Onlinekurs zur Energieversorgung: Inselstaaten und deutsche Forscher tauschen sich im Netz aus

Onlinekurs zur Energieversorgung: Inselstaaten und deutsche Forscher tauschen sich im Netz aus

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Feierlicher Einstand der Zusammenarbeit: Prof. Walter Leal (Mitte) und Franziska Wolf (2. v.r.) zu Gast auf Fidschi. (Foto: Credit FTZ-ALS / HAW Hamburg)

von Angela Schmid

Über einen Onlinekurs tauschen sich deutsche Forscher und Vertreter von Inselstaaten zum Thema Energieversorgung aus.

Auf den ersten Blick haben Mauritius, Fidschi und Deutschland so gar nichts gemeinsam. Das Wetter auf den Inselstaaten ist besser, sie besitzen eine tropische Landschaft und die Einwohner gehen das Leben etwas gelassener an. Doch eines bewegt die Menschen gleichermaßen: die Energieversorgung und der Klimawandel.

Die Inselstaaten sind massiv von einer Veränderung des Kimas betroffen. Sie müssen nicht nur mit Überflutung, sondern auch mit zunehmendem Wassermangel rechnen. Wird das Klima trockener, wird auch das Süßwasser auf den Inseln knapp. Forscher der University of Colorado warnen im Fachmagazin "Nature Climate Change", dass bis 2050 mehr als 16 Millionen Menschen weltweit in Gefahr wären, ihre Lebensgrundlage zu verlieren.  

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"An wenigen Orten der Welt wird die Wichtigkeit nachhaltiger Energiegewinnung so deutlich wie bei kleinen Inselstaaten. Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten: Häufig beruht die Energieversorgung auf teurem Erdöl", sagt Franziska Wolf von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).

Energieversorgung nicht immer gewährleistet

Während es in Deutschland selbstverständlich ist, dass Strom, Wasser und Gas ständig zur Verfügung stehen, ist die Lage auf Mauritius und den mehr als 300 Fidschi-Inseln gänzlich anders. Die Energieversorgung ist komplizierter und längst nicht immer gesichert. Die Nutzung von regenerativen Energien durch kleinskalige Systeme ist aus Sicht Franziska Wolf eine Chance, um die Abhängigkeiten von fossiler Energie zu reduzieren.

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Für das länderübergreifende Projekt gibt es auch ein entsprechendes Logo. (Foto: EU-Projekt L3EAP)

Die Voraussetzungen und damit die Schwerpunkte unterscheiden sich zwar zwischen Mauritius, Fidschi und Deutschland. Dennoch wollen sich die Menschen damit gemeinsam auseinandersetzen und voneinander lernen. Fast 1000 Teilnehmer aus 92 Nationen hat der jetzt gestartete, kostenlose Onlinekursus Sustainable Energy for SIDS bereits am ersten Tag.

Initiiert von der HAW in Kooperation mit den Universitäten von Fidschi und Mauritius und unterstützt durch die Hamburg Open Online University (HOOU) sollen Energie-Fachleute, die ein konkretes Projekt in einem Inselstaat planen, sowie Studierende verschiedener Fachrichtungen konventionelle Energiesysteme hinterfragen und gleichzeitig eigene Lösungen für bezahlbare, verlässliche Energien aus nachhaltigen Quellen entwickeln.

Material darf weitergegeben und verbessert werden

20 kurze Lernvideos von Experten der Kooperationspartner, Lernhandbücher, interaktive Quellen, Tests und Diskussionsforen stehen dafür als Lernmaterial bereit. Die Inhalte können als Open Educational Resources (OER) wiederverwendet, weitergegeben, verbessert und von Hochschulen und anderen Institutionen auf der ganzen Welt genutzt werden.

"Ich möchte mein Wissen über erneuerbare Energien wie Biomasse, Solarenergie, Wellenenergie verbessern und ihre Realisierbarkeit in Mauritius erkunden", schildert ein Teilnehmer aus Mauritius seine Erwartungen an den Kursus. "Ich glaube, dass dieser Kurs mir helfen wird, mein Wissen zu nachhaltiger Energie zu erweitern und mir auch helfen wird, die Praktiken zu verstehen, die bereits in Fidschi angewendet werden, und wiederum mit Lösungen zur weiteren Verbesserung und Anwendung dieser Praktiken in Berührung zu kommen", erzählt ein weiterer Teilnehmer.

Erste Ansätze auf den Inseln

Bisher ist Deutschland den kleinen Inselentwicklungsländern (SIDS – Small Island Developing States) bei der Nutzung von regenerativen Energien weit voraus.  Auf Mauritius und Fidschi ist die umweltfreundliche Energieversorgung erst in den Anfängen. Es gibt aber immerhin solche Ansätze: Etwa auf Mauritius, wo Solarthermie fossiles Flüssiggas ersetzt und Fotovoltaik-Systeme 3100 ländlichen Haushalten den Zugang zu Energie ermöglicht haben.

Die wirtschaftliche Entwicklung hängt jedoch in großem Maße von konventionellen Energieressourcen wie Öl und Gas ab. "Dies macht SIDS – neben der bekanntlich hohen wetter-, klimawandel- und entwicklungsbedingten Vulnerabilitäten  - zusätzlich anfällig, weil große Teile des Staatsbudgets für den Kauf fossiler Energie investiert werden müssen", erklärt Franziska Wolf.

Die Politik hat die Notwendigkeit einer Veränderung aber erkannt. Die Bedeutung des Themas zeigt die große Aufmerksamkeit, die der Online-Kursus auch auf politischer Ebene fand. Den Startschuss gab der Minister für Infrastruktur und Transport auf Fidschi.

Hilfe zur Selbsthilfe

Mit dem noch bis September dauernden  und für jeden Interessenten zugänglichen Kursus, will Franziska Wolf Hilfe zur Selbsthilfe sowie eine interdisziplinäre Auseinandersetzung von nachhaltiger Energieerzeugung und -nutzung in kleinen Inselentwicklungsstaaten fördern und Kompetenzen aufbauen. Eine große Hürde zur schnelleren Einführung und Wartung nachhaltiger Technologien seien bisher mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten für eine adäquate Aus- und Weiterbildung, erklärt Franziska Wolf.

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Seit 7 Jahren arbeitet die HAW Hamburg bereits mit Partneruniversitäten in Fidschi und Mauritius zusammen,  um Weiterbildungsangebote für kleine Inselentwicklungsstaaten zu entwickeln. „Wir wollen die Inseln in ihren Bemühungen unterstützen, lokale Kompetenzen zu stärken und langfristig auf lokaler Ebene Jobs im Sektor der Erneuerbaren Energien generieren zu können“, so die Wissenschaftlerin.

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