Pflanzenabfall: Brandenburger Unternehmen macht Kohle grün

Pflanzenabfall: Brandenburger Unternehmen macht Kohle grün

von Wolfgang Kempkens

In einer Art Flugzeugturbine stellt ein deutsches Unternehmen Biokohle her. Damit können Kohlekraftwerke endlich sauberer werden.

Manche Steinkohlekraftwerke emittieren mittlerweile kaum mehr Kohlendioxid, zumindest aber weniger als zuvor. Dazu verhilft ihnen ein neuer Brennstoff, den das Unternehmen ffk environment aus Peitz nahe Cottbus herstellt. Der Energieträger hat die Größe eines Sektkorkens und ist mal hell- mal dunkelbraun, zuweilen auch rabenschwarz.

Dann passt der Name, den das ffk-Management ihm gegeben hat, besonders gut: Biokohle. Vor fünf Monaten wurde das erste Pellet in der Anlage gepresst, die demnächst 200.000 Tonnen von dem grünen Brennstoff herstellen soll.

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„Wir verwenden ausschließlich Abfall, den sonst niemand haben will“, sagt Geschäftsführer Frank Kochan. Dazu zählen Stroh, Laub, Baumrinde, Sägespäne und Grünschnitt, der beim Zurechtstutzen von üppig wachsendem Gehölz am Straßenrand anfällt. Statt diese Reststoffe chemisch zu einem Brennstoff aufzubereiten hat sich ffk zu einem viel billigeren rein mechanischen Verfahren entschieden, das das Unternehmen selbst entwickelt hat.

Das gehäckselte Ausgangsmaterial, das maximal handtellergroß ist, wird von Stahlpaddeln auf eine Geschwindigkeit beschleunigt, die der von Abgasen in einem Flugzeugtriebwerk entspricht. Mit diesem hohen Tempo knallen die Partikel auf eine perforierte Stahlwand. Dort zerplatzen sie. Die feinsten Partikel werden durch die engen Löcher geschleudert und rieseln in Pulverform herab. „Wir zerstören die Fasern der Biomasse“, sagt Kochan. Gleichzeitig wird sie getrocknet.

Brennstoff nach WunschDas Pulver wird dann zu Pellets gepresst, die in Kraftwerken verfeuert werden können. Dabei berücksichtigt ffk die Wünsche der Kunden. Pulver aus Stroh etwa ist nur als Beimischung erwünscht, weil es einen hohen Chloranteil hat. In großen Mengen verbrannt entstünden Korrosionsschäden.

Einige Kraftwerksbetreiber in Deutschland haben auch einen besonderen Wunsch. Sie wollen nicht ganz auf Kohle im Pellet verzichten. Für diese Klientel komponiert ffk Pellets, die je zur Hälfte aus Biomasse und Kohlenstaub bestehen. Den bezieht das Unternehmen von Häfen, in denen Importkohle umgeschlagen wird. Der zurück bleibende Staub findet kaum andere Abnehmer.

„Wir machen für jeden Kunden einen mundgerechten Brennstoff“, erklärt Kochan. Osteuropäische Kraftwerksbetreiber, darunter der größte in Polen, wünschen dagegen reine Biopellets. Damit reduzieren sie ihre Kosten für Emissionsrechte-Zertifikate, die für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) gekauft werden müssen.

Weitere Anlagen in PlanungBiopellets sind klimaneutral, weil während des Pflanzenwachstums ebenso viel Klimagas gebunden wurde, wie bei der Verbrennung wieder frei wird. Deshalb wird darauf keine CO2-Abgabe erhoben. Der Preis für die Emissionsrechte liegt derzeit aber mit weniger als vier Euro pro Tonne Kohlendioxid extrem niedrig. „Der Preis ist eine Katastrophe“, befindet Kochan. Das ist durchaus ein Problem, denn je niedriger der CO2-Preis, je weniger lohnt es sich für Kraftwerksbetreiber die Biokohle einzusetzen, die genau so teuer ist, wie importierte Steinkohle.

Davon lässt sich Kochan aber nicht abschrecken. Weitere Produktionsanlagen sollen gebaut werden, die deutlich größer sind als die jetzige. Standorte sollen am Meer gesucht werden, damit Biomasse auch importiert werden kann. Seetransporte sind am günstigsten.

Neben ffk stellen auch andere deutsche Unternehmen wie Suncoal mit innovativen Verfahren Kohle aus Biomasse her - nicht immer mit wirtschaftlichem Erfolg. So gab Suncoal im März bekannt, dass es neue Geldgeber sucht und ein Schutzschirmverfahren eingeleitet hat.

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