Ohne Schrauben: Toyota baut ein Elektroauto aus Holz

Ohne Schrauben: Toyota baut ein Elektroauto aus Holz

von Peter Vollmer

Keine Nägel, keine Abgase, kein Lärm: Ein Designer und ein Ingenieur haben für Toyota eine naturnahe Studie gebaut.

Grüne Blätter, singende Vögel, ein herrliches Waldidyll. Plötzlich brummst und knattert es durch den Wald, die Vögel fliegen weg und ein dunkler Wagen heizt mit 100 Sachen über die Landstraße und ist schon wieder weg.

Genau dieses Bild will Kensji Tsuji aus den Köpfen der Menschen bekommen - und hat dazu ein Auto entworfen, mit dem man sich regelrecht durch den Wald schleichen könnte.

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Das Auffälligste zuerst: Das Auto besteht aus Holz. Überwiegend japanische Zeder und Birke, aber auch andere Hölzer. "Setsuna" heißt es, was "Moment" bedeutet. Für den Toyota-Ingenieur soll das wiederspiegeln, was für wertvolle, flüchtige Momente Menschen mit ihren Autos erleben.

Klingt sehr nach innerer Ruhe, und das ist bei einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h auch unumgänglich. Sechs Blei-Säure-Zellen, wie sie sonst in Rollern verbaut sind, bringen den Wagen immerhin knapp 30 Kilometer weit. Das ist noch ausbaufähig; oder in den Worten des Entwicklers: "Der Wagen kann über die Jahre noch einen komplexen und einzigartigen Charakter entwickeln."

Vorstellung auf der Design WeekWichtig war zunächst das optische Innenleben des Autos, und auch dieses besteht aus Holz: Sowohl der Boden als auch die beiden Sitze, alles zusammengefügt mit einer japanischen Technik namens "okuriari", die ohne Schrauben oder Nägel auskommt. Das gilt sogar für das Lenkrad (das aus Zypresse besteht). Einige Aluminiumteile und Lederverkleidungen bieten einen hübschen Kontrast.

Handelt es sich hierbei um eine Spinnerei von zwei abgedrehten Toyota-Mitarbeitern? Unbedingt! (Ein Forbes-Autor war so irritiert, als er die beiden traf, dass er sogar überlegte, wo Designer Kota Nezu überall Piercings haben mag.) Ist das Auto bloß ein wilder Konzept-Traum? Mitnichten! Während der Milan Design Week stellt Toyota das ungewöhnliche Fahrzeug vor, berichtet der Autoblog.

Der Baustoff Holz war immer schon beliebt, die ersten entsprechenden E-Autos wurden aber erst 2014 gebaut - von zwei Chinesen. Der Landwirt Yu Jietao bastelte sich einen 30-km/h-Flitzer zum Neujahrsfest, für immerhin rund 14.000 Euro Baukosten. Ein teurer Spaß - denn eine Zulassung hat der Wagen laut Spiegel Online nicht. Der Holzhändler Liu Fulong baute sich laut Daily Mail gleich ein eigenes Militärfahrzeug. Aber damit ist der friedliche Gedanke hinter dem Werkstoff erstmal dahin.

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