Onshore: Rückenwind für die wichtigste erneuerbare Energiequelle

Onshore: Rückenwind für die wichtigste erneuerbare Energiequelle

von Malte Laub

Eine Studie sagt der Onshore-Windkraft eine große Zukunft voraus – nur der abstürzende Ölpreis sei gefährlich.

Er fällt und fällt – der Ölpreis hat in den vergangenen Monaten einen Kursabsturz hinter sich, der Seinesgleichen sucht. Je nach Sorte liegt er derzeit bei knapp über beziehungsweise unter der Marke von 30 US-Dollar pro Barrel. Vor einem Jahr kostete das Fass noch doppelt so viel, vor drei Jahren betrug der Preis mitunter das Vierfache.

Nicht nur geopolitisch birgt diese Entwicklung Konfliktpotential, auch die erneuerbaren Energien geraten unter Druck, fällt doch durch den geringen Ölpreis auch ihre Rentabilität im Vergleich zu den fossilen Energieträgern.

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Onshore ist wettbewerbsfähig

In einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger warnen die Energieanalysten nun Politik und Wirtschaft davor, aus der Ölpreiskrise falsche Schlüsse zu ziehen. An der grundsätzlichen Knappheit der fossilen Energieträger habe sich nichts geändert, schreiben die Autoren. Und mahnen: Es wäre fatal, den Erfolgskurs der Windenergie an Land (Onshore) jetzt durch falsche Entscheidungen zu unterbrechen.

Denn in vielen europäischen Ländern sei Onshore-Windkraft mittlerweile wettbewerbsfähig – sowohl Kapazitäten als auch die Erzeugungskosten hätten sich im dem vergangenen Jahrzehnten sehr positiv entwickelt, sagt Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger und einer der Autoren der Studie.

Der Untersuchung zufolge sind die Kapazitäten weltweit in den vergangenen 20 Jahren um den Faktor 50 gewachsen. Die Kosten seien allein zwischen 2010 und 2014 um ein Drittel gesunken. "Diese positive Entwicklung kann und muss weitergehen. Gerade vor dem Hintergrund des derzeitigen Ölpreisverfalls müssen die Betreiber, aber auch die Politik jetzt handeln", sagt Henzelmann.

100 Terawatt-Stunden zusätzlichIn der Studie mahnen die Autoren besonders an, den Netzausbau zu forcieren und nicht etwa wegen des niedrigen Ölpreises die ohnehin schon schwache Investitionsbereitschaft weiter zu drosseln. „Energiepolitik muss langfristig gedacht werden”, sagt Henzelmann. Um die Netze den EU-Zielen von 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen und einem Stromverbrauch aus Erneuerbaren von 27 Prozent bis 2030 gemäß auszubauen, seien europaweit Investitionen von 150 Milliarden Euro nötig, heißt es in der Studie.Investitionen von 150 Milliarden Euro sind nötig.Die Netze müssten künftig in der Lage sein, bis zu 100 Terawatt-Stunden Elektrizität aus Erneuerbaren zu transportieren – mit den zu erwarteten Schwankungen durch Flauten und Spitzenzeiten. Allein Großbritannien – ein Land, das schon länger aufgrund seiner geographischen Lage auf Windenergie setzt – müsse seine Kapazitäten bis 2030 verzwei- oder gar verdreifachen. Die Experten sind allerdings skeptisch, dass die Netze europaweit entsprechend schnell und groß dimensioniert ausgebaut werden. Es sei sehr realistisch, dass die Netzentwicklung nicht mit dem Wachstum der Erneuerbaren und vor allem der Windkraft mithalten werde.

Sparpotenzial von 45 ProzentLaut den Analysten sind für Betreiber und Politik aber nicht nur Mehrkosten zu erwarten. Allein die 477 deutschen Onshore-Windparks könnten ihre Gewinne um mehr als 300 Millionen Euro steigern, schreiben die Autoren. Erreichen ließe sich das vor allem durch Sparen: Um durchschnittlich 45 Prozent ließen sich die Betriebskosten von Windparks senken, heißt es in der Studie. Während sich Faktoren wie Standort und die dortigen Windverhältnisse naturgemäß nicht beeinflussen ließen, gebe es großes Sparpotenzial in den Bereichen Wartung, Rückstellungen, Pacht, Versicherung und Projektmanagement. Auch die Refinanzierung könnte optimiert werden.Der Barrel-Preis wird früher oder später wieder anziehen - Torsten HenzelmannSo bleibt auch Kapital für dringend benötigte Investitionen nicht nur in neue Projekte, sondern auch in Forschung und Entwicklung. Von 2015 bis 2030 rechnen die Experten mit jährlichen Investitionen von 15 Milliarden Euro allein in europäischen Onshore-Wind. Ihren Prognosen zufolge werden bis dahin 13 Prozent des europäischen Stroms durch Windkraft an Land erzeugt – 2012 waren es sechs Prozent.

Und der Ölpreis? „Der Barrel-Preis wird früher oder später wieder anziehen. Deshalb bleibt die Windkraft für die zukünftige Stromversorgung unverzichtbar", sagt Experte Henzelmann.

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