Mobilität: Studenten bauen Familienauto mit Solarantrieb

Mobilität: Studenten bauen Familienauto mit Solarantrieb

von Matthias Streit

Bisher fanden in mit Sonnenkraft betriebenen Autos nur ein oder zwei Personen Platz - jetzt haben Studenten den ersten Viersitzer entwickelt.

Der Solar-Flitzer Stella des niederländischen Solar Team Eindhoven (STE) ist außergewöhnlich, und das in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal ist es das erste Solarauto, das bis zu vier Personen gleichzeitig befördern kann. Außerdem erreicht das Gefährt mit Hilfe eines elektrischen Antriebs eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 120 Kilometern pro Stunde.

Gleichzeitig kommt Stella aber auch mit einem äußerst gewöhnungsbedürftigen Design daher: Manche mögen sich bei dem neuen Solarauto an einen quergelegten Küchenschwamm auf Reifen erinnert fühlen.

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Anfang Juli haben die rund 20 Entwickler des STE ihr Fahrzeug der Öffentlichkeit vorgestellt, jetzt planen sie die Teilnahme an einem der härtesten Rennen der Welt für Solarfahrzeuge, der World Solar Challenge in Australien. Dabei müssen die Fahrzeuge vom 6. bis 13. Oktober mehr als 3.000 Kilometer zurücklegen.

Die Stella geht in der Cruiser-Klasse an den Start. In dieser Klasse geht es weniger um Geschwindigkeit, als vielmehr um Praktikabilität. Eine der Anforderungen ist, dass die Fahrzeuge in dieser Klasse über eine Zulassungen in ihrem Heimatland verfügen. Zudem muss neben dem Fahrer mindestens ein weiterer Passagier an Bord sein. Aber Stella soll sogar voll besetzt, also mit vier Personen, fahren.

Das umstrittene Aussehen des Solar-Viersitzers aus den Niederlanden stand für die Entwickler aber nicht im Vordergrund. Ihnen bedeuten Technik und Nutzen des Fahrzeugs mehr, deshalb sollte die Karosserie möglichst aerodynamisch sein.

Das Herz des Autos besteht aus zwei Teilen - zum einen dem 4,5 mal 1,8 Meter großen Modul aus monokristallinen Solarzellen auf dem Dach, zum anderen aus einem 15-Kilowattstunden-Akku für den elektrischen Antrieb. "Allein mit dem elektrischen Antrieb können wir 430 Kilometer weit fahren, mit Hilfe der Sonnenenergie erhöht sich die Reichweite sogar auf über 700 Kilometer", sagt Lex Hoefsloot, der Team-Manager von STE.

Leichtgewicht mit ReichweiteDa sich die Baumaterialien fast ausschließlich auf Karbon und Aluminium beschränken, wiegt die Stella gerade einmal 380 Kilo. Durch die Passagiere kann sich dieses Gewicht aber durchaus auf das Doppelte erhöhen - eine Belastung, der herkömmliche Reifen für Solarfahrzeuge nicht Stand halten.

50 Kilogramm ist nach Hoefsloots-Angaben der Standard-Wert pro Reifen. Für die Stella mussten die zumeist jungen Entwickler deshalb auf Reifen der deutschen Marke Schwalbe zurückgreifen, die jeweils mit 200 Kilogramm belastbar sind. Diese sollen sie nun auch heil über die australischen Straßen kutschieren.

"Man weiß ja nie, was auf so einer langen Strecke alles passieren kann. Aber wir werden unser Bestes geben und sind optimistisch, dass wir in unserer Klasse vorn dabei sind", sagt Hoefsloot. Schon am 15. August geht das Auto per Schiff auf die Reise ans andere Ende der Welt, einen knappen Monat später macht sich die Mannschaft auf den Weg. Bevor das Rennen beginnt, testen sie ihr Auto unter den bisher unbekannten Bedingungen.

Projekt Stella kostet insgesamt eine Millionen EuroFür die Reise fehlen dem jungen Team aber noch knapp 20.000 Euro. Geld, das sie über den Verkauf von "Meilen" auf ihrer Homepage einnehmen wollen. Bisher wurden gerade einmal 194 von 1865 Meilen verkauft. Eine Meile kostet 100 Euro.

Die Planung des Solar-Prototypen Stella hat im September letzten Jahres begonnen, produziert wurde er von Januar bis Juni 2013. Insgesamt hat das Projekt nach Hoefsloots Angaben eine Millionen Euro gekostet. Für zwei Drittel der Summe sind Partner aus der Industrie aufgekommen.

Das Video zeigt die Highlights der Präsentation der Stella:



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