Pilotprojekt zur E-Mobilität: So schafft Köln die Infrastruktur für E-Autos

Pilotprojekt zur E-Mobilität: So schafft Köln die Infrastruktur für E-Autos

von Angela Schmid

13 Partner haben in einer Hauruck-Aktion die nötige Infrastruktur für E-Mobilität geschaffen.

Die Elektromobilität führt, trotz ihrer Vorteile, immer noch ein Schattendasein. "Es funktioniert nicht, wenn die Infrastruktur fehlt", so Ford-Sprecher Volker Eis. Er weiß, dass es anders aussehen kann, denn Ford war an einem dreijährigen Modellprojekt beteiligt, das zeigen sollte, wann E-Mobilität funktioniert.

Bei "colognE-mobil", so der etwas sperrige Name, hätten alle, die mit urbaner Mobilität zu tun haben, an einem Strang gezogen. Das Ergebnis nach drei Jahren: 90 Prozent aller Fahrten sind kürzer als 22 Kilometer und Fahrer gewöhnen sich auch an alternative Antriebe.

Anzeige

Mit sinkender Angst, liegen zu bleiben, steige die Akzeptanz: Während die Projektteilnehmer anfangs alle 19 Kilometer Strom nachtankten und die Plug-In-Hybride (PHEV) nach 71 Kilometer nachgeladen wurden, verlängerten sich die Strecken zunehmend.

Das zeigt: Die viel kritisierte Batteriekapazität der Stromer von rund 150 Kilometer reicht nicht nur für die Fahrt zur Arbeit und zurück, sondern auch für weitere Ausflüge - wenn man sich an den Wagen gewöhnt hat. Allerdings bevorzugten die meisten Fahrer einen Hybrid, auch wenn dieser mit zwei Antriebssystemen eigentlich überfrachtet ist.

E-Mobilität für Millionenstädte"Das Kölner Projekt hat in der realen Welt den Beweis dafür geliefert, dass Elektrofahrzeuge hervorragend zum urbanen Verkehr einer Großstadt wie Köln passen", betont Jörg Beyer, Geschäftsführer Produktentwicklung der Ford-Werke GmbH.

56 elektrifizierte Fahrzeuge stellte der Autohersteller für das mit 7,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Projekt zur Verfügung. Über 715.000 Kilometer legten die Stromer und PHEV auf den Kölner Straßen zurück - davon über 490.000 rein elektrisch und rund 225.000 Kilometer bei den PHEV.

"Die elektrifizierten Fahrzeuge bewährten sich vom gewerblichen oder kommunalen Gebrauch als Poolcar bis hin zum Einsatz als Taxi oder Carsharing-Fahrzeug oder aber auch als umweltschonendes Fahrzeug für Berufspendler", sagt Roland Krüger, Projektleiter colognE-mobil und Leiter elektrische Antriebsstrang-Entwicklung bei Ford.

Analoge und digitale Infrastruktur geschaffenNur: Dazu musste die Infrastruktur erst geschaffen werden. Der lokale Versorger RheinEnergie nahm 120 Ladesäulen mit insgesamt 207 Ladepunkten an 80 Standorten in und um Köln in Betrieb. Vier Solar-Carports bieten mit 14 Stellplätzen Platz, um Sonnenenergie direkt zu laden. Die Universität Duisburg-Essen entwickelte eine Smartphone-App, die während der Fahrten die individuellen Bewegungsprofile aufzeichnet und so dem Nutzer ein optimales Fahrzeugkonzept unter Berücksichtigung ökologischer wie ökonomischer Gesichtspunkte empfiehlt.

Gewerblichen Nutzern half ein Computermodell, die „Total Cost of Ownership“ einer elektrifizierten Flotte im Vergleich zu einer konventionellen Flotte zu errechnen. Zudem entwickelte die TRC Transportation Research & Consulting GmbH eine webbasierte Informations- und Serviceplattform zur intermodalen Routenplanung unter Berücksichtigung von Ladestationen, E-Autos und ÖPNV-Fahrplandaten. Und der Flughafen Köln/Bonn richtete sein Augenmerk auf die Alltagserprobung von Fahrzeugen und Lade-Infrastruktur.

"Mit colognE-mobil, einem der größten Feldtests mit Elektrofahrzeugen in Deutschland, haben die Partner gezeigt, dass Elektromobilität in einem Ballungsraum wie Köln durchaus akzeptiert wird, alltagstauglich und letztlich deutlich umweltfreundlicher als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ist", urteilt Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

Nur: Autofahrer und Unternehmen müssen derzeit noch mit solchen Pilotprojekten auf die Vorteile der E-Mobilität gestoßen werden. Doch sollten die Preise für E-Autos weiter sinken, brauchen zumindest die Kölner nicht mehr darauf warten, dass in ihrer Stadt die entsprechende Infrastruktur besteht.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%