Mobilität: Taxifahrer machen gegen Carsharing mobil

Mobilität: Taxifahrer machen gegen Carsharing mobil

von Felix Ehrenfried

Ride-Sharing sorgt für Unmut im Taxi-Geschäft. In Los Angeles haben Taxifahrer jetzt dafür gesorgt, dass diese Art des Carsharing verboten wurden.

Kommt eine neue, innovative Idee um die Ecke, gibt es meist Zuspruch von vielen Seiten. Doch diejenigen, die durch die neuen Konzepte ihr Geschäftsmodell bedroht sehen, üben Kritik. So ist es erst jetzt wieder in den USA geschehen, wo die Carsharing-App Lyft für Ärger unter den Taxifahrern sorgt.

Das US-amerikanische Startup setzt, statt auf das typische Carsharing-Prinzip, auf sogenanntes Ride-Sharing. Es wird also hauptsächlich nicht ein Auto verliehen, sondern Fahrer bieten die Möglichkeit der Mitfahrt an. So teilen sich mehrere Leute das Auto, Kosten werden gespart und die Umwelt geschont. Bisher war Lyft überaus erfolgreich.

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Vor rund einem Jahr startete das Unternehmen in San Francisco. Nun weitete es sein Angebot, dass sich durch Autos mit einem rosa Schnurrbart auf dem Kühler leicht erkennen lässt, auf weitere Städte in den USA, wie Boston, Los Angeles oder Chicago aus. Prompt kommt Gegenwind.

Denn das Konzept von Lyft gefällt zwar Umweltfreunden, Mitfahrern und Fahrern, allerdings nicht der direkten Konkurrenz dieser Art der Mitfahrgelegenheit: Den Taxifahrern von Los Angeles. Die forderten die Stadtverwaltung auf, Lyft und ähnliche Carsharing-Konzepte, wie Uber oder Sidecar, zum sofortigen Beenden der Dienste in der "Stadt der Engel" zu bewegen. Die Stadtverwaltung folgte den Taxifahrern und erklärte nun, dass Lyft und Co ihr Angebot in Los Angeles stoppen müssen. Und das obwohl Lyft mehrfach erklärte, dass das Angebot in ganz Kalifornien zugelassen sei.

In ihrer Argumentation setzten die Taxifahrer auf die Angst-Karte. So wurde Tom Drischler, Verwaltungsleiter der städtischen Taxis jüngst bei Pressetext.com mit den Worten zitiert: "Bevor Sicherheits-Abtrennungen eingeführt wurden, gab es alle 18 Monate einen Mord an einem Taxifahrer."

Doch das wirklich jemand per Smartphone-App eine Mitfahrgelegenheit ordert um anschließend den Fahrer zu ermorden, klingt recht weit hergeholt. Viel logischer klingt folgende Version: Die Mitfahrten bei Lyft und Co sind Unternehmensangaben zufolge rund 20 Prozent günstiger als die Fahrt mit einem kommerziellen Taxi.

Günstiger und sozialer als TaxenAußerdem kommt bei Reiseart à la Lyft eine weitere Komponente hinzu: neue Leute kennenlernen. Wer öfters die gleiche Strecke fährt, kann feste Fahrgemeinschaften bilden und es entstehen vielleicht Freundschaften. Eine kurze Google-Suche zeigt außerdem: Schon mancher hat seinen heutigen Freund oder seine Freundin bei der Fahrt mit der Mitfahrgelegenheit kennen gelernt. So stehen die Taxis einer Konkurrenz gegenüber, die günstiger und in gewisser Weise sozialer ist.

Die Diskussion dürfte sich weiter ziehen, da Lyft und Konkurrent Uber Los Angeles nicht einfach so den Taxen überlassen wollen. Dabei geht es darum, ob der Service von Lyft und Co mit dem eines Taxis gleizchzusetzen ist. Sollte das der Fall sein, wäre das ein Punkt für die Taxifahrer, die Uber, Lyft und Co jüngst "illegale Taxen unter der Tarnkappe der digitalen Cloud" nannten.

Doch die Startups halten dagegen. "Wir haben eine Betriebserlaubnis mit der California Public Utilities Commisson (CPUC) unterzeichet, die es uns erlaubt, legal in ganz Kalifornien aktiv zu sein", erklärte John Zimmer, Vorstand von Lyft. Auch stelle dies klar, dass Lyft keine Taxen anbiete.

Die Diskussion erinnert an den Streit, der vor wenigen Monaten hierzulande zwischen Autovermietern und Car-Sharing Angeboten aufkam. Dort beschuldigte der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands (BAV) Carsharing-Angebote wie Nachbarschaftsauto oder Tamyca sich zum einen nicht an gültige Gesetze zu halten, zum anderen dass deren Autos nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entsprächen.

Ein Urteil des Landgerichts München dürfte zumindest etwas Klarheit in der Diskussion schaffen. Dort hatte das Carsharingunternehmen Tamyca gegen eine einstweilige Verfügung des Vermietriesens Sixt geklagt. Sixt hatte Tamyca untersagt, die eigenen Preise mit denen von Tamyca zu vergleichen. Das hatte Tamyca auf der eigenen Website getan, um zu zeigen, dass privat angemietete Autos wesentlich günstiger als die der professionellen Konkurrenz seien.

Carsharing nicht vergleichbar mit professionellem AngebotDas Urteil des Gerichts:  "Das Angebot von Carsharingdiensten, bei denen Privatpersonen ihre Fahrzeuge vermieten, ist nicht mit den Leistungen von professionellen Mietwagenfirmen vergleichbar." Blöd für Tamyca in diesem Fall, jedoch hilfreich um klar zu stellen: Car-Sharing ist nicht gleich Autovermietung.

Nun bleibt abzuwarten, wie es in Los Angeles weiter geht. Uber und Lyft haben bereits angekündigt, ihre Dienste weiter anzubieten, da sie der Vertrag mit der CPUC dazu legitimiere. Es ist zu hoffen, dass sie mit dieser Trotzhaltung Erfolg haben. Ansonsten könnte das Beispiel Los Angeles auch das Ende für andere Carsharingangebote wie Flinc bedeuten. Carsharing ist eine kostengünstige und umweltfreundliche Art des Reisens, wie auch aktuelle Studien zeigen. Diese aufgrund des Protests einiger weniger zu verbieten, wäre ein Schritt zurück in Sachen grüner Mobilität.

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