Pilotprojekt: US-Stadt plant ersten Nahverkehr mit selbstfahrenden Autos

Pilotprojekt: US-Stadt plant ersten Nahverkehr mit selbstfahrenden Autos

von Jürgen Klöckner

In Ann Arbor arbeiten Forscher an einem von Geisterhand gesteuerten Nahverkehr. So soll er grüner und sicherer werden.

Der Film „I, Robot“  zeigt Chicago im Jahr 2035 als eine durchautomatisierte Stadt. Autos gleiten wie von Geisterhand durch Straßenschluchten. Ein Lenkrad fährt nur noch aus der Armatur, wenn es der Fahrer ausdrücklich wünscht. In der Hauptrolle: Agent Del Spooner (Will Smith), der mit dieser maschinellen Entmündigung nichts anfangen kann und das Steuer lieber selbst in die Hand nimmt.  Etwa in einer Verfolgungsszene, in der ihn Roboter fast töten.

Der  Film stellt die Frage, wie viel sich Menschen von Maschinen eigentlich abnehmen lassen wollen. Agent Sponner hat darauf eine klare Antwort: so wenig wie möglich.

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Peter Sweatman würde darauf vermutlich anders antworten. Er ist Direktor des Mobility Transformation Center, eines Verbundes von Regierung, Industrie und der Universität Michigan, die gemeinsam an einer automatisierten Autoflotte forschen. Als Labor haben sie sich Ann Arbor ausgesucht, eine Großstadt im US-Bundesstaat Michigan westlich von Detroit.

Sie soll die weltweit erste Stadt mit selbstfahrenden Autos im Nahverkehr werden. „So wollen wir zeigen, dass die Technik sicher, effektiv und kommerziell erfolgreich sein kann“, sagt Sweatman in einem Video (unten). Bis 2021 soll eine komplett autonome Flotte durch die Straßen fahren.

Grün und sicher?Sweatman sieht in dem Projekt großes Potential. „Selbstfahrende Autos machen den Verkehr sicherer und umweltfreundlicher“, ist er überzeugt. Da die Autos vernetzt sind, können sie untereinander Verkehrsdaten austauschen und so vorausschauend fahren. Sie könnten wie Taxis unterwegs sein, die man per Smartphone rufen kann. Ähnlich wie beim öffentlichen Nahverkehr wäre ein Monatsabo denkbar - und ein privater PKW beinahe überflüssig.

Klingt wie ferne Zukunftsmusik? 2035 sollen schon knapp 100 Millionen autonom fahrende Autos verkauft werden, errechnete kürzlich eine Studie der Marktforscher von Navigant Research. Ein Marktanteil von dann 75 Prozent, den sich sowohl Auto- als auch IT-Firmen nicht entgehen lassen wollen.

Google fährt mit einem Autoroboter durch Kalifornien und Mercedes zeigte auf der diesjährigen IAA ein beeindruckendes Video einer wie von Geisterhand gelenkten S-Klasse. Sie fuhr die 100 Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim ohne einen einzigen Eingriff des Fahrers. Das ehrgeizige Ziel: 2020 soll die Technik serienreif sein.

Doch bis dahin müssen noch einige Hindernisse umfahren werden, ohne die auch in Ann Arbor nichts läuft. Größte Hürde: die Gesetzgebung. Sie stammt noch aus den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Bislang muss noch in jedem Land der Welt ein Mensch im Auto sitzen, um im Notfall helfen zu können. Und Versicherungen müssen erst noch eine Antwort auf die Frage finden, wer im Schadensfall haftet.

Wie die Forscher in Ann Arbor das sehen - und wie weit sie mit ihrem Projekt bereits sind, zeigt dieses Video:

 

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