Report: Internationale Energieagentur fordert mehr Energieeffizienz

Report: Internationale Energieagentur fordert mehr Energieeffizienz

von Benjamin Reuter

Die IEA verabschiedet sich vorerst von Peak-Oil. Was wichtiger ist: Sie fordert die globale Energiewende und mehr Effizienz.

Jeden Herbst erwarten Analysten, Unternehmenslenker, Energieexperten und Journalisten mit Spannung den jährlichen Energiereport der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Agentur hat ihren Sitz in Paris und ist ein von den Industrienationen beauftragter Think-Tank, der die Regierungen der OECD über die künftige Energieentwicklung auf dem Laufenden halten soll.

2007 sorgte die IEA weltweit für Schlagzeilen, als sie zumindest teilweise in ihrem "World Energy Outlook" auf die Linie der Befürworter der Peak-Oil-These umschwenkte. Demnach zeigten sich damals "Verknappungstendenzen", die eine gesicherte Ölversorgung künftig gefährden könnten. Heute, sechs Jahre später, sieht das Bild ganz anders aus, das die IEA in einer detailierten Analyse von der Ölversorgung zeichnet (hier ein PDF mit den wichtigsten Ergebnissen des Reports). Aber dazu gleich.

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Denn interessanter als die Einschätzungen zur Ölversorgung sind mittlerweile die Aussagen der Agentur über den Klimawandel und die weltweite Energiewende. Seit 2011 haben die IEA-Chefin Maria van der Hoeven und ihr Chefökonom Fatih Birol immer wieder für eine größere Rolle der nachhaltigen Energieproduktion und eines verstärkten Einsatz des vergleichsweise umweltfreundlichen Erdgases geworben.

Auch in ihrem aktuellen 704 Seiten starken Report betont die IEA nocheinmal die Notwendigkeit für mehr Klimaschutz. Van der Hoeven erklärte bei der Präsentation der Untersuchung: "Die Emissionen von Treibhausgasen entwickeln sich in eine gefährliche Richtung und zwei Drittel des CO2-Ausstoßes kommen aus dem Energiesektor." Wenn nichts geschehe, werde die Welt das Ziel klar verfehlen, die Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Das macht auch eine Grafik aus dem aktuellen Report klar. Sie zeigt, wie sich fossile und erneuerbare Energieträger künftig entwickeln:

 

Demnach wird trotz eines vergleichsweise starken Wachstums bei den Erneuerbaren - 45 Prozent der neu gebauten Kraftwerke bis 2035 werden grüne Energie produzieren - ihr Anteil an der weltweiten Energieproduktion 2035 nur bei 25 Prozent liegen. Aktuell sind es 18 Prozent. Wie sich die einzelnen erneuerbaren Energieträger in den verschiedenen Weltregionen entwickeln, zeigt die folgende Grafik:

 

Windkraft wird demnach neben der Wasserkraft zum wichtigsten erneuerbaren Energieträger. Die Solarenergie spielt zwar eine wichtige Rolle, aber nur in Indien, Südostasien (Asean), Latainamerika und Afrika wird sie neben der Windkraft zu einer bedeutenden Energiequelle.

Selbst wenn die Staaten alle Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, die derzeit geplant sind (unter anderem den Ausbau der Erneuerbaren, Energieffizienz, CO2-Handel) würden die Emissionen bis 2035 immer noch um 20 Prozent steigen, schätzt die IEA. Das würde sehr wahrscheinlich zu einer Erwärmung der Erde um 3,6 Grad führen.

Subventionen für Fossile behindern KlimaschutzBesondere Hoffnung setzt van der Hoeven dennoch in eine Energiequelle, "die gar keine ist". Nämlich die Energieeffizienz bei Autos, in Wohnungen, in Fabriken. Sie könne helfen, die Ausgaben für Energie zu senken, die Industrie wettbewerbsfähig zu halten und natürlich die CO2-Emissionen zu reduzieren, glaubt van der Hoeven. Vor diesem Hintergrund scheint es geradezu absurd, dass CDU und SPD verbindliche Effizienzziele aus ihren Reformplänen für die Energiewende gestrichen haben.

An einen Erfolg ihres Appells scheint aber auch van der Hoeven nicht zu glauben. Denn bis 2035, sagt sie, werden wahrscheinlich zwei Drittel der Effizienzpotenziale weltweit nicht genutzt werden. Der wichtigste Grund dafür: Die Subventionen für fossile Energieträger. Denn sie halten die klimaschädlichen Energieformen künstlich billig. Die Notwendigkeit sinke, weniger zu verbrauchen. 2012 lagen die Subventionen für Kohle, Öl und Gas weltweit bei 544 Milliarden Dollar. Der Großteil davon wurde in Schwellenländern ausgegeben. Der Energieverschwendung geht also eine Geldverschwendung voraus.

Um das Zwei-Grad-Ziel noch einzuhalten, empfehlen die IEA-Experten einen ganzen Strauß an Maßnahmen: Mehr Energieeffizienz, weniger schmutzige Kohlekraftwerke, weniger Methanemissionen in der Erdgas- und Ölförderung und eine Absenkung der Subventionen bei fossilen Energieträgern. So könne die Welt das Klima schützen, ohne auf Wirtschaftswachstum verzichten zu müssen.

Aber was sagt der Report nun zum Thema Öl, auf das er immerhin einen Schwerpunkt legt? 2007 noch waren sich die IEA-Experten unsicher, wo in Zukunft das Öl herkommen soll, das immer mehr Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern nachfragen. Jetzt ist das klar: Unter anderem auch aus den unkonventionellen Reserven, die in den vergangenen Jahren entdeckt und entwickelt wurden. Dazu gehören Schieferöl, Öl aus der Gasförderung und Offshore-Felder.

"Das ist aber noch kein Grund, von einem Zeitalter des Öl-Überflusses zu sprechen", warnen die IEA-Experten. Der Ölpreis könnte sogar auf bis zu 128 Dollar pro Barrel im Jahr 2035 steigen. Die gute Nachricht für Europa dabei: Die Nachfrage nach Öl wird stetig abnehmen. Das ist wiederum für den Klimaschutz gut. Reichen im Kampf gegen die Erderwärmung wird das allerdings nicht.

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