Presseschau: China baut schwimmende Atomkraftwerke

Presseschau: China baut schwimmende Atomkraftwerke

Nach Russland plant nun auch China schwimmende Atomkraftwerke. Das ist nicht nur aus Umweltsicht bedenklich.

Von Lea Deuber und Peter Vollmer

Praktisch sind schwimmende Atomkraftwerke ja schon: Russland baut seit Jahren an einem. Es soll später die Küste entlang schippern und dort andocken, wo die Industrie gerade den höchsten Strombedarf hat. Und nun sind auch entsprechende Pläne aus China bekannt geworden.

Anzeige

Dort geht es aber nicht nur um Strom. Das zumindest vermutet die Chicago Tribune. Das südchinesische Meer als Standort für ein AKW sei nicht nur aufgrund der Wetterlage riskant. Auch aufgrund der politisch angespannten Situation bereitet der Ort als Standort für ein Atomkraftwerk vielen Experten Sorgen. Und bei einem soll es natürlich nicht bleiben: 20 Meiler sind in den chinesischen Plänen vorgesehen.

Bei den geplanten Kraftwerken soll es sich um ähnliche Anlagen handeln, wie sie bereits heute in Eisbrechern und U-Booten zum Einsatz kommen. Gebaut werden sollen sie in China von der China Shipbuilding Industry Corp., "Die Chinesen haben nuklear betriebene U-Boote seit einiger Zeit in Betrieb. Es ist kein großer Sprung für sie", zitiert die Chicagoer Zeitung Rod Adams, einen ehemaligen technischen U-Boot-Offizier und Branchenkenner.

Trotzdem sehen viele Experten die Pläne der chinesischen Regierung kritisch. "China hat bereits genug Schaden an der Meeresumwelt durch den hastigen Bau künstlicher Inseln angerichtet", sagt Patrick Cronin, Senior Director der asiatisch-pazifischen Sicherheitsprogramms am Think Tank "Center for a New American Security". Unersetzliche Korallenriffe seien bereits zerstört, man brauche nicht auch noch einen Atomunfall.

Schwimmende Atomkraftwerke leichter zu versorgenZudem ist laut der FAZ die Lage im Südchinesischen Meer bereits angespannt genug. Durch den Bau der künstlichen Militäranlagen habe das Land bereits den Unwillen mehrere Staaten der Region auf sich gezogen. Darunter die Philippinen und Vietnam, "die ebenfalls Ansprüche im an Fischen, Gas und Öl reichen Südchinesischen Meer anmelden". Durch das zudem einer der wichtigsten Transportwasserwege der Welt führe, über den mehr als 40 Prozent des globalen Handels abgewickelt werden.

Dabei ist der Fall für China recht einfach: Der Transport von Kohle oder Gas auf die weit vom Festland entfernten Inseln ist schwierig. Manche liegen mehrere hundert Kilometer vom nächsten chinesischen Festlandhafen entfernt. Nuklearer Brennstoff hingegen kann vergleichsweise schnell mit Flugzeugen zu den Inseln transportiert werden.

Der von der Chicago Tribune zitierte Rod Adams schreibt so in einem eigenen Beitrag, dass er den Schritt durchaus nachvollziehen könne: Die erneuerbaren Energien könnten in abgelegenen Regionen noch nicht die Energie liefern, die eine militärische Anlage brauche. Sein Vertrauen in die chinesische Technik sei indes so groß, dass er sagen könne: "In meiner Sicht auf die Welt sind schwimmende chinesische AKW keine strategische Bedrohung oder ein Sicherheitsbedenken. Die Infrastruktur, die sie versorgen, ist allerdings eine andere Geschichte."

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%