Ölförderung: Erstes Teersand-Projekt startet in den USA

Ölförderung: Erstes Teersand-Projekt startet in den USA

von Benjamin Reuter

In Kanada fördern Unternehmen schon lange Erdöl aus Teersanden im großen Stil. Jetzt könnte der Boom auf die USA übergreifen.

Die "Asphalt-Hügelkette" in der Einöde des US-Bundesstaates Utah trägt ihren Namen nicht umsonst. Sie besteht zu einem Großteil aus einem schwarzen, klebrigen Sand, den lokale Unternehmen schon seit Jahrzehnten als Baustoff für die spärlich befahrenen Highways der Gegend verwenden. Jetzt hat das kleine kanadische Unternehmen MCW Energy Group eine neue Verwendung gefunden: Es gewinnt Erdöl aus dem Teersand.

Teersand ist auch der Rohstoff, der Kanada derzeit zu einem der wichtigsten Ölförderländer zwischen Alaska und Feuerland macht und dort vor allem in der Provinz Alberta zu gigantischen Mondlandschaften und Umweltzerstörung geführt hat. MCW Energy hat nach eigener Aussage aber nun einen Prozess zur "umweltfreundlichen" Gewinnung des Erdöls entwickelt. Seit einigen Wochen tut eine Pilotanlage am Stadtrand von Vernal in Utah ihren Dienst, die im Gegensatz zu den herkömmlichen Verfahren am Ende nur "gereinigten" Sand hinterlässt, der die Fördergruben wieder füllt (hier ein PDF mit den technischen Details).

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Zentral für den umweltfreundlicheren Prozess ist ein Lösemittel, das das Öl vom Sand trennt und anschließend wiedergewonnen wird. Außerdem soll das Verfahren ohne Wasser auskommen. Gewöhnlich bleiben mit den derzeit verwendeten Technologien große Becken mit schadstoffhaltiger Brühe bei der Teersand-Förderung übrig.

Nun könnte man fragen: Welche Bedeutung hat die Entwicklung einer neuen Ölfördertechnik in einem abgelegenen Winkel der USA? Erstens soll sie laut Aussage von MCW sehr günstig sein. Ein Fass Erdöl aus dem Sand zu holen, kostet rund 38 Dollar. Das Verfahren lohnt sich also auch beim derzeit vergleichsweise niedrigen Ölpreis von rund 80 Dollar. Und: Öl aus den Teersanden in der kanadischen Provinz Alberta kostet 75 Dollar.

Was aber an dem Projekt noch wichtiger ist: Es zeigt die Fähigkeit der Industrie, mit immer neuen Techniken immer neue Erdölvorkommen zu erschließen. Die Kanadier glauben, gestützt auf Schätzungen des US-Energieministeriums, dass in den Teersanden Utahs rund 32 Milliarden Fass förderbares Erdöl lagern. USA-weit gehen sie von der doppelten Menge aus. Derzeit versuchen Unternehmen auch, noch sehr viel größere Kerogen-Vorkommen - dabei handelt es sich um in Stein eingeschlossenes Erdöl - in Utah und dem Nachbarstaat Colorado zu erschließen (wir berichteten an dieser Stelle ausführlich).

Die Internationale Energieagentur (IEA) schreibt in ihrem jüngsten Weltenergiebericht, dass Ölsande in Kanada und Venezuela (die USA fehlen in der Schätzung noch) bis 2040 die zweitwichtigste Quelle für neue Vorkommen des Rohstoffs werden. Insofern ist es durchaus zu begrüßen, wenn Technologien verfügbar sind, die die Auswirkungen der Ölförderung auf die Natur reduzieren. Dass 2040 wegen der Erderwärmung eigentlich kaum noch Öl gewonnen werden dürfte, steht auf einem anderen Blatt.

Und auch nicht alle sind überzeugt, dass MCW seine Versprechen wirklich hält. Umweltschützer protestierten bei der Eröffnung gegen das Teersandprojekt. Sie fürchten, dass geplante Großprojekte in der Gegend die sensible Prärielandschaft um Vernal auf Dauer zerstören könnten.

Schon in den 1970er-Jahren wurde in Utah und Colorado Erdöl aus den Sanden gefördert. Das Projekt von MCW ist das erste, das an diese Tradition anknüpfen will.

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