Neue Akku-Technologie: Bosch will E-Auto-Reichweite verdoppeln

Neue Akku-Technologie: Bosch will E-Auto-Reichweite verdoppeln

von Angela Schmid

Eine neue Lithium-Batteriegeneration soll den Durchbruch für die E-Mobilität bringen.

Doppelte Reichweite zum halben Preis: Bosch will mit einer neuen Batterietechnologie für neuen Schwung bei Elektroautos sorgen. Durch den Kauf des US-amerikanischen Start-ups Seeo Inc. erhält der Automobilzulieferer das entscheidende Know-how im Bereich neuartiger Festkörperzellen für Lithium-Batterien.

Damit werden Lithium-Ionen-Zellen nicht völlig neu erfunden, sondern verbessert. Statt 150 könnten Stromer in fünf Jahren 300 Kilometer fahren. „Die Festkörperzelle könnte eine entscheidende Durchbruchstechnologie sein“, ist Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung, überzeugt. Ihren Namen trägt die Zelle, da sie keine Flüssigkeit mehr enthält.

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Bisher lassen Kunden Elektroautos links liegen. Die geringe Reichweite, Ladezeiten von mehreren Stunden und Kosten von rund 40.000 Euro etwa für den Kompaktwagen BMW i3 verhindern die Alltagstauglichkeit. Hemmschuh für den Durchbruch sind Batterien. Sie begrenzen die Reichweite und machen die Fahrzeuge teuer.

Zulieferer und Hersteller beißen sich schon seit Jahren an leistungsstärkeren Lithium-Ionen-Batterien die Zähne aus. Knackpunkt sind die Zellen. Vor allem das Material der Plus- und Minuspole (Kathode und Anode) spielt dabei eine große Rolle. Bei aktuellen Lithium-Ionen-Batterien ist die Energiedichte unter anderem dadurch limitiert, dass die Anode zu großen Teilen aus Graphit besteht. Bei den Festkörperzellen kann die Anode aus reinem Lithium gefertigt werden, was die Speicherfähigkeit deutlich erhöht.

Kleiner, leichter sichererGleichzeitig ist der Batteriepack um rund 75 Prozent kleiner und um die Hälfte leichter. Und die Haltbarkeit ist mindestens so gut wie die jetziger Lithium-Ionen-Akkus. Das könnte die Elektromobilität für Verbraucher deutlich attraktiver machen.

Die neuen Zellen kommen zudem ohne Flüssigelektrolyt aus und sind somit nicht brennbar. „Die reine Lithium- Anode ist ein großer Innovationssprung im Aufbau der Batteriezelle", erklärt Denner. Derzeit verfügt der Hersteller nach eigenen Angaben über erste Musterzellen, die im Laufe von rund fünf Jahren zu einem fertigen Produkt werden könnten.

Im vergangenen Jahr hat Bosch mit GS Yuasa und der Mitsubishi Corporation das Joint Venture Lithium Energy and Power gegründet, um eine leistungsstärkere Generation von Lithium-Ionen-Batterien zu entwickeln. Die Technik von Seeo ergänzt die bisherige Zusammenarbeit mit den japanischen Partnern und fügt sich in die Elektromobilitäts-Strategie der Schwaben ein.

Nach Prognosen des Unternehmens werden rund 15 Prozent aller weltweit gebauten Neufahrzeuge im Jahr 2025 einen elektrischen Antrieb haben. In Europa sollen sogar mehr als ein Drittel aller neuen Autos elektrisch angetrieben – die meisten als Plug-in-Hybride. Mit dem Kauf des amerikanischen Start-up hat ein deutscher Hersteller wieder einen Fuß im Geschäft mit Batteriezellen. Bisher werden Zellen, aus denen Batterien für Elektroautos hergestellt werden, überwiegend in Asien von Firmen wie LG, Panasonic oder Toshiba gefertigt.

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