Nie wieder Stau: Warum vernetzte Autos die Städte revolutionieren

Nie wieder Stau: Warum vernetzte Autos die Städte revolutionieren

von Andreas Menn

Sensoren, Datennetze und Apps leiten Großstädter künftig schnell, sauber und vor allem staufrei ans Ziel.

Wer in einem Großstadtviertel sein Auto abstellen will, braucht viel Geduld: 20 Minuten kurven Autofahrer herum, bevor sie eine Parklücke finden, haben IBM-Forscher ermittelt. Die pure Spritverschwendung.

Doch am Hamburger Ballindamm, einer Verkehrsachse an der Binnenalster, soll Schluss sein mit den Irrfahrten: Bald lassen sich Autofahrer hier per Smartphone oder Navigationsgerät zum nächsten freien Parkplatz leiten, in den ihr Wagen passt.

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Möglich macht es das mobile Internet – und Kameras, die Thomas Hohenacker, Chef des Starnberger Medienunternehmens Maltemedia, an Hauswände montieren lässt: Sie erkennen Parklücken noch in 500 Meter Entfernung, vermessen sie auf fünf Millimeter genau und melden sie über einen Zentralcomputer an die Handys der Autofahrer.

Nicht nur in Hamburg entwickelt sich das Internet zu einem wirkungsvollen Instrument, um die Verkehrsprobleme unserer Zeit zu lösen. Sensoren, Datennetze und mobile Apps mindern die Parkplatznot, vermeiden verstopfte Straßen, reduzieren die Unfallzahlen, senken den Spritverbrauch und verbessern die Luftqualität.

Allein die Staus auf Deutschlands Autobahnen führten 2012 dazu, dass 395 Millionen Liter Treibstoff vergeudet wurden. Das hat der Verkehrsberater Frank Schmid aus Willich am Niederrhein ausgerechnet.

162 Millionen Autofahrten täglichIm Stadtverkehr sieht es nicht besser aus. Mit Nanev, einer neuen Software für Navigationsgeräte wollen Studenten der britischen University of Cambridge und des Londoner King's College die Verschwendung beenden und den Verkehr flüssiger machen.

Das Programm erkennt anhand der Zieleingabe auf dem Navigationsgerät, wann zu viele Fahrer planen, gleichzeitig dieselbe Route zu nehmen, und leitet einen Teil über Ausweichstrecken. Stau erkannt – Stau gebannt.

Via Internet lassen sich Autos aber nicht nur schlauer navigieren, sondern auch effizienter nutzen. Statistisch ist jeder Wagen mit eineinhalb Personen unterwegs, ergab eine Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums – dreieinhalb Plätze sind frei. Berechnet auf täglich 162 Millionen Autofahrten, ergibt das rund 400 Millionen mögliche Mitfahrten.

Sie zu organisieren, darum kümmert sich Benjamin Kirschner mit seinem Ludwigshafener Startup Flinc. "Wir haben ein riesiges Verkehrsnetz, das allerdings schlecht ausgelastet wird", sagt der Gründer. Seine App für Smartphones und Navigationsgeräte ermöglicht es Autofahrern jetzt, spontan Mitfahrer zu suchen.

Das Programm leitet den Chauffeur automatisch zum Abholpunkt und berechnet auch den Preis, den der Passagier zahlen muss. 500.000 Fahrten bieten die Flinc-Nutzer im Monat an.

Vernetzte Autos gegen das Stau-Chaos?Ein anderer Ansatz, die Bewohner der Großstädte ökonomisch und ökologisch sinnvoll an ihr Ziel zu bringen, ist die clevere Verknüpfung aller Verkehrsmittel. Da setzt die App Moovel des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler an.

Sie rechnet Anwendern in wenigen Sekunden aus, in welcher Zeit und zu welchen Kosten sie mit Bus, Bahn, Mietrad, Leihwagen, Taxi oder zu Fuß von A nach B kommen. Die Daimler-Entwickler erhoffen sich von dem Auskunftssystem eine bessere Verteilung der Verkehrsströme.

Wenn erst die Ära der autonom fahrenden Elektromobile anbricht, könnte das Chaos auf den Straßen Vergangenheit sein. Der Internet-Konzern Google und der japanische Autobauer Nissan arbeiten an dieser Vision.

Noch in diesem Jahrzehnt wollen sie computergesteuerte Fahrzeuge bauen, die sich via Internet verständigen. Fahrgäste bestellen sie vor die Haustür und lassen sich auf kürzestem Weg ans Ziel chauffieren. Und lesen unterwegs E-Mails oder Zeitung.

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Lesen sie über Ostern bei WiWo Green, wie das Internet dabei hilft, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Die Texte stammen aus der Magazin-Ausgabe von WiWo Green. Die aktuelle Ausgabe können Sie hier bestellen.

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