Mit Hilfe der Cloud: Wie Energiehändler dezentrale Speicher nutzen könnten

Mit Hilfe der Cloud: Wie Energiehändler dezentrale Speicher nutzen könnten

von Angela Schmid

Private Speicher sind oft nur zu 90 Prozent ausgelastet. Mit der Cloud könnten Energiehändler dieses Potenzial nutzen.

Den privaten Stromspeicher nicht nur für Energie aus der Photovoltaik-Anlage nutzen, sondern gleichzeitig damit Geld verdienen? Noch ist das Zukunftsmusik. Doch mit Hilfe von Cloud Computing könnte diese Vision Realität werden.

Anders als erwartet sind Hausspeicher längst nicht immer voll. Im Gegenteil: Sie seien zu 90 Prozent leer, erklärt Magnus Pielke. Er ist Gesamtleiter des Forschungsprojekts „Green2store“, das der Oldenburger Energiedienstleister EWE entwickelt hat.

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Gemeinsam mit anderen Unternehmen lotet Pielke Möglichkeiten aus, den Hausspeicher auch anderweitig zu nutzen. Das Geld dafür kommt vom Bundeswirtschaftsministerium: Das Forschungsprojekt ist Teil von „Batterien in Verteilnetzen“ der Förderinitiative Energiespeicher und umfasst ein Gesamtvolumen von mehr als neun Millionen Euro.

Billigen Strom zwischenlagern und später verkaufenDie Idee: In der Zeit, in der der Hausbesitzer selbst seinen Speicher nicht braucht, können ihn zum Beispiel Energiehändler nutzen. Sie können den Strom dort zwischenlagern, wenn er gerade günstig am Markt ist, und ihn verkaufen, wenn die Preise nach oben klettern. Ein Win-Win-Win-Geschäft: Der Energiehändler verdient, der Besitzer des Speichers und der Energieversorger.

Das Potenzial ist laut einer Analyse von EWE enorm. Demnach eignen sich allein im Einzugsgebiet des Energieversorgers mehrere 100.000 Haushaltsspeicher für die Idee.

Vorerst fangen die am Projekt beteiligten Unternehmen aber klein an. Lediglich zwölf Speicher in Niedersachsen und Baden-Württemberg mit einer Kapazität von 0,5 Megawattstunden wollen sie zu einem virtuellen Großspeicher zusammenschalten.

Die Cloud steuert die NachfrageZiel ist, dezentral verteilte Speicherkapazitäten unterschiedlichster Betreiber zusammenzufassen, zentral zu verwalten und schließlich der Energiewirtschaft zur Verfügung zu stellen. Für Pielke ein Zukunftsprojekt: „Vernetzung ist ein großes Thema – daraus können sich auch neue Geschäftsfelder ergeben.“

Gesteuert wird alles über Cloud Computing. Seine Daten nicht mehr zentral auf dem eigenen Rechner, sondern in ein Zentrum zu verlagern, ist in der Informationstechnologie längst normal. Die Energieversorger betreten damit nun Neuland und wollten das Grundprinzip auch auf ihren Industriezweig übertragen. Dafür untersuchen sie mit „Green2store“ nun Möglichkeiten und Grenzen, um Stromspeicherkapazitäten miteinander zu vernetzen, die ähnlich wie beim Cloud Computing konzipiert sind.

Das nennt sich offiziell Energy Storage Cloud. Sie soll die Verknüpfung von einzelnen, realen zu gemeinsamen virtuellen Speicherkapazitäten schaffen, die erneuerbare Energien zukünftig in die Versorgung integrieren können. Oder anders ausgedrückt: „Green2store“ will regenerative Energien in das elektrische Verteilnetz integrieren.

Die Cloud übernimmt die ZuordnungDas funktioniert so: Der Cloud-Dienstleister verwaltet die wesentlichen Hard- und Softwarekapazitäten in eigenen Rechenzentren und vermietet diese an die Anwender. Der Endnutzer selbst benötigt keine Informationen, wo beim Cloud-Dienstleister noch freie Ressourcen verfügbar sind – die Zuordnung der Anforderungen zu physikalischen Speichern übernimmt die Energy Storage Cloud.

Die Cloud soll dabei jederzeit dynamisch um neue Speicher erweitert werden können. Die Folge: Jeder der beteiligten Batteriespeicher soll – analog zum Cloud Computing – besser ausgenutzt werden können. Da viele Batteriespeicher zusammengefasst und virtualisiert werden, erhalten Anwender unterschiedlichste Speicherkapazitäten und können damit auch weitere Dienste anbieten. So sollen die Speicher nicht nur effizienter genutzt werden können, auch Einspeiseprognosen oder Abrechnungssysteme sollen einfacher werden. Weiterhin können die Anwender am Stromhandel teilnehmen.

Rechtliche Fragen ungeklärtNoch ist eine Cloud zwar nicht notwendig. Sollte der Ansatz realisiert werden und sich die Zahl der Speicher steil nach oben bewegen, muss aber auch die Technik mithalten können. Pielke: „Mit den Anforderungen muss auch die IT-Infrastruktur wachsen.“ Und dafür eignet sich seiner Ansicht nach eine Cloud am besten. „Gemeinsam mit unseren Partnern bringen wir im Projekt ‚Green2store‘ die drei Welten Energie, Telekommunikation und IT zusammen“, erklärt Ines Kolmsee, Technikvorstand des Konsortialführers EWE. „Technologien sind ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Energiewende. Dezentrale Batteriespeichersysteme sind eine von mehreren technischen Optionen, um erneuerbare Energien in Verteilnetze optimal zu integrieren“, ergänzt Martin Schumacher, im Vorstand der deutschen ABB zuständig für Energietechnik.

Ganz so einfach ist die Realisierung allerdings nicht. Es mangelt vor allem an der fehlenden Kommunikation. Anders ausgedrückt: Die Speicher sind nicht kompatibel. „Die können nicht einheitlich angesprochen werden“, macht Pielke deutlich. Außerdem ist die Rechtslage ungeklärt. Eine Nutzung der Speicher durch Dritte ist im Gesetz nicht vorgesehen.

 

Projektteilnehmer„Green2store“ ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von EWE, EWE NETZ, Alcatel-Lucent, Süwag Energie, BTC und ABB sowie dem Informatik-Institut OFFIS, dem EWE-Forschungszentrum NEXT ENERGY und dem Institut Elenia der TU Braunschweig.

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