Offshore-Windkraft: Schnellbau soll Kosten senken

Offshore-Windkraft: Schnellbau soll Kosten senken

von Wolfgang Kempkens

Immer größer, immer weiter auf's Meer hinaus. Das Startup Seatower baut riesige Betonfundamente für die Offshore-Windparks der Zukunft.

Anfang des nächsten Jahres geht ein 2500 bis 3000 Tonnen schwerer Koloss auf große Fahrt. Schlepper ziehen ihn von der französischen Hafenstadt Le Havre 13 Kilometer weit zum geplanten Fécamp Offshore-Windpark im Ärmelkanal. Am Ziel angekommen wird der Innenraum des Betonriesen von Schiffen mit Sand gefüllt.

Langsam sinkt er auf den Meeresgrund. Dort steht er allein wegen seines Gewichts unverrückbar fest. Dann werden Ingenieure eine mehr als 100 Meter hohe Windturbine auf dem Fundament befestigen. Nicht einmal Jahrhundertwellen können das Gebilde aus dem Gleichgewicht bringen.

Anzeige

 Vor allem tiefe Gewässer soll das Fundament erschließenDas hofft jedenfalls der Entwickler des neuartigen Fundaments für Windgeneratoren auf hoher See, das Unternehmen Seatower aus der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Das Seatower Cranefree Gravity Fundament benötigt keine Vorbereitungen unter Wasser, ebenso wenig Schwimmkräne wie alle herkömmlichen Fundamente für Offshore-Windanlagen. Deshalb können die gewaltigen Türme bei nahezu jeder Witterung platziert werden, bisher sind ein paar Tage ruhige See unabdingbar für den Windparkbau.

Die Schwergewichte sollen vor allem Wassertiefen von mehr als 30 Meter für Windparks nutzbar machen, bei denen herkömmliche Gründungen – die in den Boden gerammt werden – zu teuer sind. Der runde Betonfuß, der auf dem Meeresboden liegt, hat einen Durchmesser von 30 Meter. Die Wassertiefe am ersten Standort liegt bei 27 Meter.

An Fécamp beteiligt sind der französische Energieversorger EDS Energies Nouvelles, der dänische Stromkonzern Dong Energy und der Bremer Projektierer wpd offshore. Sie haben sich für einen Einsatz der norwegischen Lösung entschieden, weil die Betonfundamente ihre Standfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit schon rund 300 Mal bewiesen haben.

Offshore-Windparks entstehen in immer tieferen Gewässern„Unsere Technologie wird die Errichtung von Offshore-Windparks erleichtern und beschleunigen und dies zu einer Zeit, da Kostenreduktionen und Verringerung von Risiken erforderlich sind, um auch an schwierigeren Orten Windparks errichten zu können“, glaubt Patter Kral, CEO von Seatower.

Die Seatower seien billiger als komplexe Stahlkonstruktionen, weil vor allem preiswerte Werkstoffe wie Beton und Sand benötigt würden. Aktuelle, herkömmliche Fundamente wiegen nur die rund die Hälfte im Vergleich mit der Seatower-Entwicklung.

Hergestellt werden die Fundamente an Land und erleben wie Schiffe ihren Stapellauf. Da sie hohl sind und ihr Schwerpunkt tief liegt, schwimmen sie wie Bojen im Wasser, bis sie befüllt werden.

Die Norweger treten mit ihrer Entwicklung gegen schwimmende Fundamente an, die ebenfalls für größere Wassertiefen konzipiert sind, wie die der Gicon-Gruppe aus Dresden. Beide Unternehmen rechnen sich gute Chancen aus, weil Offshore-Parks in immer tiefere Gewässer vorstoßen. Die flachen Küstengewässer in Europa sind bereits weitgehend genutzt oder verplant.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%