Ökostrom-Speicher: Kraftwerk speist Wasserstoff aus Windkraft ins Gasnetz

Ökostrom-Speicher: Kraftwerk speist Wasserstoff aus Windkraft ins Gasnetz

von Wolfgang Kempkens

Die Firma Enertrag speist erstmals Wasserstoff aus Windkraft ins Netz. Wird das Gasnetz zum Windenergie-Speicher?

Schon seit Monaten verkaufen die Umweltschützer von Greenpeace unter dem Tarifnahmen „proWindgas“ ganz normales Erdgas (Methan).

Die Idee hinter proWindgas: Aus Ökostrom (in erster Linie Windstrom) soll durch Elektrolyse Wasserstoff gewonnen werden. Dieser wird in das bereits vorhandene Gasnetz eingespeist, wo er gespeichert oder zum Verbraucher weitergeleitet werden kann. So soll das Gasnetz zum Windenergie-Speicher werden.

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Ab jetzt ist in dem Erdgas tatsächlich ein bisschen Wasserstoff enthalten. Am 12. Dezember wird das Hybridkraftwerk des Greenpeace Energy-Partners Enertrag im brandenburgischen Prenzlau den Wasserstoff, der durch überschüssigen Windstrom erzeugt wird, in das Gasnetz einspeisen.

400 Megawattstunden pro JahrGreenpeace Energy hat sich für seine rund 10.000 Kunden zunächst ein Kontingent von 400 Megawattstunden pro Jahr gesichert. Das reicht aber bei weitem nicht für alle. Gerade einmal 20 normal gedämmte Einfamilienhäuser lassen sich damit beheizen.

Daher bekommen Kunden ihr Erdgas wie bisher aus dem öffentlichen Netz. Nur diejenigen, die nahe der Einspeisestelle leben, erhalten Methan mit einer Spur Wasserstoff darin. Allzu viel Wasserstoff darf dem Erdgas nicht beigemischt werden - bei einem Anteil von drei, allenfalls fünf Prozent ist Schluss.

Soll es mehr sein, muss der Wasserstoff in synthetisches Methan umgewandelt werden, wie es im niedersächsischen Werlte geschieht. Dort hat das Stuttgarter Unternehmen Etogas gemeinsam mit dem Automobilhersteller Audi eine Anlage gebaut, die Windstrom in einem Elektrolyseverfahren in Wasserstoff und anschließend mit CO2 zu Methangas umwandelt. Dieses kann dann in das bestehende Erdgas-Netz eingespeist werden, um damit Autos aber auch Haushalte zu versorgen.

Hybridkraftwerk liefert WasserstoffDas Hybridkraftwerk in Prenzlau besteht aus drei weithin sichtbaren Zwei-Megawatt-Windenergieanlagen, die Strom fürs Netz liefern.

Wenn dort kein Bedarf besteht, fließt die elektrische Energie in einen Elektrolyseur, der Wasser in Wasser- und Sauerstoff spaltet. Der Sauerstoff wird an die Umwelt abgegeben, der Wasserstoff in Drucktanks gespeichert, die eine örtliche Tankstelle versorgen. Spezial-Lkw beliefern Tankstellen in Berlin regelmäßig mit Drucktanks. Ein Teil dieses Wasserstoffes wird mit Inbetriebnahme der Einspeisestation am 12. Dezember direkt ins öffentliche Netz fließen.

Der Wasserstoff könnte, falls Abnehmer fehlen, auch in den beiden Blockheizkraftwerken (BHKW) am Standort verbrannt werden. Im wesentlichen werden diese mit Biogas versorgt, das ebenfalls dort produziert wird. Rohstoffe sind vor allem Gülle und Bioabfälle. Die Abwärme der Motoren fließt in ein Fernwärmenetz. Überschüssiges Biogas strömt in Drucktanks, so dass die BHKW ständig einsatzbereit sind, also auch wertvolle Regelenergie liefern können, um das Stromnetz zu stabilisieren

Mit der Einspeisung von Wasserstoff ins Gasnetz wollen Greenpeace Energy und Enertrag "einen weiteren Schritt zur Versorgungssicherheit mit alternativen Energien in Deutschland machen".

Hier noch ein Erklär-Video von Greenpeace Energy:



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