Presseschau: Immer mehr Verpackungsmüll in Deutschland

Presseschau: Immer mehr Verpackungsmüll in Deutschland

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Drei überquellende Müllcontainer für Verpackungsmüll - nicht einmal die Hälfte davon wird wiederverwertet.

Trotz Unverpackt-Supermärkten und immer mehr Alternativen: Der Verpackungsmüll in Deutschland, insbesondere aus nicht-nachwachsenden Rohstoffen, nimmt zu.

Da wären einerseits Getränkeverpackungen - also vor allem Dosen und Einweg-Kunststoffflaschen. Deren Abfallmenge ist seit 2004 um 30 Prozent gestiegen. Das bedeutet einen Anstieg von 465.000 Tonnen damals auf 600.300 Tonnen Verpackungsmüll im Jahr 2014, berichtet faz.net.

Mittlerweile seien mehr als die Hälfte aller Getränkeverpackungen nicht wiederverwertbar. Deshalb habe sich das Umweltministerium auch von seiner Zielquote (80 Prozent Mehrweg-Anteil) verabschiedet.

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Aber nicht nur bei den Getränken ist der Kunststoff auf dem Vormarsch: Auch in den Obst- und Gemüseregalen nimmt die Verpackungsmenge zu, wie der Deutschlandfunk berichtet. Fast zwei Drittel des Obsts und Gemüses, das Verbraucher kaufen, ist inzwischen verpackt.

Was sich im Tiefkühlregal kaum vermeiden lässt, ist aber bei Frischware umstritten. Der NABU und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels vergleichen deshalb Tomaten mit Möhren: Bei Tomaten schützen die Schalen und Folien vor Druckstellen und sorgen so dafür, dass weniger Lebensmittel weggeschmissen werden müssen.

Bei Möhren hingegen, argumentiert der NABU, seien Verpackungen überflüssig - höchstens dünne Plastiktüten für den Heimtransport, deren Ökobilanz bei einer Weiterverwendung als Transport- oder Müllbeutel auch nicht ganz desaströs aussehe.

Als Tragetasche oder Müllbeutel Biokunststoff-Tüten: Sinnvolle Alternative oder Greenwashing?

Tüten aus Biokunststoffen geben sich den Anstrich einer umweltfreundlichen Alternative zur klassischen Plastiktüte. Doch sie sind nicht unumstritten.

Plastiktüten verschwinden allmählich aus den Supermärkten. Doch ob Biotüten wirklich besser für die Umwelt sind, darüber streiten sich Experten. (Foto: Paul Zinken/dpa) Quelle: dpa

Gehandelt werden muss aber: Der Kunststoffbedarf für Verpackungen hat zwischen 2000 und 2014 bei Obst um 78 Prozent und bei Gemüse sogar um 164 Prozent zugenommen. Das erleichtert den Transport - nicht nur für die Lieferanten, auch viele Kunden greifen oft zur verpackten Ware, auch wenn die unverpackte gleich daneben liegt, argumentiert der Handelsverband.

Neues Sortiersystem könnte Recycling-Quote von Verpackungsmüll erhöhen

Eine gute Nachricht kommt dazu von den Fraunhofer-Instituten. Derer drei haben sich zu einem Forschungsprojekt zusammengeschlossen, das die Recyclingquote erhöhen soll.

Bislang werden nur 42 Prozent der Plastikabfälle wiederverwertet. Der Rest landet in der Verbrennungsanlage. Insbesondere schwarze Kunststoffe, die bislang als Problemfall galten, da die Infrarot-Sortiersysteme sie nicht erkennen können. Das gilt für schwarze Schalen, wie es sie etwa für Fleisch oder Obst gibt, aber auch für Verkleidungen, beispielsweise von Autos.

Mit einem System, das Daten von Radar- und Farbkameras nutzt, wollen die Forscher nun ein sortenreines Trennen von Verpackungsmüll ermöglichen. Fallende Plastikschnitzel werden dazu durchleuchtet und danach gezielt aus dem Strom gepustet. Wie das genau abläuft, beschreibt das Branchenmagazin "Produktion".

Gerade für Getränkeverpackungen gibt es künftig aber noch eine weitere Verwendung im 3D-Druck: Der Stift "Renegade" nutzt diese, um daraus Filament für den 3D-Druck herzustellen und diesen direkt wieder abzugeben. Wie das genau aussieht, haben wir an dieser Stelle beschrieben.

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