Minikraftwerk für Weinbauern: Pflanzenreste liefern künftig Strom

Minikraftwerk für Weinbauern: Pflanzenreste liefern künftig Strom

von Wolfgang Kempkens

Ein mit Pflanzenabfällen betriebener Generator soll künftig umweltfreundlicheren Strom liefern.

Als würden Italiens Weinbauern nicht schon von Berufs wegen einen großen Dienst an der Menschheit leisten, werden sie künftig auch noch Strom erzeugen können.

Beim Beschneiden der Reben fällt jedes Jahr eine Menge Holz an. Dieses wird derzeit einfach entsorgt. Das Düsseldorfer Unternehmen Entrade will nun im bayrischen Pfaffenhofen die Abfälle zu brennbaren Pellets verarbeiten.

Anzeige

Die Tochterfirma Highterm Research in Graz übernahm den Test: Dabei wurde das Gehölz zunächst zerkleinert und in Pellets gepresst. Damit fütterten die Ingenieure "E3", ein Minikraftwerk, das Entrade vor allem für den Einsatz in Regionen entwickelt hat, in denen Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt wird.

Die Pellets werden allerdings gar nicht verbrannt, sondern unter Luftabschluss bei einer Temperatur von 1200 Grad Celsius in ein Schwachgas verwandelt. Das besteht zu 25 Prozent aus Wasserstoff, 18 Prozent Kohlenmonoxid und zwei Prozent Methan. Der Rest ist unbrennbar.

Minikraftwerk liefert Strom und WärmeDie zweite Komponente von "E3" ist ein Gasmotor, der einen Generator zur Stromerzeugung antreibt. Die elektrische Leistung der Anlage, die in einem Container Platz findet und vollautomatisch läuft, liegt bei 25 Kilowatt. Nebenbei produziert sie 60 Kilowattstunden Wärme, die in kälteren Regionen zum Heizen, in wärmeren in Verbindung mit einer Adsorptionskältemaschine zum Klimatisieren von Wohnräumen, Büros oder auch Ställen genutzt werden kann.

Bisher werden die Pellets aus Holzabfällen hergestellt. Entrade will jetzt die Versorgungsbasis vergrößern. Ein erster Schritt ist der Einsatz von Rebenabfällen. Als Rohstoff ist möglicherweise auch Stroh geeignet. Oder Haselnussschalen, wie sie beispielsweise in der Türkei in großen Mengen anfallen. Weltweit sind bereits 16 E3 in Betrieb. Seit Anfang dieses Jahres sollen pro Monat 20 Kraftwerke gebaut werden

Ein E3-Modul, das auf zwei Normpaletten Platz findet, kostet rund 70.000 Euro. Eine Pelletmaschine kommt auf 40.000 bis 60.000 Euro. Sie kann bis zu zehn E3-Kraftwerke versorgen, die pro Jahr jeweils 150 Tonnen Pellets verbrauchen und 165.000 Kilowattstunden erzeugen. Das entspricht bei einem in Europa gängigen Strompreis von 25 Cent 41.250 Euro. Was natürlich nur klappt, wenn die Reben in der jeweiligen Region genügend Gehölz liefern.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%