Report: Weltweite Energiewende lässt auf sich warten

Report: Weltweite Energiewende lässt auf sich warten

von Jan Willmroth

Die weltweit produzierte Energie ist so schmutzig wie vor zwanzig Jahren. Der Wandel zu grünen Energieträgern und mehr Energieffizienz geht zu langsam.

Als die Internationale Energieagentur (IEA) in der vergangenen Woche ihren Jahresbericht an das Clean Energy Ministerial (CEM) veröffentlichte, mühten sich die Agentur-Vertreter, positive Nachrichten zu verbreiten. Denn die Hauptbotschaft der „Tracking Clean Energy Progress“-Reports (pdf) ist alarmierend: Der Ausbau sauberer, emissionsarmer Technologien geht weltweit nicht schnell genug voran. Genauer gesagt, ist die heute produzierte Energie so schmutzig wie vor zwanzig Jahren.

„Der Drang zu einem sauberen weltweites Energiesystem ist abgewürgt“, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven gegenüber dem CEM, einem Zusammenschluss der zuständigen Minister von 23 Ländern, die zusammen für vier Fünftel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind. Wie sauber das weltweite Energiesystem ist, lässt sich nun an einem neuen Index ablesen. Der ESCII (engl. Energy Sector Carbon Intensity Index) gibt an, wie viel CO2 pro erzeugter Energieeinheit ausgestoßen wird. Die IEA hat bis 1970 zurückgerechnet – seit zwanzig Jahren hat sich der Index kaum bewegt:

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Die Liste der Gründe liest sich so kompakt wie schlagkräftig: Der Fortschritt geht zu langsam voran, Marktversagen verhindert die Einführung neuer, sauberer Technologien, große Potenziale für Energieeffizienz werden nicht ausgeschöpft. Die Politik solle mehr das Energiesystem als Ganzes im Blick haben, heißt es weiter. Außerdem sei die Wissenschaft nicht schnell genug. „Wir können uns keine weiteren 20 Jahre Trägheit erlauben“, sagte van der Hoeven, „wir brauchen einen raschen Ausbau CO2-armer Technologien, wenn wir die potenziell katastrophale Erderwärmungverhindern wollen.“

Wirklich verwunderlich ist die Botschaft nicht. Während Europa sich um seinen Emissionshandel streitet und in Deutschland der Ausbau erneuerbarer Energien sehr weit fortgeschritten ist, will Indien 455 neue Kohlekraftwerke bauen.  Die weltweite Energienachfrage hat sich in den vergangenen 20 Jahren um die Hälfte gesteigert; die Energieerzeugung blieb genau so schmutzig. Für das laufende Jahrzehnt rechnen die IEA-Experten mit einer erneut um 25 Prozent höheren Energienachfrage. Demnach sind Jahr für Jahr neue Rekorde beim CO2-Ausstoß vorprogrammiert.

Doch mittelfristig gibt es Hoffnung, wie die IEA-Autoren hervorheben. Vor allem der Ausbau der eneuerbaren Energien geht rapide voran. Photovoltaik und Windenergie wuchsen 2012 um 42 und 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. China bemüht sich, nicht mehr nur als Schmutzfink gesehen zu werden, und hat so wie Indien und Brasilien im vergangenen Jahr seine staatlichen Förderungsprogramme für erneuerbare Energien erweitert. In manchen Weltregionen sind diese Technologien bereits wettbewerbsfähig – und könnten bald Millionen Menschen Zugang zu günstigem, sauberem Strom verschaffen.

Doch ein Ausbau von Wind- und Sonnenenergie wird nicht reichen. Schon gar nicht in Ländern, die einen so rasant steigendem Energiebedarf haben wie China und Indien. Und ebenso wenig in Deutschland, wo der Atomausstieg die Nachfrage nach Kohle steigen lässt – denn Gaskraftwerke sind erst einmal zu teuer. Das gilt auch weltweit: Solange die Erneuerbaren mit dem Neubau von Kohlekraftwerken nicht schritthalten, wird der Strom nicht sauberer.

Deshalb hebt  die IEA auch hervor, dass technischer Fortschritt jenseits der eigentlichen Energieerzeugung besonders wichtig sei. Beispielsweise beim Carbon Capture and Storage (CCS), dem Vorhaben, Emissionen von Kraftwerken unterirdisch zu speichern. „Über den mangelnden Fortschritt in diesem Bereich bin ich besonders besorgt“, sagt van der Hoeven. Ohne CCS müsse die Welt schneller von fossilen Brennstoffen loskommen – und das werde sehr viel Geld verschlingen.

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