Premiere: Bürohaus erstmals mit Wasserstoff betrieben

Premiere: Bürohaus erstmals mit Wasserstoff betrieben

von Wolfgang Kempkens

Das Städtchen Herten setzt voll auf Wasserstoff: Zum Betrieb von Gebäuden und im Verkehr. Damit will die Gemeinde zum Vorbild werden.

Das Management des Wasserstoff-Anwendungszentrums im Ruhrgebietsstädtchen Herten steht dicht vor der Erfüllung eines Traums: sich zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgen zu können.

In den nächsten Wochen geht in dem Bürogebäude ein Elektrolyseur in Betrieb, in dem aus überschüssigem Windstrom Wasserstoff hergestellt wird. Gespeichert wird er in einem Druckbehälter. Bei Flauten wird er angezapft, um einen Wasserstoffmotor mit gekoppeltem Generator oder eine Brennstoffzelle zur Stromerzeugung zu versorgen. Ein Teil des Überschussstroms wird zudem in einem Batterieblock gespeichert, der bei Flauten ebenfalls einspringen kann - damit ist Windstrom erstmals grundlastfähig.

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Mit Windstrom und Wasserstoff soll der Strombedarf der rund ein Dutzend Unternehmen, die in dem Hertener Gebäude angesiedelt sind und in irgendeiner Form mit Wasserstoff zu tun haben, komplett abgedeckt werden. Der Bedarf liegt bei jährlich immerhin 200.000 Kilowattstunden. Das entspricht dem Verbrauch von 50 Haushalten. Der nahe gelegene Windgenerator, das Herzstück des Zentrums, speist seinen Strom allerdings einfach ins öffentliche Netz ein. Daraus bezieht das Zentrum seine Energie, und zwar in jeder Minute genau so viel wie der Generator gerade liefert.

Die Betreiber des Zentrums sind sicher, dass jederzeit – direkt oder auf dem Umweg über die Speicher – genügend  Windstrom zur Verfügung steht. Damit ist es wohl das erste Bürogebäude in Deutschland, das auf diese Weise betrieben wird - es soll zum Vorbild für andere werden. Und mehr noch: Auch Autos mit Brennstoffzellenantrieb oder Wasserstoffmotor sollen aus einer Tankstelle vor Ort versorgt werden.

Das Projekt stand kurz vor dem Scheitern2011 schien das ehrgeizige Vorhaben auf dem Gelände der einstigen Zeche Ewald vor dem Aus zu stehen. Das Markenzeichen des Zentrums, der Blaue Turm, in dem aus Bioabfällen ein wasserstoffreiches Gas entstand, war abgerissen worden, um Platz für einen viel größeren Nachfolger zu schaffen. Das Vorhaben scheiterte, weil der Investor, der Solarkraftwerkebauer Solar Millennium, insolvent wurde. Er hatte allerdings auch nicht hundertprozentig zur Wasserstoffphilosophie des Technologiezentrums gepasst.

Das Gas aus Bioabfällen sollte vor allem zur Erzeugung von Strom genutzt werden. Geplant war, nur einen  kleinen Teil des Gases zu Wasserstoff aufzubereiten.

Das Zentrum stellt seine aktuelle Anlage auf der Hannover Messe vor, die am 8. April beginnt.

Eine Hybridanlage, die noch mehr kann als die in Herten, läuft seit 2011 im brandenburgischen Prenzlau bei Berlin. Sie besteht aus drei Windgeneratoren, einer Biogasanlage – vergleichbar dem Blauen Turm –, einem Elektrolyseur, Generatoren, die von Gasmotoren angetrieben werden, die sowohl Biogas als auch Wasserstoff verkraften, und Druckspeichern, in denen Wasserstoff gelagert wird.

Die Biogasanlage und die Wasserstoffspeicher sind die Spielmasse, die die Betreiber zur Verfügung haben, um jederzeit genügend Strom und Fernwärme produzieren zu können. Und auch noch was übrig haben für die Fahrer von Wasserstoffautos, die die kraftwerkseigene Tankstelle anfahren.

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