Mobilität: Köln baut "Fahrrad-Highway" für 6000 Pendler

Mobilität: Köln baut "Fahrrad-Highway" für 6000 Pendler

von Peter Vollmer

Nordrhein-Westfalen steckt rund 100 Millionen Euro in Fahrrad-Highways. Das wohl ambitionierteste Projekt entsteht in Köln.

Blühende Bäume und Wiesen, ein Fußweg schlängelt sich durch das Grün: Während auf der Nordseite des Kölner Hiroshima-Nagasaki-Parks im Sommer vor allem die Studenten der nahe liegenden Uni in der Sonne grillen und Kölsch trinken, liegen auf der Südseite diejenigen, die nach bestandener Klausur die innere Ruhe suchen.

Mitten durch diese Idylle will die Stadt Köln nun eine Schnellstraße ziehen – und viele Studenten freuen sich schon darauf.

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Denn die Schnellstraße soll exklusiv für Radfahrer sein. Das Projekt entsteht als Teil einer größeren Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr konnten sich Kommunen beim Verkehrsministerium für eine Förderung von Fahrrad“auto“bahnen bewerben. Fünf Projekten sagte das Land in diesem Winter schließlich die Förderung zu (Details gibt es hier als PDF).

Auch Köln war dabei: Eine rund acht Kilometer lange Strecke soll das Univiertel der Domstadt künftig mit dem ehemaligen Braunkohlestädtchen Frechen verbinden. Dort sitzen Logistikunternehmen, der größte Baumarkt Europas und vor allem wohnen dort zahlreiche Pendler. Dies bedeutet traditionell viel Autoverkehr.

Doch in Köln hat auch das Fahrradaufkommen in den letzten fünf Jahren um etwa ein Viertel zugenommen – nun kommen sich auf den verstopften Straßen Auto- und Radfahrer in Quere. Eine Situation, die es in vielen europäischen Städten gibt.

Vorfahrt für RadfahrerDie Niederlande oder Dänemark haben daher eigene Radschnellwege gebaut, die Radfahrer von der Straße holen und ihnen größere Distanzen schmackhaft machen sollen. Auch in London gibt es Pläne für eine Fahrrad-Schnellstraße.

Und nun ziehen deutsche Politiker nach: Neben der in Köln geplanten Strecke soll auch von Aachen aus ein Schnellweg in die Niederlande führen; auch in Düsseldorf, dem Münsterland und Ostwestfalen fördert die NRW-Initiative den Bau von Strecken.

Die Radschnellwege sind dabei nicht mit herkömmlichen Fahrrad- oder Radwanderwegen zu vergleichen: Ein eigener Belag und ein ebenes Niveau sollen den Rollwiderstand senken, Radler können problemlos nebeneinander fahren und trotzdem überholt werden.

Beleuchtung, Winterdienst und Luftstationen für die Reifen soll es ebenfalls geben. An den Anschlusskreuzungen zum bestehenden Verkehrsnetz haben die Radfahrer Vorfahrt.

6000 Pendler täglich auf dem Fahrrad-HighwayDiese Anschlüsse sind wichtig: In Köln kreuzt der Radweg etwa die Stadtteile Marsdorf und Junkersdorf und soll diese damit für Studenten aufwerten. Das könnte die explodierenden Mietpreise im Kölner Südosten etwas abdämpfen, unter denen gerade die Studenten leiden. Bis zu 6000 Pendler sollen die Radstrecke täglich nutzen.

Statt rund 42 Minuten, die ein Radler von Köln nach Frechen heute braucht, soll die Fahrtzeit mit den Umbauten künftig nur noch 22 Minuten betragen.

Die Kosten für solche Radschnellwege liegen – je nach Ausgangssituation der Baufläche – bei etwa einer Dreiviertel- bis einer Million Euro pro Kilometer. Die insgesamt 150 Kilometer, die das Land bei den fünf Projekten fördert, werden geschätzte 100 Millionen Euro kosten - eine Investition, die für die meist klammen Kommunen in NRW ohne die Unterstützung durch das Land nicht möglich wäre. Gelder für eine Machbarkeitsstudie und Planungskosten hat die Landesregierung in Düsseldorf bereits zugesagt.

Gerade rot-grüne Politiker können sich für das Projekt begeistern, während die nordrhein-westfälische CDU dahinter ein nicht gerade billiges Klientelgeschenk der Landesregierung vermutet. Doch auch in München, Berlin und Frankfurt am Main prüfen die Verwaltungen seit einigen Wochen entsprechende Strecken.

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