Neue Fracking-Studie: Amerika überschätzt seine Schiefergas-Vorräte

Neue Fracking-Studie: Amerika überschätzt seine Schiefergas-Vorräte

von Anna Gauto

Forscher stellen Fracking-Prognosen in Frage. Demnach werde die Schiefergas-Produktion schon ab 2020 einknicken.

Demokraten und Republikaner sind sich bekanntlich nicht immer grün, doch wenn es um Erdgas geht, ist man sich weitgehend einig: Die Fracking-Technologie wird die USA endlich wieder zum weltgrößten Erdgas-Produzenten aufsteigen lassen. Dass der Schiefergas-Boom der US-Wirtschaft einheizen und sie in eine Ära der Energie-Autonomie leiten wird, ist zum Mantra in Politik und Industrie geworden.

Die USA sitzen auf Erdgas-Reserven für die nächsten 100 Jahre. So ähnlich formulierte es auch Barack Obama 2012 in einer Rede. Und die US- Energiebehörde (EIA) ist davon überzeugt, dass die Erdgas-Produktion in den USA mindestens bis 2040 um 56 Prozent wachsen werde.

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Daher wollen Energieunternehmen in den nächsten 20 Jahren hunderte Milliarden Dollar in neue Schiefergas-Anlagen investieren.

"Fiasko": Schon ab 2020 geht es bergabSo weit so gut. Doch was, wenn die Prognosen gar nicht stimmen? Gestützt auf Untersuchungen von Wissenschaftlern der Universität Texas, meldet das Fachmagazin Nature ernste Zweifel an den Vorhersagen der EIA.

Drei Jahren lang haben Geowissenschaftler, Erdölingenieure und Ökonomen systematisch Daten zusammengetragen. Die Forscher aus Austin kommen zu dem Schluss, dass nicht erst 2040 sondern schon 2020 der Höhepunkt der Erdgasproduktion erreicht sein wird. Von da an soll es bergab gehen.

Außerdem glauben die Wissenschaftler, dass die vier großen Schiefergas-Formationen der USA (Marcellus, Haynesville, Fayetteville und Barnett) bis 2030 nur halb so viel Erdgas produzieren werden, wie die EIA berechnet hat. „Wir steuern auf ein großes Fiasko zu“ sagt Tad Patzek, der ebenfalls an der Texas-Studie mitgearbeitet hat, dem Magazin. Damit würden sich die EIA erneut getäuscht haben.

Studie aus Texas ist 20 Mal genauerDoch wieso sind die Prognosen so unterschiedlich? Ein wichtiger Grund ist, dass die EIA die Schiefer-Vorkommen relativ grob in Verwaltunsgbezirke (Counties) von über 1000 Quadratmeilen aufgeteilt und untersucht hat. Den Ertrag besonders produktiver Schiefergas-Quellen, sogenannter „sweets spots“, hat sie auf alle anderen Bohrlöcher hochgerechnet. Dies führe zu Ergebnissen, die viel zu optimistisch seien, so Patzek. Sein Team hat ein viel feineres Untersuchungs-Raster angewendet und die Schiefer-Flächen in jeweils eine Quadratmeile aufgeteilt. Diese Methode sei bis zu 20 Mal genauer.

Zwei EIA-Analysten haben bereits eingeräumt, dass ihre Messmethode Probleme aufwerfe. Doch was  passiert, wenn der Fracking-Boom in den USA auf einer Fehleinschätzung beruht und viel weniger Erdgas zur Verfügung steht, als angenommen?

Zunächst einmal werden die USA ihre Energie-Strategie überdenken und möglicherweise ändern müssen. Ganz auf Energie-Importe zu verzichten, erscheint unwahrscheinlich. Doch auch Länder, die damit gerechnet haben, billiges Schiefergas aus den USA zu beziehen, werden sich nach neuen Quellen umsehen müssen, vielleicht ja aus Erneuerbaren Energien. Dann hätte der Fracking-Trugschluss auch sein Gutes.

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