Plus-Energie-Solarhaus: Solarstrom deckt 80 Prozent des Energiebedarfs

Plus-Energie-Solarhaus: Solarstrom deckt 80 Prozent des Energiebedarfs

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Nach dem Vorbild des Tübinger Hauses entstehen in Hüglshart bei Augsburg neun Einfamilienhäuser. (Foto: BayWa)

von Wolfgang Kempkens

Im Sommer konnte das Haus in Tübingen komplett autark betrieben werden. Nach seinem Vorbild wird bei Augsburg einer ganze Wohnsiedlung gebaut.

Von März 2015 bis Februar 2016 bezogen die Bewohner eines Plus-Energie-Solarhauses in Tübingen 2150 Kilowattstunden Strom aus dem öffentlichen Netz. Eine Durchschnittfamilie in Deutschland verbraucht rund 4000 Kilowattstunden. Da scheint es auf den ersten Blick nicht allzu weit her zu sein mit „Plus-Energie“. Auf den zweiten Blick sieht das schon anders aus. Denn fürs Heizen und die Bereitstellung von warmem Wasser zahlten die Bewohner nichts.

Das Kunststück gelang dank der mit einer Spitzenleistung von 30 Kilowatt üppig ausgelegten Fotovoltaikanlage auf dem Dach, einem Batteriespeicher mit einer Kapazität von 16 Kilowattstunden, einer Wärmepumpe und einem 1500-Liter-Behälter für warmes Wasser, das die Heizkörper versorgt. „Mit einem Autarkiegrad von 80 Prozent konnten wir unsere eigene Prognose sogar leicht übertreffen“, freut sich Günter Haug, Geschäftsführer von BayWa renewable energy. Die Tochterfirma des Dienstleister BayWa mit den Kernsegmenten Agrar, Energie und Bau hat sich auf erneuerbare Energien spezialisiert. Das Haus in Tübingen könnte das Meisterstück sein.

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In Hügelshart auf Augsburg entsteht eine ganze Siedlung von Plus-energie-Häusern. (Grafik: BayWa)

In Hügelshart auf Augsburg entsteht eine ganze Siedlung von Plus-energie-Häusern. (Grafik: BayWa)

Im Sommer deckten die Solarzellen im Verbund mit der Pufferbatterie den gesamten Energiebedarf. Auch im Winter hatten sie einen hohen Deckungsanteil. Im Dezember 2015 etwa lieferten sie 52 Prozent des Stroms, der im Haushalt verbraucht wurde. Weitere 20 Prozent deckte die Pufferbatterie ab. „Mit Photovoltaik kann die Energiewende bereits heute in den eigenen vier Wänden gelingen“, schwärmt Haug.

Die Anfangsinvestition ist allerdings nach Schätzungen hoch – BayWa nennt die Mehrkosten nicht. Sie dürften bei mindestens 60.000 Euro liegen. Mit Energiekosten von 600 Euro pro Jahr sind die laufenden Kosten dagegen traumhaft niedrig. Ein Brennwertkessel mit integrierter Warmwasserbereitung kostet lediglich 10.000 Euro. Die Energiekosten lägen dann bei 2500 Euro pro Jahr. Berücksichtigt man Zuschüsse des Staates könnte sich die Anlage innerhalb von 20 Jahren amortisieren.

Nach Tübinger Vorbild baut BayWa derzeit in Hügelshart nahe Augsburg neun Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche von jeweils 161 Quadratmetern und vier Doppelhaushälften mit 148 Quadratmetern, allerdings in einer etwas abgespeckten Version. Der Schwerpunkt liege weniger auf einem hohen Autarkiegrad und mehr auf Wirtschaftlichkeit, heißt es.

Einsparungen gibt es vor allem bei der Investition in die Fotovoltaikanlagen. Für die Einfamilienhäuser ist eine Spitzenleistung von knapp zwölf Kilowatt vorgesehen. Die Doppelhaushälften müssen sich mit jeweils 7,56 Kilowatt begnügen. Die Ausbeute an Solarstrom liebt bei den Einfamilienhäusern bei gut 13.000, bei den Doppelhaushälften bei 8340 Kilowattstunden. Da bleibt noch einiges übrig für die Pufferbatterien und die Wärmepumpen. Der Strombezug aus dem Netz dürfte deutlich über dem des Tübinger Hauses liegen. Haug erwartet, dass mehr als 70 Prozent des gesamten Energiebedarfs, also auch fürs Heizen und für die Warmwasserbereitung, von den Solarzellen gedeckt werden.
Die Häuser sollen im Frühjahr 2017 bezugsfertig sein. Bauherr ist die mittelständische Asset GmbH i Augsburg.

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