Pilotprojekt: Von München nach Leipzig mit dem E-Auto

Pilotprojekt: Von München nach Leipzig mit dem E-Auto

von Felix Ehrenfried

Ein innovatives Konzept aus Solar-Tankstelle, einem E-Bike-Verleih und Plänen für eine Stromer-Fernverbindung soll die E-Mobilität vorantreiben.

Die BMW Welt, das Museum der Bayerischen Motorenwerke in München, ist ein Augenschmaus, nicht nur für Architekten und die, die es werden wollen. Von hier ausgehend soll die Mobilität insgesamt jetzt grüner werden. Genauer gesagt: Das BMW-Museum wird ein Zentrum der Elektromobilität in all ihren Facetten - und der Ausgangspunkt für eine Kette von Stromtankstellen, die bis nach Leipzig führt.

Der zentrale Blickfang dieses Vorhabens an der BMW Welt ist zweifellos eine Ladestation für Elektroautos, die die Tech-Designer von Eight mit einer Vielzahl von Partnern (ABB, BMW Group, Deutsche Bahn, RWE sowie den Universitäten Bamberg, der Bundeswehr in München und der TU-Dresden) entwickelt haben. Die Ladestation arbeitet mit Gleichstrom. Das sorgt dafür, dass ein Auto in rund 30 Minuten wieder vollgetankt ist. Bisher dauerte das einige Stunden. Aber nicht nur die technischen Features begeistern - die E-Tanke präsentiert sich als Design-Gesamtkunstwerk.

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Das Startup Eight, das nahe Stuttgart angesiedelt ist, will die Tankstelle vom Schaufenster München aus in ganz Deutschland vertreiben. Das Besondere an der Station, die den Namen Point.One trägt: ihre Energieversorgung. Denn derzeit ist das Laden von Elektroautos in den meisten Fällen nicht besonders grün, da der Strom aus der Steckdose mit schmutziger Kohleenergie durchsetzt ist. Viel sauberer als ein Diesel sind die Stromer dann auch nicht mehr.

Dieses Problem löst Eight durchaus elegant. Die Tankstelle bezieht ihre Energie aus Solarpanelen, die auf dem Dach der Station installiert sind. Wenn die Sonne einmal zu viel scheint, wird die Energie in einer Batterie gespeichert, an sonnenärmeren Tagen wird Strom aus der Steckdose zugeschaltet, aus regenerativen Quellen versteht sich.

Angst vorm leeren Akku

Doch an der BMW Welt werden nicht nur neue Ladestationen aufgestellt. In einem weiteren Projekt wollen die beteiligtenUnternehmen der Bevölkerung vor allem eine Angst nehmen: Mit dem Elektroauto irgendwo auf der Strecke liegen zu bleiben. Das Projekt will beweisen, dass E-Mobilität auch auf längeren Strecken praktikabel sein kann. So sollen bald weitere Ladestationen an der Autobahn nach Leipzig aufgestellt werden. Mithilfe einer Software, die einem die optimalen Ladestopps anzeigt, soll es damit sehr bald möglich sein von München nach Leipzig zu fahren – ohne einen Tropfen Benzin verbraucht zu haben.

Die BMW Welt wurde für diese Projekte aber nicht nur aus architektonischen Gründen und der Nähe zum großen bayerischen Autobauer ausgewählt. Das Museum liegt auch so zentral, dass sich Nahverkehr mit Fernverkehr verbinden lässt, das Elektroauto also in die bestehenden Möglichkeiten der Fortbewegung eingebunden werden kann.

Denn nicht nur die Mobilität mit vier Rädern soll in München grüner werden. Die Deutsche Bahn will nun ihr Konzept des elektrisch betriebenen Mietfahrrads auf München ausweiten. "e-Call a Bike" heißt das dann passend. Die Leih-Pedelecs gibt es derzeit schon in Aachen und Stuttgart.

Damit soll München, ausgehend von dem Projekt am BMW-Museum, insgesamt mehr auf E-Mobilität setzen. Im optimalen Fall könnte dann eine Reise von Leipzig nach München mit dem Elektroauto erfolgen, der Stromer wird dann an der BMW Welt geparkt und von dort kann die Besucherin oder der Besucher mit Akku-Unterstützung in die Innenstadt radeln.

Fazit: Die Idee, den Nutzer über die Reichweite und mögliche Aufladepunkte zu informieren und ihm damit die "Reichweiten-Angst" zu nehmen, ist ein guter Ansatz, die Stromer massentauglicher zu machen. So könnte die Elektromobilität auch aus dem Zwinger Stadt herauskommen, mit dem sie noch so oft verbunden ist. Andererseits: München muss jetzt auch zeigen, dass es mehr kann als Schaufensterprojekte - das Projekt an der BMW Welt sollte Vorbild für die ganze Stadt sein.

 

Ergänzung vom 8. März: In der ursprünglichen Version des Textes wurde erklärt, dass die Ladestation an der BMW Welt und ein Ausbau der Ladestationen auf der Strecke München - Leipzig Teile eines Projektes seien. Jedoch hängen diese zwei Projekte nicht direkt zusammen, finden aber beide unter dem Dach des Großprojekts "Elektromobilität verbindet Bayern-Sachsen" statt.

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