Rohstoffe: Jetzt muss sogar die Sonne bei der Förderung von Erdöl helfen

Rohstoffe: Jetzt muss sogar die Sonne bei der Förderung von Erdöl helfen

von Wolfgang Kempkens

Ein wenig paradox ist es schon: Billige Solarenergie könnte das Erdölzeitalter verlängern. Erste Projekte laufen.

Gleich neben dem Erdölfeld Amal West im Sultanat Oman, auf dem zahlreiche Pumpen bedächtig nickend ihre Arbeit tun, befindet sich eine ausgedehnte Solaranlage. Gewölbte Spiegel fangen dort die Strahlen der Sonne ein und konzentrieren sie auf ein Rohr in der Brennlinie. Was Öl- und Solarfeld miteinander zu tun haben? Ganz einfach: In Amal West fördern die Betreiber neuerdings das Öl mit Solarenergie.

Denn die Sonnenstrahlen erhitzen in der Anlage ein Thermoöl, das wiederum Wasserdampf produziert. Den leiten die Ingenieure in den Untergrund. Dort verflüssigt er zähes Erdöl, das ohne die heiße Hilfe nicht gefördert werden könnte. Nachts betreibt Erdgas den Generator zur Dampferzeugung wie in der Vergangenheit auch. Enhanced Oil Recovery (EOR) nennt sich das Verfahren im Fachjargon.

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Solarenergie lässt mehr Erdgas für den Verkauf übrigDie Anlage des US-Unternehmens GlassPoint Solar kommt in der Welt der Erdölproduzenten glänzend an. Oman hat seine erste Anlage vor einigen Monaten in Betrieb genommen. Für GlassPoint ist es die zweite nach dem kalifornischen Berry Petroleum Project und mit einer Wärmeleistung von sieben Megawatt mit Abstand die größte. Täglich produziert sie 50 Tonnen Dampf.

Gerade haben der staatliche State General Reserve Fund des Oman und der Ölriese Royal Dutch Shell 53 Millionen Euro Riskiokapital zur Verfügung gestellt, damit GlassPoint seine Technik weiterentwickeln kann.

Die Erdölförderung mit solarer Unterstützung ist potenziell „ein 113-Milliarden-Dollar-Geschäft“, schwärmt Rod MacGregor, CEO von GlassPoint Solar. Tatsächlich lassen sich derzeit 40 Prozent des Öls im US-Bundesstaat Kalifornien nur mit Hilfe von Dampf fördern.

Auch in den von der Sonne verwöhnten Fördergebieten in Nahost könnte ein Großteil des Erdgases eingespart und verkauft werden, mit dem bisher Erdöl gefördert wurde (manche Betreiber pressen das Erdgas auch direkt in den Boden, ohne den Umweg über den Dampf). MacGregor verspricht, dass seine Technik der Dampferzeugung günstiger ist, als die Nutzung von selbst gefördertem Erdgas. Das Wasser für die Dampferzeugung kommt häufig gleich mit dem Erdöl aus dem Boden oder wird auch Grundwasserschichten gewonnen.

Besonders interessant ist diese Methode für Oman, das 23 Prozent seines Erdgases für die dampfunterstützte Erdölförderung einsetzen muss statt es als Flüssigerdgas (LNG=Liquefied Natural Gas) zum Beispiel nach Europa zu exportieren. Kuwait etwa verbrennt mehr eigenes Erdgas zur Erdölförderung als für die Produktion von Strom. In Nahost sieht MacGregor deshalb seinen wichtigsten Markt, auch weil es dort Sonne genug gebe.

Fördermenge verdoppelt sich bei einigen Feldern

Aber auch die Erdölförderung mit Sonnenkraft ist aufwendig. GlassPoint sperrt seine gebogenen Sonnenspiegel in eine Art Treibhaus. Derart windgeschützt sind massive Fundamente und Tragekonstruktionen für die Spiegel nicht nötig, die zudem dünner sein können als die von Solarwärmekraftwerken, die nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten. Das reduziert die Kosten. Außerdem verschmutzen die Spiegel nicht. Roboter schrubben die Scheiben des Treibhauses regelmäßig. Das ist einfacher und billiger als das Reinigen gebogener Spiegel von Hand. Außerdem lassen sich 90 Prozent des Waschwassers wiederverwenden.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young würde sich Omans Bruttosozialprodukt durch einen kompletten Umstieg auf solarunterstützte Dampferzeugung und größere Erdgasexporte bis 2023 um zwölf Milliarden Dollar erhöhen.

Durchaus paradox: Die billige Solarenergie könnte auch das Erdölzeitalter zumindest ein wenig verlängern. Denn ohne die Hilfsmittel bekommen die Unternehmen für gewöhnlich nur zwanzig bis dreißig Prozent des Öls aus dem Boden. Helfen sie nach, indem sie Dampf in den Boden pumpen, können es bis zu 40 Prozent sein.

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