Pfingst-Protest in der Lausitz: Das sagen die Anti-Kohle-Demonstranten

Pfingst-Protest in der Lausitz: Das sagen die Anti-Kohle-Demonstranten

von Nora Marie Zaremba

Aktivisten aus ganz Europa demonstrieren über Pfingsten in der Lausitz gegen Braunkohle.

Als am Abend des Pfingstsamstags nur noch einer der beiden Kühltürme des Kraftwerks "Schwarze Pumpe" dampft, bricht Jubel unter den hunderten Demonstranten aus. Ihr Ziel ist erreicht: Durch stundenlange Schienenblockade haben sie verhindert, dass das Kraftwerk des Energiekonzerns Vattenfall mit Kohle nachversorgt werden kann - die "Schwarze Pumpe" fährt nicht mehr auf voller Leistung.

Die Schienenblockade ist nur ein Teil der vielen Aktionen, mit denen weit mehr als 2000 Menschen am Wochenende in der Lausitz gegen den Braunkohleabbau und gegen Vattenfall protestiert haben. Koordiniert wurde der Protest von "Ende Gelände", einem Bündnis aus Bürger- und Umweltverbänden.

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"Deutschland ist Weltmeister bei der Verbrennung dreckiger Braunkohle. Deshalb nehmen wir den Kohleausstieg selbst in die Hand und schalten einer der größten Klimakiller Europas ab", sagte Pressesprecherin Hannah Eichberger von Ende Gelände am Samstag.

Vattenfall plant zudem, sein Lausitzer Revier an den tschechischen Energieriesen EPH zu verkaufen. Ein dringender Anlass für die Demonstranten für eine klare Botschaft gegen die Braunkohle. Viele fürchten, dass mit dem Verkauf ein zeitnaher Ausstieg in weite Ferne rückt.

Bereits am Freitagnachmittag waren hunderte von Aktivisten, überwiegend gekleidet in weiße Schutzanzüge und ausgerüstet mit Staubschutzmasken, Strohsäcken und Transparenten, in einen Tagebau bei Welzow eingedrungen. Einige Demonstranten kletterten auf die riesigen Bagger, die sonst die Kohle aus dem Grund holen, andere tanzten zu den Klängen einer Sambaband auf den Förderbändern, auf denen an anderen Tagen der klimaschädliche Brennstoff abtransportiert wird.

Samstag hatten es Demonstranten besonders auf die Schienennetze rund um das Kraftwerk abgesehen. Mehrere hundert Menschen besetzten die zentrale Verladeanlage, mit der die Kohle aus dem Braunkohletagebau auf die Züge geladen wird, die zum Kraftwerk fahren. Auch am Pfingstsonntag und Montag sollen die Blockaden anhalten.

Im Heimatland Vattenfalls in Schweden landeten die Bilder der Aktion auf den Titelseiten und in den Abendnachrichten.

Neben den Aktionen von "Ende Gelände" folgten am Samstag etwa 1000 Menschen dem Protest-Aufruf der Organisation "Campact" und marschierten von Welzow nach Proschim. Der Ort Proschim soll im Rahmen eines Ausbaus des Braunkohletagebaus "Welzow Süd 2" weggebaggert werden. Der Weg führte die Demonstranten entlang des Tagebaus und durch kleine Ortschaften.

Die Stimmung der Anwohner angesichts des Protests gegen die Braunkohle war gemischt. "Wenn die Politik uns eine vernünftige Perspektive für die Zukunft bietet, können wir gerne auf die Braunkohle verzichten", sagte ein älterer Herr, der sich nicht fotografieren lassen wollte. Gerade jüngere Anwohner aber zeigten wenig Verständnis für den Protest. Sie skandierten immer wieder "Geht nach Hause, ihr Hippies".

Am Bahnhof von Spremberg wurde eine Gruppe von Demonstranten abends von mehreren Jugendlichen attackiert. Diese schubsten die Demonstranten und zerbrachen ihre Protestflaggen.

Die Aktionen von "Ende Gelände" verliefen weitgehend friedlich. Daher sah die Polizei sich auch nicht gezwungen, in die Demonstrationen einzugreifen. Am Samstagabend jedoch wurden rund 100 Demonstranten bei dem Versuch festgenommen, direkt auf das Kraftwerksgelände zu marschieren. Laut "Ende Gelände" sind die Demonstranten nach wie vor in Polizeigewahrsam.

Der Energiekonzern Vattenfall hatte den Betrieb im Tagebau bereits am Donnerstag unterbrochen. Im Laufe des Samstags stellte er Strafanzeigen unter anderem wegen Hausfriedensbruchs. Nach Berichten der NZZ sieht die Staatsanwaltschaft in dem Eindringen der Demonstranten jedoch keinen Hausfriedensbruch, weil das riesige Gelände nur zum Teil umzäunt sei.

Auch Pfingstsonntag und -montag wollen die Aktivisten von "Ende Gelände" die Braunkohle-Blockade aufrecht erhalten - und das trotz zunehmender Kälte und Regen.

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