitweise überlasteten Netze noch stärker zu strapazieren.

Am Feldversuch in Moosham sind neben Forschern der Technischen Universität München auch Experten des regionalen Stromversorgers Kraftwerke Haag, des Batterieherstellers Varta Storage im bayrischen Nördlingen und des Bayrischen Zentrums für Angewandte Energieforschung beteiligt. Die wissenschaftlich begleitete Testphase läuft noch bis Ende 2016.

Solarprojekte auch ohne Speicher möglichIm Hunsrückstädtchen Kisselbach hat der Essener Stromversorger RWE bereits im vergangenen Jahr ein ähnliches System installiert. Die dort installierte Pufferbatterie liefert 150 Kilowattstunden Strom. Der Smart Operator, ein schuhkartongroßes Geräts im Trafoschrank des Ortsnetzes, verteilt den Strom so, dass jeder Haushalt genügend abbekommt und die Leitungen dennoch nicht überlastet werden.

Ganz ohne Batterie kommt ein Projekt im baden-württembergischen Mosbach aus. Der Anlagenprojektierer Wirsol aus Waghäusel südlich von Ludwigshafen hat auf mehreren Wohngebäuden Solarmodule mit einer Spitzenleistung von insgesamt 650 Kilowatt installiert. Den daraus fließenden „Mieterstrom“ bietet der Düsseldorfer Versorger Naturstrom 37 Hauseigentümern und 350 Mietern an, die in den Gebäuden leben, auf denen die Solarkraftwerke installiert sind.

Bei der großen Zahl von potenziellen Stromabnehmern dürfte der überwiegende Teil des Solarstroms lokal verbraucht werden, sodass die Netze nicht belastet werden. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr könne mit Mieterstrom im Vergleich mit dem Tarif der lokalen Stadtwerke bis zu 100 Euro im Jahr sparen, so Tim Meyer, Bereichsleiter Dezentrale Energieversorgung bei Naturstrom.

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