Münchhausen-Produkte: Fünf Betrügereien bei der Energieeffizienz

Münchhausen-Produkte: Fünf Betrügereien bei der Energieeffizienz

von David Sahay

Energiesparfarbe, Infrarotheizung, Dämmfolie: Helfen sie wirklich beim Energiesparen?

Es gibt zahlreiche Maßnahmen und Produkte, die einen sparsameren Umgang mit Energie ermöglichen – doch viele halten nicht das, was sie versprechen.

Dabei ist klar, dass die Energiewende nur funktionieren kann, wenn auch die Energieeffizienz verbessert wird. Das gilt auch für Privathaushalte, die rund 28 Prozent der Energie in Deutschland verbrauchen. Um den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 Prozent bis 2050 zu senken, muss die Energieeffizienz bis dahin um durchschnittlich 2,1 Prozent pro Jahr steigen.

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Häufig wird darüber geschrieben, wie dieses Ziel zu erreichen ist. Wir zeigen, wie es nicht geht. Dazu kommentiert ein Energieexperte, welche Einsparungen realistisch sind.

EnergiesparfarbeLaut ihren Anbietern arbeiten Energiesparfarben mit keramischen Hohlkügelchen, Kunststoffkügelchen oder „besonderen Nano-Zusatzstoffen“. Die Stoffe würden wie ein Wärmespiegel wirken, der die Wärme gleichmäßig in den Raum abstrahlt. Die Praxis beweise, dass sich über 30 Prozent der Heizkosten sparen lassen, versprechen die Anbieter.

Brillantweiße Plastikkügelchen an der Wand, für rund vier Euro den Liter? Das klingt sinnvoll. Oder doch nicht?

"Es gibt wohl einen gewissen Effekt, dieser liegt aber deutlich niedriger" sagt Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Eine Einsparung von 30 Prozent des gesamten Heizenergiebedarfs ist sicherlich damit nicht zu erreichen. Selbst eine Einsparung der Wärmeverluste über die mit dieser Farbe gestrichenen Außenwände wird nicht bei 30 Prozent liegen."

DämmfolieWer sich für Dämmfolie entscheidet, hat die Qual der Wahl. Vielversprechend klingt zum Beispiel die „mehrlagige absorptionsreduzierte Luftpolsterfolie mit Sechseckstruktur“. Die soll laut Hersteller die Luft einschließen und so zur Wärmedämmung beitragen. Eine interessante Alternative sind Aluminium-Isolationsmatten „aus der Weltraumtechnik“, wie es häufiger heißt. Bis zu 80 Prozent Heizkosten könnten Käufer hier sparen, versprechen die Hersteller.

"Auch hier gibt es einen gewissen Effekt, aber auch hier fällt er deutlich geringer aus als versprochen", sagt Weinreuter. "Einige Hersteller geben vor, dass man mit der Folie die Wirkung einer 20 Zentimeter dicken Dämmstofflage erzielen könnte. Das ist mit Sicherheit nicht so. Eine 80-prozentige Energieeinsparung ist illusorisch. Vor allem ist auch hier die Frage: 80 Prozent wovon? Ich warne vor den Tücken der Prozentrechnung."

InfrarotheizungenDie Studie, auf die sich die allermeisten Werbeprospekte von Infrarotheizungen beziehen, beginnt mit einem Warnhinweis: „[…] schätzungsweise mehr als 90 Prozent der als Infrarotstrahler oder Infrarotheizung angebotenen Produkte [sind] tatsächlich keine, sondern herkömmliche elektrische Konvektions-Elektro-Direktheizungen.“ Und die sind bei weitem nicht so energieeffizient, wie von den Herstellern behauptet.

Laut Weinreuter gibt es aber noch ein anderes Problem. "Die oft zitierte sogenannte Studie weist so viele Schwächen auf, dass sie nicht wirklich ernst zu nehmen ist. Ich kann nur vor dem Einbau von elektrischen Direktheizungen warnen – egal ob richtige Infrarotheizung oder nicht. Die Tatsache, dass Strom zurzeit etwa drei- bis viermal so teuer ist wie die konventionellen Energieträger Heizöl und Erdgas lässt sich technisch kaum kompensieren."

Physikalische WasseraufbereiterFür Preise zwischen 6,90 Euro und 386 Euro können Verbraucher sogenannte physikalische Wasseraufbereiter erstehen. Das sind in der Regel Permanentmagnete, die an die heimischen Wasserleitungen geklemmt werden. Auf jeden Fall könne man bis zu 15 Prozent des Energiebedarfs von Waschmaschinen und Co. sparen, versprechen die Hersteller. Vor allem weil Kalkablagerungen in den Rohren verhindert werden sollen.

"Es gibt ein DVGW-Prüfzeichen für diese Art von Geräten, das eine Wirksamkeit unter bestimmten Bedingungen zertifiziert", sagt Weinreuter. "Nur wenige Geräte haben dies bisher erhalten. Selbst wenn ein Gerät funktioniert und Kalkablagerungen im Warmwasserbereich vorbeugen kann, halte ich eine Einsparung von 15 Prozent für deutlich übertrieben."

ZeitumstellungZum Schluss ein Klassiker: Die Zeitumstellung. Tatsächlich wurde sie 1916 eingeführt, um das Tageslicht besser nutzen zu können. Energie spart man dadurch – entgegen häufiger Behauptungen – vermutlich nicht. Experten des Umweltbundesamts begründen das so: "Zwar knipsen die Bürgerinnen und Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr – das hebt sich gegenseitig auf."

Das Fazit: Wer etwas für die Energieeffizienz Zuhause tun will, der sollte von dubiosen Produkten die Finger lassen und sich stattdessen seriöse Energiespartipps wie die des Umweltbundesamtes ansehen.

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