Mini-Windmühlen: Die Energierevolution im Vorgarten?

Mini-Windmühlen: Die Energierevolution im Vorgarten?

von Wolfgang Kempkens

Kleine Windräder für den Privatgebrauch in Gärten und auf Dächern könnten die Energiewende voranbringen - die Regierung ignoriert ihr Potenzial bisher.

Windkraft boomt - aber bisher nur in Form von riesigen Windrädern, die mit ihren Rotoren durch die Luft pflügen. Wer dagegen eine Kleinwindanlage im Garten aufstellt oder auf Dach oder Terrasse montieren lässt, muss schon ein echter Fan dieser Art der Stromerzeugung sein. Denn mit der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz amortisiert sich die Anschaffung kaum. Die Generatoren kosten 2500 bis 3500 Euro pro Kilowatt. Dazu kommt noch die Montage.

Jede Kilowattstunde, die ins Netz eingespeist wird, bringt aber nur knapp neun Cent. Nach fünf Jahren sind es nur noch fünf Cent.

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Pro Kilowatt installierter Leistung erzeugen die Windgeneratoren 1000 bis 2000 Kilowattstunden pro Jahr, je nach Standort und Windangebot. Die Verbände klagen, dass Fotovoltaiknutzer weitaus besser gestellt sind als die, die Windstrom ins Netz einspeisen. Denn die Zellen auf dem Dach bringen derzeit etwa das Doppelte an Vergütung. Für die Sonnenkraftwerke sind rund 1600 Euro pro Kilowatt peak fällig, damit lassen sich in Deutschland zwischen 700 und 1200 Kilowattstunden Strom erzeugen.

Das zeigt: Mit derselben Vergütung wie für Solaranlagen würden die Minimühlen sich lohnen. Und sie haben einen weiteren Vorteil: Im Gegensatz zu nach Süden ausgerichteten Solaranlagen, die vor allem Mittags arbeiten, erzeugen die Windräder am Tag und in der Nacht Strom. Das entlastet die Netze und würde so die grüne Stromversorgung und die Energiewende auf eine breitere Basis stellen. Eigentlich eine gute Sache, sollte man meinen. Doch der Gesetzgeber ignoriert diese Vorteile bisher.

Und so bringt die Technologie derzeit noch wenig. Denn jedes Kilowatt selbst erzeugter Windstrom erwirtschaftet aus der Einspeisevergütung allenfalls 180 Euro pro Jahr. Da lohnt es sich weitaus mehr, den Strom selbst zu verbrauchen. Denn der aus der Steckdose kostet mit 25 Cent pro Kilowattstunde deutlich mehr als der Erlös aus der Einspeisevergütung.

Massiver Eigenverbrauch ist allerdings nur etwas für echte Windstrom-Enthusiasten, denn sie müssen die Nutzung ihrer elektrischen Geräte mit dem Windangebot möglichst genau synchronisieren. Nur: Den Morgenkaffe bereitet niemand nachts um halb vier zu, weil gerade dann der Wind ausreichend weht.

Auch mit Batterie wird die Rechnung nicht besserBleibt die Möglichkeit, überschüssigen Strom in einer Batterie zwischenzulagern. Der Essener Stromriese RWE hat vor einigen Monaten eine Initiative gestartet mit dem Ziel, die bisher noch kaum genutzten Großbatterien für die Zwischenspeicherung von Solar- und Windstrom in Haushalten voranzubringen. Rund 15000 Euro kostet solch ein Puffer für sechs Kilowattstunden. Der Energieinhalt reicht für einen Vier-Personen-Haushalt mindestens einen halben Tag.

Der zugehörige Windgenerator mit wenigsten fünf Kilowatt kostet noch einmal 15000 Euro. Bei 80 Prozent Eigenstromverbrauch würde dieser Haushalt im Jahr etwa 1000 Euro weniger an sein Versorgungsunternehmen zahlen. Ein bisschen erlöst er zudem noch aus der Einspeisung von Strom in der Zeit, in der er nicht direkt verbraucht werden kann und die Batterie voll ist. Aber selbst damit amortisiert sich die Anlage nicht innerhalb ihrer Lebensdauer, die bei etwa 20 Jahren liegt, es sei denn, der Strompreis klettert ins Uferlose.

Kleinwindanlagen mit einer Nabenhöhe – das ist der Punkt, um den sich der Rotor dreht – von maximal zehn Meter lassen sich in mehreren Bundesländern ohne Baugenehmigung errichten. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Einschränkungen. In manchen Regionen dürfen die Anlagen nur außerhalb der Wohnbebauung aufgestellt werden, was Windfreaks absolut nicht weiter hilft.

Die meisten Mühlen haben drei Flügel aus faserverstärktem Kunststoff. Es gibt auch Modelle mit vier und zwei Flügeln. Andere Typen wie der Darrieus-Rotor oder die Savonis-Turbine sind vielfach erprobt worden. Weil sich die schweren Bauteile wie Motor und Generator, eventuell noch das Getriebe bei diesen vertikal drehenden Windgeneratoren am Boden befinden und nicht hoch oben auf dem Turm in einer Gondel, scheint diese Bauform Vorteile zu haben, vor allem bei Wartung und Reparatur. Doch ab einer bestimmten Baugröße lässt sich die rotierende Achse nicht mehr stabilisieren.

Minimühlen mit 500 Watt, die nach dem Savonis- beziehungsweise Darrieus-Prinzip arbeiten, gibt es dennoch, vor allem für den Einsatz auf Booten oder an Ferienhäusern. Sirena in Saalfeld an der Saale etwa bietet für knapp 3000 Euro den Aerocatcher (Luftfänger) an. Er liefert Gleichstrom mit einer Spannung von 24 Volt, wie er auf Booten üblich ist. Allein in Deutschland gibt es mehr als ein Dutzend Hersteller von Kleinwindanlagen. Weltweit sind es über 40, so eine Übersicht des Windenergieportals Windmesse. Sie alle können nur auf steigende Einspeisevergütung für einen Durchbruch ihrer Technik hoffen - oder auf weiter steigende Strompreise.

Nachtrag: Gerade flatterte eine Studie der Analysten von Pike Research in unser Mail-Postfach. Sie sehen die Entwicklung der Kleinwindlangen insgesamt positiv. Das Fazit: Vor allem wegen Einspeisevergütungen in Italien und England wird die global installierte Leistung von Kleinwindanlagen von 85,8 Megawatt im Jahr 2012 auf 172 Megawatt im Jahr 2018 steigen. Der Markt wäre damit 3,3 Milliarden Dollar groß.

Hier noch ein Video des Aerocatchers in Aktion:


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