Öko-Carsharing: Dieses Start-up betankt seine Autos mit Erdgas

Öko-Carsharing: Dieses Start-up betankt seine Autos mit Erdgas

von Sabrina Keßler

Mit Erdgas aus organischen Abfällen, Klärwerken oder Winderenergie will Fjuhlster den Carsharing-Markt revolutionieren.

Was vor wenigen Jahren noch als Nischenangebot für Weltverbesserer galt, ist heute im Mainstream angekommen: Carsharing breitet sich in Deutschland rasant aus und ist auf dem Weg, so selbstverständlich zu werden wie Taxi fahren oder in den Bus einsteigen. Mehr als eine Million Menschen setzen hierzulande auf die Fahrzeuge, die nach dem Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ nicht nur den Geldbeutel, sondern vor allem die Umwelt schonen. Rund 728 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr soll ein Carsharer im Vergleich zu einem PKW-Besitzer sparen, wie eine Studie von Köln Agenda ausgerechnet hat.

Den Gründern von Fjuhlster ist das nicht genug: Sie wollen Carsharing noch umweltfreundlicher machen. Andreas Findeisen und Jan Luca Plewa, Freunde und Arbeitskollegen beim Hamburger Branchennetzwerk für erneuerbare Energien, wollen den Carsharing-Markt mit emissionsärmeren CNG-Erdgasfahrzeugen aufmischen.

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Mit gutem Grund: Während Erdgas-PKW schon bei unterdurchschnittlicher Fahrleistung sowohl kostengünstiger als auch CO2-ärmer als konventionelle Fahrzeuge sind, wirken sich andere alternative Antriebe wie beispielsweise Elektro oder Hybrid aus gesamtwirtschaftlicher Sicht erst bei deutlich überdurchschnittlichen Leistungen im Jahr vorteilhaft aus, wie eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) belegt.

„Das Thema Gasmobilität rückt unserer Ansicht nach immer weiter in den Vordergrund – insbesondere vor der aktuellen „Dieselgate-Affäre““, sagt Automobilkaufmann Findeisen, der seit Jahren Projekterfahrung im Bereich der erneuerbaren Energien sammelt. „Darüber hinaus sehen wir dort eine interessante Brückentechnologie, um erneuerbare Energien marktfähig in die „Energiewende im Verkehr“ zu integrieren.“

Drei Stufen zum ErfolgIhr Vorhaben bewerben die Gründer derzeit groß auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. Ihr Ziel: 250.000 Euro sammeln. Mit dem Geld wollen sie ihr Start-up voranbringen und bis 2018 mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen, um peu à peu nachhaltige Autos anzubieten.

So sollen in der Pilotphase ab Ende 2015 bereits die ersten fünfzehn Fahrzeuge – kurioserweise aus dem Hause VW – inklusive Carsharing-Technik und Buchungs-App in Hamburg bereit stehen. Außerdem sollen Nutzer mit einem „grünen Herz“ – also einer wenige Cent höheren Rate – weitere nachhaltige Verkehrsprojekte unterstützen können.

Bei Erfolg soll Fjuhlster ab 2016 noch ökologischer werden. Statt mit konventionellem Erdgas sollen die Autos ab der zweiten Entwicklungsphase mit sauberem Gas aus Abfällen, Klärwerken sowie Wind- und Solarenergie fahren. Möglich ist das durch sogenannte Power-to-Gas-Anlagen, die kurzfristige Überschüsse aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff beziehungsweise synthetisches Erdgas verwandeln.

Fragliches ZukunftsmodellBetankt werden die Öko-Mobile vorerst an konventionellen Gas-Tankstellen – ein Problem, gibt es nach Angaben des Lobbyverbands Erdgas Mobil in Deutschland doch gerade mal 900 Stück. Im Vergleich: Benzin- und Dieselfahrer können sich auf rund 15.000 Tankstellen bundesweit verlassen. Im Hamburger Stadtgebiet, wo das Pilotprojekt starten soll, gibt es lediglich sieben Erdgastankstellen. Von Kontakten aus der Energiewirtschaft will Fjuhlster allerdings erfahren haben, dass man gerne über weitere Tankstellen für erneuerbare Antriebe nachdenke, wenn das Start-up als neuer Mobilitätsanbieter den ersten Zug mache und saubere Energie nachfrage.

Inwieweit das alternative Carsharing der Umwelt wirklich hilft, bleibt allerdings abzuwarten. Der überaus niedrige Anteil von Erdgas-Fahrzeugen am derzeitigen PKW-Bestand – circa 0,1 Prozent – lasse Erdgas-Autos nämlich erst bei einem unrealistischen Diffusionsgrad zu einer nennenswerten Emissionsreduktionstechnologie im PKW-Sektor werden, so die Forscher der Uni Köln in ihrer Studie. Um die heutigen CO2-Emissionen des PKW-Sektors um zehn Prozent zu reduzieren, müsste der Anteil der Erdgas-Autos bei stolzen 23 Prozent liegen. Bislang ein unrealistisches Szenario. Fjuhlster will nun versuchen, es etwas realistischer werden zu lassen.

Mehr zu Fjuhlster gibt es hier im Video:

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