Online-Plattform: Ein US-Startup macht jeden zum Autobauer

Online-Plattform: Ein US-Startup macht jeden zum Autobauer

von Jürgen Klöckner

Local Motors verfolgt ein revolutionäres Konzept: Es baut Autos mit Hilfe der Crowd. Der Kunde darf sogar selbst schrauben.

Stehen wir vor einem neuen Zeitalter des Automobilbaus? Das US-Startup Local Motors versucht jedenfalls genau das einzuläuten. Denn als erster Autohersteller bauen die Amerikaner Fahrzeuge mit Hilfe der Crowd. Tausende Begeisterte leihen CEO Jay Rogers schon seit Monaten über das Internet gute Ideen. Er bringt dafür deren Einfälle auf die Straße. Rogers nennt das Co-Creation - und ist damit ziemlich erfolgreich.

Der Elektroauto-Bauer Tesla macht gerade vor, wie man mit großen Herstellern konkurrieren kann: Nicht durch schiere Verkaufsmacht, sondern durch Kreativität. Auch von Local Motors kann man noch einiges erwarten: CEO Rogers kündigte in einem Interview mit dem US-Sender Fox News im Januar auch ein Elektro-Fahrzeug an - leider hat sich seither in diesem Bereich noch nichts getan.

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Wozu Local Motors aber in der Lage ist, demonstrierte das Team vor etwa einem halben Jahr. In nur 14 Wochen und mit nur einer Millionen Dollar entwickelte und baute das Unternehmen ein serienreifes Militärfahrzeug für die die US-Armee. Mit so wenig Geld und Zeit wagen sich etablierte Autohersteller nichtmal an ein Konzeptauto, das ohnehin nie die Autosalons verlassen würde.

Riesiger kreativer PoolÄhnlich hat das Team auch den Rally Fighter auf die Straße gebracht, ein futuristisches Zivilauto für 59.000 Dollar, das von den Reifen bis zum Dach auf der Internetseite entwickelt wurde. Es sieht aus wie ein Sportwagen für die Wüste, mit dem man auf der Rallye Dakar mitfahren könnte, ist aber auch für die Straße zugelassen: Angeblich darf es in 50 US-Bundesstaaten fahren.

Das Auto ist ein gutes Beispiel dafür, wieso Local Motors so revolutionär ist: Alleine für eine neue Mercedes S-Klasse werden schätzungsweise 100.000 neue Patente angemeldet, die für niemanden anderen zu nutzen sind - für ein Local Motors Gefährt völlig undenkbar. Studien, Bilder, Bauzeichnungen tragen nur eine Creative Commons Lizenz und sind auf der Internetseite für jeden frei verfügbar.

Für den Rally Fighter stellten alleine 3.600 Entwickler 44.000 Studien auf die Seite - natürlich ist darunter auch Schrott, aber CEO Rogers schätzt, dass mindestens 20 Prozent eins zu eins in dem Fahrzeug verbaut und immerhin noch 40 Prozent in abgewandelter Form verwendet wurden. Kein Automobilkonzern dieser Welt kann auf einen so riesigen kreativen Pool zurückgreifen, ohne auch nur einen Cent auszugeben.

Selbst schraubenRevolutionär ist auch die Fabrikation. Wer einen Rally Fighter kauft, der kann ihn sich selbst zusammenschrauben, zumindest teilweise. Mehr als zwei Wochenende kann er die nächstgelegene Local Motors Werkstatt nutzen - daher auch der Name des Unternehmens - und dort anpacken. „Wer sein eigenes Auto baut, hat eine spezielle Verbindung mit ihm“, sagt CEO Rogers.

Man könnte jetzt spotten: Auf diese Weise lässt sich Geldsparen schön reden - Ikea hat es ja auch geschafft, dass Kunden den Schrank selbst im Lager abholen, zu Hause aufstellen und dabei auch noch ein gutes Gefühl haben.

Dahinter steckt ein nachhaltiger Ansatz. Die Entstehung eines Local-Motor-Autos hat nichts mehr mit der eines Serienfahrzeugs der etablierten Hersteller gemein. Keine riesigen Fabriken, keine globale Produktion, keine Fließbänder und riesige Roboter. Stattdessen werden die Teile eigenhändig verbaut, einige von ihnen in 3D-Druckern sogar selbst produziert.

Geht es nach Rogers, sollen diese Mikrofabriken bald weltweit stehen. Damit wäre Local Motors der erste Franchise-Anbieter der Autoindustrie, wenn nicht sogar in der gesamten Industrie. Mit einem ähnlichen Konzept will etwa auch Ashok Khosla in Indien Millionen grüner Jobs schaffen: Er entwickelt Technologie und verschenkt ihre Baupläne lizenzfrei an Kleinunternehmer vor Ort. So werden lange Transporte auf ein Minimum reduziert und noch dazu vor Ort Jobs geschaffen.

Unklar ist nur, wie genau sich die Local-Motors-Plattform finanziert. Von dem Millionen-Budget für das Militärfahrzeug erhielten etwa auch die Designer einen Anteil. Außerdem sponsern Unternehmen aus gänzlich unterschiedlichen Branchen das Projekt: Siemens unterstütz Local Motors genauso wie der deutsche Autoriese BMW, dabei ist auch der Ölkonzern Shell sowie der Pizzalieferant Domino's, der derzeit über die Plattform ein neues Auslieferungsfahrzeug bauen lassen will.

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