Norddeutschland: Deshalb wehren sich die ersten Landkreise gegen die Windkraft

Norddeutschland: Deshalb wehren sich die ersten Landkreise gegen die Windkraft

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Windkraftanlagen nahe Klanxbuell in Nordfriesland: Dem Kreis reicht es mittlerweile mit dem Windenergie-Zubau.

von Angela Schmid

Genug Energiewende? Erste Landkreise wehren sich im Norden gegen Windkraft-Investoren und Landesgesetze. Dazu haben sie einen einfachen Trick entdeckt.

Landschaftsschutz versus Windenergie: Der Kreis Dithmarschen an der Westküste Schleswig-Holstein gilt als Wiege der Windkraft. Auf einer Fläche von 3,26 Prozent wurden 768 Windenergieanlagen (WEA) mit einer Leistung von 1439 Megawatt ausgewiesen, die das Dreifache von dem produzieren, was der Kreis verbraucht. Weitere knapp 200 Anlagen mit etwa 530 Megawatt (MW) sind bisher geplant. Eine Menge.

Doch vielen Anwohnern reicht es. Und auch Kommunalpolitiker rebellieren gegen die Pläne, die von der Landesregierung in Kiel kommen. Denn der Kreis will einige Hektar frei halten, die der Erholung dienen und die Natur schützen sollten - auch wenn oder gerade weil der Kreis der waldärmste in Deutschland ist.

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Ein frommer Wunsch, den die Landesregierung gleich wieder einkassierte - zu günstig ist der Wind in dieser Region, zu groß der Wunsch nach einem großen Beitrag zur Energiewende. Und die Investoren witterten Morgenluft und sicherten sich schon mal die besten Grundstücke.

Dass das Land den Willen der Dithmarscher einfach aushebelt, passt Landrat Jörn Klimant ganz und gar nicht: "Die Rolle des Kreises leidet darunter, dass wir auf der Tribüne sitzen", macht er das politische Dilemma deutlich. "Unser Einfluss ist überschaubar."

Naturschutz- statt Naherholungsgebiet

Landrat Jörn Klimant. (Foto: Schmid)

Landrat Jörn Klimant. (Foto: Schmid)

Die Rechnung hat das Land aber ohne die findigen Dithmarscher gemacht. Klimant will nun rund 29.000 Hektar unter Naturschutz stellen - und damit indirekt eine Verbotszone für WEA schaffen. Nicht mal das Votum des Kreistages benötigt der Landrat dafür. Rechtlich ist das legal.

Die Begeisterung ist geteilt. Seit der Landrat die Pläne der Öffentlichkeit vorstellte, bekam er täglich Anrufe oder Mails. Manche klopfen ihm auf die Schulter. Andere sind weniger freundlich. Viele befürchten wirtschaftliche Nachteile. Vor allem die Landwirtschaft ist alles andere als erfreut. Aber auch die Menschen, die vom Siegeszug der Windenergie profitieren wollten, sind auf den Landrat sauer. "Es wird in der Bevölkerung emotional diskutiert", umschreibt er es vorsichtig.

Klimant hat für die Entscheidung einen guten Grund. "Es ist wichtig, weil wir eine Verantwortung für das Landschaftsbild haben." Und weiter: "Bei aller Bedeutung, die wir der Windkraft beimessen, brauchen wir Landschaftsbereiche, die von Windkraft freigehalten werden."

Kompliziertes Verfahren

In trockenen Tüchern ist das noch nicht. Zwei Jahre hat der Kreis jetzt Zeit, um das Landschaftsschutzgebiet rechtlich auf den Weg zu bringen. Voraussichtlich nach den Sommerferien soll das Anhörungsverfahren starten. WEA werden in dieser Zeit nicht genehmigt. Dafür steht eine Menge Papierkram an.

Alleine sind die Dithmarscher allerdings nicht - auch der Nachbarkreis Nordfriesland wehrt sich auf diese Weise gegen die politischen Vorgaben aus Kiel. Landrat Dieter Harrsen plant sogar vier Landschaftsschutzgebiete, um auf diesen Flächen Windkraftanlagen zu verhindern. Rund 22 Prozent der gesamten Kreisfläche sollen frei von den riesigen WEA sein. In dem Kreis, der vor allem durch die Urlauberinsel Sylt bekannt und vom Tourismus abhängig ist, soll das Landschaftsbild geschützt werden.

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