Mobilität: Motor zum Nachrüsten macht aus jedem Fahrrad ein E-Bike

Mobilität: Motor zum Nachrüsten macht aus jedem Fahrrad ein E-Bike

von Felix Ehrenfried

Das Nachrüstkit des italienischen Startups ZeHus macht jedes Rad zum E-Bike – der Akku lädt sich während der Fahrt sogar auf.

Früher altbacken, heute hip: Längst sind Fahrräder mit elektrischer Trittunterstützung, im Fachjargon Pedelecs genannt, bei Radlern aller Altersklassen beliebt. Möglich machen das Unternehmen wie Coboc oder Faraday, die den Elektromotor elegant im Fahrradrahmen verstecken und zeigen: Elektrobikes können auch hübsch, ja sogar richtig sportlich aussehen.

Doch nicht jeder hat das nötige Kleingeld, um sich für mehrere tausend Euro solch ein hübsches Edelpedelec in die Garage oder in den Keller zu stellen. Wer dennoch nicht auf den Komfort eines Hilfsmotors verzichten möchte, für den haben Startups Nachrüstkits für jedes normale Fahrrad im Angebot.

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Jetzt will ein italienisches Startup für frischen Wind auf dem noch recht jungen Markt der E-Bike-Nachrüstkits sorgen.

Bisher konnte der gewillte Radler sein Bike im Prinzip über zwei Techniken zum E-Bike umrüsten: Entweder installieren Radler einen Motor direkt auf dem alten Hinterrad. Das Startup Rubbee bietet beispielsweise ein solches System an. Hier wird ein Elektromotor einfach auf das Hinterrad aufgesetzt, das dann über eine kleine Rolle angetrieben wird.

Oder aber der Fahrer tauscht gleich das ganze Hinterrad aus, um sein Bike zu elektrifizieren, wie es mit FlyKly oder dem Copenhagen Wheel möglich ist.

Das italienische Startup ZeHus greift genau auf diese Idee des Hinterradtauschs zurück, verfeinert diese aber.

Computer berechnet optimale TrittunterstützungDas Besondere des Systems, das ZeHus "Wizehub" getauft hat, versteckt sich im Inneren des Kastens, der sich in der Mitte des neuen Hinterrads, direkt an der Radachse befindet. Neben einem Elektromotor, der für den Antrieb sorgt, erfasst ein kleiner Computer angeblich mehr als 100 Mal pro Sekunde die Fahreigenschaften des Fahrrads und erkennt, ob der Fahrer gerade Unterstützung beim Treten braucht oder Energie gespart werden kann.

Was das bringt? Das System erkennt, wann es von der Tretkraft des Radlers profitieren kann. So lädt sich der Akku selbständig durch die Kraft, die beim Abwärtsfahren, Bremsen oder beim besonders schnellen Treten frei wird, teilweise wieder auf – immer dann also, wenn der Fahrer keine Unterstützung des kleinen Motors braucht.

Das System funktioniert also ähnlich wie beim Auto-Hybridklassiker Toyota Prius. Der lädt die integrierten Akkus ebenfalls, wenn es bergab geht oder der Fahrer bremst. Sollte doch einmal Energie von außen benötigt werden, lädt das System von ZeHus an der Steckdose in drei Stunden auf.

Konkurrenten verbünden sichVon dieser intelligenten Selbstladefunktion waren die Entwickler des eigentlichen Konkurrenzprodukts FlyKly derart begeistert, dass sie sich vor einiger Zeit kurzerhand entschlossen, mit ZeHus zusammenzuarbeiten.

Jetzt tüfteln beide Teams gemeinsam an unterschiedlichen Varianten des Nachrüst-Antriebs. Laut dem Pedelec & E-Bikes Blog arbeiten die Entwickler derzeit an zwei unterschiedlich starken Varianten des austauschbaren Rückrads. Außerdem wollen sie schon bald ein komplettes E-Bike, das auf der Technik von FlyKly und ZeHus aufbaut, auf den Markt bringen.

Bis zu 35 Kilometer ReichweiteDas elektrifizierte Hinterrad soll nach Angaben der Entwickler gerade einmal drei Kilogramm mehr als ein gewöhnliches Laufrad wiegen. Je nach Ausstattungsvariante soll es dabei den Fahrer zwischen 30 und 40 Kilometer weit beim Treten unterstützen.

Dabei hilft der Motor aber höchstens bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. So will es das Gesetz in Deutschland. Alles was schneller ist, gilt versicherungstechnisch nicht mehr als Fahrrad und darf beispielsweise keine Radwege mehr benutzen und benötigt ein Kennzeichen.

Damit der Fahrer den Antrieb optimal auf seine Bedürfnisse anpassen kann, lässt er sich mittels Bluetooth und passender App mit dem Smartphone koppeln. Dann kann der Fahrer beispielsweise einstellen, ab welcher Steigung oder Belastung sich der Motor hinzu schalten soll. Außerdem ermöglicht die Bluetooth-Koppelung eine Überwachung des Fahrrads. Wenn ein nicht autorisiertes Handy versucht, den Motor zu aktivieren, schlägt das System Alarm und benachrichtigt den Besitzer.

FlyKly und ZeHus planen, ihren Umrüstantrieb ab September an erste Kunden liefern zu können. Gefertigt wird in Italien, am Firmensitz von ZeHus. Die Preise liegen bei rund 800 US-Dollar (rund 600 Euro) für das Hinterrad und 1800 US-Dollar (rund 1300 Euro) für das gesamte E-Bike. Interessenten des kompletten E-Bikes  müssen sich allerdings noch bis mindestens Dezember gedulden.

Beim Umrüsten ist Vorsicht gebotenDoch ob Copenhagen Wheel, ZeHus-Antrieb oder Rubbee: Immer ist Vorsicht bei der Installation solcher Nachrüstkits geboten. Nicht alle Rahmen halten die zusätzliche Belastung, die durch eine elektrische Trittunterstützung entsteht, aus. Unter Umständen drohen Schäden am Fahrrad.

Daher ist es ratsam, vor dem Einbau eines solchen Systems bei der Fahrradwerkstatt des Vertrauens nachzuhaken, was die Experten dort von einem solchen Umbau halten. Außerdem sollte der interessierte Radler bei seiner Versicherung fragen, wie diese die Nachrüstsysteme bewertet.

Hier noch ein Video von ZeHus:

Anmerkung vom 29. Juli 2014: Im ursprünglichen Text war fälschlicherweise von einer Sensorabtastung des Fahrverhaltens von 1000 Mal pro Sekunde die Rede. Der richtige Wert ist 100 Abtastungen pro Sekunde und wurde im Text korrigiert.

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