Naturfaser statt Stahl: Franzose will Kleinwindanlagen revolutionieren

Naturfaser statt Stahl: Franzose will Kleinwindanlagen revolutionieren

von Marius Hasenheit

Mit einem Prototyp aus Biomaterialien will ein Ingenieur den Markt für Kleinwindanlagen aufrollen.

Kleinwindanlagen sind gut geeignet, um an Orten, auf die kein Windrad passt, trotzdem Strom zu erzeugen. Ein großer Nachteil sind die Kosten: Material und Aufbau sind je nach Modell nicht ganz billig, und die relativ geringe Ausbeute macht eine solche Anlage zu einer langfristigen Investition.

Ein französischer Ingenieur will das ändern: Quentin Dubrulle hat ein Windrad entwickelt, das seine Kosten deutlich schneller wieder einspielen soll. Das Besondere dabei: Das Windrad besteht vor allem aus recycelten Materialien und Flachsfasern.

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In Landwirtschaft oder Papierbranche ist die sogenannte Bioökonomie ein alter Hut: Dabei dient Biomasse als Rohstoff. Sie ersetzt in vielen Branchen Metalle und Öl-basierte Rohstoffe. (Über Sprit aus Bioabfall, Bioplastik oder Nylon aus Zucker haben wir bereits berichtet.) Das soll nun auch bei der Windkraft passieren.

Wie teuer und effizient die Windanlage von Quentin Dubrulle sein wird, kann er noch nicht sagen. Der Prototyp soll zwischen 1000 und 2000 Kilowattstunden pro Jahr liefern können - je nach Standort und Entwicklungsstand des Prototyps. Denn noch werkelt Dubrulle an der Anlage.

Der Durchbruch für KleinwindanlagenErst im kommenden Jahr soll die Produktion losgehen. Als Einsatzort hat er städtische Flachdächer im Blick. Denn Kleinwindanlagen können nicht überall errichtet werden, die Windausbeute ist nicht überall gleich und Städte und Gemeinden erlauben es auch nicht an jedem Ort. Zudem haben sich die Kleinwindanlagen - die meist eine vertikale Windlage haben, also sich nicht wie ein Rad drehen sondern wie eine Säule - noch nicht wirklich am Markt durchgesetzt.

Das soll nun kommen, nicht zuletzt weil Dubrulle auch an andere Punkte gedacht hat: Mit der Nutzung der Flachsfaser als Rohstoff will er sowohl Kohlenstoffdioxidemissionen in der Produktion einsparen, als auch eine lokale Wertschöpfung fördern. Nicht vermeidbare Emissionen sollen durch Baumpflanzungen kompensiert werden.

Außerdem will Dubrulle körperlich beeinträchtigte Menschen in die Produktion einbinden - im Stile eines klassischen Sozialunternehmers. Allein: Beides wird nicht reichen, damit sich die Anlage durchsetzen kann. Käufer haben heute schon ein großes Angebot an Anlagen, und ohne konkrete und vor allem wettbewerbsfähige Kennzahlen wird sich auch die schönste Kleinwindanlage nicht verkaufen.

In diesem Video erklärt Dubrulle sein Konzept:

https://youtu.be/8tA6D467T7M

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