Pilotprojekt: Alte Akkus aus Elektroautos stabilisieren das Stromnetz

Pilotprojekt: Alte Akkus aus Elektroautos stabilisieren das Stromnetz

von Wolfgang Kempkens

Altbatterien aus Elektroautos bekommen ein zweites Leben: Als Pufferspeicher, die Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.

Noch ist die Frage nicht akut, aber in einigen Jahren, wenn die ersten Batterien aus Elektroautos wegen Altersschwäche ausgetauscht werden müssen, wird sie sich stellen: Was soll man mit ausgedienten Lithium-Ionen-Akkus aus Elektroautos tun?

Man nutzt sie ganz einfach, um überschüssigen Wind- und Solarstrom zwischenzuspeichern, sagen der schwedische Energieversorger Vattenfall und der Autobauer BMW. Zwar sind die teuren Akkus nach einigen Jahren für den Antrieb von Elektrofahrzeugen nicht mehr geeignet, weil sie nach vielen Ladezyklen weniger Strom speichern als im frischen Zustand. Aber ein Minus von zehn oder 20 Prozent bei der Speicherfähigkeit fällt bei stationären Anwendungen als Stromspeicher weniger ins Gewicht. Der Vorteil: Der Preis für die Second-Hand-Batterien ist sehr viel niedriger als der für neue Akkus.

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Akkus helfen gegen NetzflatternDass alte Akkus aus E-Autos ein zweites Leben verdient haben, wollten Vattenfall und BMW in der Hamburger HafenCity vor einem halben Jahr mit einem Pilotprojekt beweisen. Dafür nahmen sie zwei Anlagen mit ausgemusterten Speichern aus Testflotten in Betrieb. Die taten ihren Dienst so zuverlässig, dass die Batterien nun in den Regelbetrieb gehen. Vorerst ist an eine Einsatzdauer von fünf Jahren gedacht.

Die beiden Anlagen in Hamburg haben eine Leistung von jeweils 50 Kilowatt. Beide werden mit Überschussstrom aus dem Stromnetz geladen, wenn zum Beispiel Wind- und Solaranlagen zu viel Energie produzieren. Die erste Batterie versorgt zwei Ladestationen für Elektroautos mit Strom.

Der zweite Batterieblock stellt so genannte Regelleistung zur Verfügung. Wenn die Netzfrequenz schwächelt, kann er sekundenschnell mit Strom aushelfen, der die Frequenz wieder stabilisiert. Mit dieser Fahrweise lässt sich sogar Geld verdienen. Die Netzbetreiber zahlen bereits für die Bereitstellung eines solchen Pufferspeichers. Entnommener Strom wird extra vergütet, meist deutlich besser als Strom aus der Steckdose. Umgekehrt kostet der Ladestrom nichts – oder fast nichts. Solche Regelleistung stellt auch ein großer Pufferspeicher in Schwerin neuerdings zur Verfügung.

„Unser erklärtes Ziel ist es, diese Batteriespeicher in das Energiesystem zu integrieren und einer Vielzahl solch kleiner lokaler Anlagen über den Stromhandel einen Marktzugang zu verschaffen“, sagt Pieter Wasmuth, Vattenfalls Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland.

Hausakku aus Pedelec-BatterienWie viel günstiger die gebrauchten Batterien im Vergleich mit ihren neuwertigen Pendants, sind lässt sich noch nicht genau sagen. Allzu viele ausgediente Akkus aus dem i3, wie BMW sein erstes Elektroauto nennt, stehen noch nicht zur Verfügung. BMW gibt acht Jahre Garantie auf die Akkus oder 100.000 Kilometer Laufleistung.

Doch die Vermutung, dass die Kosten massiv unter denen von neuen Akkus liegen, ist keineswegs weit hergeholt. In seinem Projekt ReeVolt bietet der Schweriner Stromversorger Wemag privaten Kunden Solarspeicher an, die aus Pedelec-Batterien stammen. Sie kosten etwa halb so viel wie neue Akkus. Auch Toyota verkauft Autohändlern in Japan Stromspeicher aus alten Batterien seiner Priusflotte.

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