Neues Kühlsystem: Salz-Cocktail speichert Solarstrom

Neues Kühlsystem: Salz-Cocktail speichert Solarstrom

von Wolfgang Kempkens

Ein Kühlsystem mit einem Salz-Speicher soll in Australien dabei helfen, Solarstrom rund um die Uhr zur Kälteerzeugung zu nutzen.

In Australien kann es bis in den Abend herein sehr heiß werden, Kühlanlagen laufen da auf Hochtouren. Steht die Sonne noch am Himmel, kann Solarenergie für die dazugehörige Energie sorgen. Nachts ist der hochsubventionierte Kohlestrom günstig verfügbar. Den teureren Strom dazwischen könnte eine neue Speichertechnologie überflüssig machen.

Denn mit Salzen, die deutlich unterhalb des Gefrierpunktes von Wasser noch flüssig sind, lässt sich Kälteenergie mit weitaus höherem Wirkungsgrad speichern als beispielsweise mit einer Mischung aus Wasser und Eis. Das haben Forscher am Barbara Hardy Institute der University of South Australia gemeinsam mit Mitarbeitern des Kältespezialisten Glaciem Cooling Technologies festgestellt.

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Ob nun billiger Nachtstrom für den Mittag oder Solarstrom für den Abend - einen Teil der erzeugten Kälte wollen sie in einem Kühlsystem in Form von flüssigem Salz speichern, genauer gesagt in einem Gemisch aus flüssigem und erstarrenden Salz. Die Konsistenz ähnelt der eines Cocktails.

Derartige Mischungen haben eine ungewöhnliche Eigenschaft. Wenn sie sich erwärmen, etwa, weil Klimakälte zur Versorgung eines Bürogebäudes abgezweigt wird, behalten sie ihre Temperatur bei, bis auch das letzte feste Salzkrümelchen geschmolzen ist. Erst dann steigt sie langsam an.

Kühlung rund um die UhrRichtig austariert lässt sich auf diese Weise eine Klimaanlage rund um die Uhr betreiben, ohne das in Australien zur Mittagszeit besonders stark belastete Stromnetz zu nutzen. Auf dem heißen Kontinent gehen fast 25 Prozent des Strom für die Erzeugung von Klimakälte drauf.

Die bisher erreichte Schmelztemperatur des Salzes liegt bei minus sechs Grad Celsius. Das reicht für die Kälteversorgung von Kühlhäusern, in denen Waren lagern, die Temperaturen von wenigen Graden über Null benötigen. Der Lebensmittelhersteller Parilla Premium Potatoes in Südaustralien hat ein solches Kühlsystem bereits installieren lassen. Es arbeitet allerdings mit Strom aus dem Netz.

Das System könnte auch in Regionen eingesetzt werden, die sehr viel Wind- und Solarstrom produzieren, etwa in Deutschland. Häufig anfallende Überschüsse, die keine Abnehmer finden, sodass ganze Windparks abgeschaltet werden müssen, könnten genutzt werden, um Klimakälte auf Vorrat zu erzeugen. Die umgekehrte Möglichkeit, sie zur Produktion beispielsweise von Fernwärme zu nutzen, ist in Deutschland schon Wirklichkeit.

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