Philippinen bringen 100.000 Elektro-Rikschas auf die Straße

Tech: Philippinen bringen 100.000 Elektro-Rikschas auf die Straße

von Andreas Menn

Gegen den Smog: Der Inselstaat startet eine E-Taxi-Offensive mit Elektro-Rikschas. Doch es gibt noch ein Problem.

Sie sind wendig, vielseitig und geradezu unverwüstbar: Autorikschas gehören zu den wichtigsten Transportmitteln auf den Straßen vieler asiatischer Großstädte. Allein auf den Philippinen sollen laut der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) rund 3,5 Millionen der dreirädrigen Mini-Transporter unterwegs sein, die hier Tricycle genannt werden - und einen Anteil von 75 Prozent an allen öffentlichen Verkehrsmitteln haben.

Und das hat seine Schattenseiten: Die einfachen Zweitaktmotoren stoßen unverhältnismäßig viele Abgase aus, verursachen Smog und machen unzählige Menschen krank. 30 Prozent aller Luftemissionen in den asiatischen Nicht-OECD-Ländern gehen laut ADB auf den Verkehrssektor zurück - gemeint sind alle asiatischen Staaten außer China, Indien, Japan und Südkorea. Und der meiste Schmutz, so die Entwicklungsbanker, stamme aus veralteten, ineffizienten Verkehrsmitteln.

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Innovative Unternehmen wie das japanische Startup Terra Motors wollen nun Abhilfe schaffen: Der Hersteller von Elektrorollern aus Tokyo hat ein Tricycle entwickelt, das voll elektrisch und damit völlig abgasfrei fährt. Sechs Passagiere sollen auf der überdachten Sitzbank Platz finden. Das Elektro-Rikscha soll bis zu 55 Stundenkilometer schnell fahren und eine Reichweite von 80 Kilometern haben. Bereits kommendes Jahr soll der Verkauf starten, im Jahr 2015 soll schließlich für drei Millionen Dollar eine eigene Fertigung auf den Philippinen entstehen. Neben den Tricycles wollen die Japaner auch Elektroroller in den Philippinen verkaufen - Ziel sind insgesamt 10.000 Fahrzeuge im Jahr 2013.

280 Millionen Dollar für Elektro-RikschasDas innovative E-Taxi kann auf staatliche Unterstützung setzen: Die ADB hat zusammen mit der philippinischen Regierung ein 280 Millionen Dollar schweres Förderprogramm für E-Tricycles ins Leben gerufen. Das Ziel: Bis 2016 sollen in dem Inselstaat 100.000 elektrische Autorikschas unterwegs sind. Die asiatische Entwicklungsbank hofft zudem, dass bis zum Jahr 2015 durch neue Tricycle-Fertigungsstätten 10.000 neue Arbeitsplätze auf den Philippinen entstehen.

Die Entwicklungsbanker haben auch berechnet, welchen finanziellen Effekt der Umstieg auf Elektromotoren bringt: So soll ein normales Tricycle zwischen fünf und sieben Litern Sprit pro 100 Kilometer schlucken, die 250 bis 350 Pesos kosten. Ein E-Tricycle soll auf der gleichen Strecke nur drei bis fünf Kilowattstunden Strom verbrauchen - für 30 bis 50 Pesos. Die gesparten 200 Pesos, umgerechnet 3,8 Euro, sollen helfen, den höheren Kaufpreis zu finanzieren.

Spannend wird sein, wie die Elektrofahrzeuge von den Philippinos angenommen werden. Denn Strom ist in dem Entwicklungsland mit umgerechnet 18,1 US-Cents sogar teurer als in Japan - und Stromausfälle kommen immer noch häufig vor. Ein noch größeres Problem: Der Strommix der Philippinen besteht zum größten Teil aus Gas, Kohle und Öl. Wenn die Luft also wirklich sauberer werden soll, muss der Inselstaat stärker auf Grünstrom setzen.

Immerhin haben sich die Philippinen eines der weltweit ambitioniertesten Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt: Bis zum Jahr 2030 soll die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Potenzial wäre in dem Land mit tausenden Kilometern Meeresküste da: Die Umweltorganisation WWF hat kürzlich berechnet, dass der Inselstaat allein in den nächsten zehn Jahren 1,2 Gigawatt Strom aus Geothermie und 7,4 Gigawatt Windkraft installieren könnte.

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