Nach Car-Sharing: Kommen jetzt die Miet-Roller?

Nach Car-Sharing: Kommen jetzt die Miet-Roller?

von Constantin Alexander

Das US-Startup ScootNetworks setzt auf Elektroroller-Sharing und will kräftig expandieren. Ein Projekt auch für Europa?

Smartphone in den Lenker stecken und los geht’s: Das Unternehmen ScootNetworks aus San Francisco will nach Fahrrad- und Auto-Sharing jetzt mit E-Roller-Sharing das nächste Verkehrsmittel zum Teilen fit machen. Vor eineinhalb Jahren mit rund 60 Rollern gestartet, baut ScootNetworks seine Flotte inzwischen ständig aus. Dieses Jahr wollen die Kalifornier ihr Konzept auch in andere Städte exportieren.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 40 Stundenkilometern kommen die Rollerfahrer laut Anbieter etwa 25 Kilometer weit – perfekt für eine kleine Spritztour durch die Stadt oder einen Einkauf. In maximal fünf Stunden werden die Roller an den Ladestationen komplett aufgeladen. Weitere Modelle mit höherer Geschwindigkeit und Reichweite sollen in diesem Jahr folgen.

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ScootNetworks steht mit der Idee nicht allein da. Im vergangenen Sommer startete das Unternehmen GoingGreen sein E-Roller-Sharing namens Motit in Barcelona. Bis Mitte des Jahres sollen in der spanischen Metropole schon 500 Scooter zum Ausleihen bereit stehen. Während Car-Sharing-Programme in Deutschland boomen, dürfte es für das Roller-Teilen keinen allzu großen Markt in unseren Städten geben. Dazu sind Roller zu unpopulär. Doch gerade in südeuropäischen Städten könnte Scooter-Sharing die Straßen entlasten und die Stadtluft sauberer machen.

Alternative für PendlerAusleihen und Bezahlen laufen in San Francisco mit dem Smartphone. Die Scooter haben im Lenker eine Armatur angebracht, in die Nutzer ihr Handy einstecken können, um so den Roller freizuschalten und die Abrechnung so einfach wie möglich zu machen. Ein Monatsabo kostet 29 US-Dollar (ca. 21 Euro).

Damit können Nutzer zu jeder Zeit eine Stunde am Tag kostenlos fahren. Jede weitere Stunde kostet tagsüber 1 US-Dollar und abends und nachts 50 US-Cent. Spontane Nutzer können sich für 10 US-Dollar die Stunde einen Roller ausleihen, ohne Mitglied zu sein. Einsteiger bekommen einen Kurs im Fahren. Die Versicherung ist immer inklusive, und auch Helme werden den Nutzern bereitgestellt.

ScootNetworks will mit dem Angebot vor allem Pendler gewinnen, die keine Lust haben, mit dem Auto durch die Stadt zu fahren. Eine gute Idee für San Francisco, ist doch die Stadt eher europäisch angelegt und nicht wie eine typisch autofreundliche US-Metropole mit ihren innerstädtischen Highways.

Das könnte das Wachstum des Unternehmens allerdings auch begrenzen. Denn die Region San Francisco ist im Vergleich zum Rest der USA immer schon ein wenig liberaler und aufgeschlossener gewesen, was neue wirtschaftliche oder gesellschaftliche Konzepte angeht. Und in einem Land, in dem Autobauer noch immer vor allem SUVs oder Minivans verkaufen, ist das Fahren mit einem Scooter sicher nur etwas für ein urbanes Klientel ohne eigenes Auto.

Dass es aber trotzdem Spaß macht und Aufmerksamkeit bringt, kann ScootNetworks mit Recht behaupten: Über das Unternehmen wurde in nahezu allen großen US-Tageszeitungen und in vielen Tech-Magazinen berichtet. Vielleicht gibt es also doch ein Umdenken in den USA, was smarte Verkehrslösungen angeht.

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