Rohstoffe: Konzerne fördern Öl mit Solarenergie

Rohstoffe: Konzerne fördern Öl mit Solarenergie

von Wolfgang Kempkens

Es klingt beinahe absurd: Konzerne fördern Öl neuerdings mit Solarenergie. Macht das auch unkonventionelle Lagerstätten umweltfreundlich?

Das Öl in vielen Lagerstätten ist so zäh, dass es sich nicht ohne weiteres fördern lässt. Angesichts ständig steigender Preise für das flüssige Gold fanden die Ingenieure eine Lösung: Sie schicken 100 Grad Celsius heißen Wasserdampf, versetzt mit einem Fett lösenden Spülmittel, wie es auch in der Küche benutzt wird, in den Untergrund. Dem kann nicht einmal das zäheste Öl widerstehen. Es lässt sich problemlos an die Oberfläche pumpen.

Bisher produzierten die Konzerne den Dampf mit Hilfe von Erdgas. Auch wenn das der fossile Energieträger mit den geringsten Kohlendioxidemissionen ist: Umweltverträglich ist diese Methode nicht. Neuerdings nutzen Shell und Chevron in den USA die Kraft der Sonne. Spiegel konzentrieren die Wärmestrahlen, sodass im Brennpunkt Temperaturen von bis zu 800 Grad Celsius gemessen werden. Übertragen auf Wasser entsteht der begehrte Dampf. Fossil gegen Erneuerbar? In diesem Fall gilt das nicht mehr.

Anzeige

Bisher wurde diese Solarthermie-Technik, die in Europa und den USA verfolgt wird, vor allem genutzt, um Strom zu erzeugen. Jetzt gibt es in den USA gleich zwei Anlagen, in denen Dampf für die Ölförderung erzeugt wird. Der Ölmulti Shell hat sich die solare Unterstützung auf einem Ölfeld in Kalifornien 26 Millionen Dollar kosten lassen.

Das ebenfalls in Kalifornien beheimatete Unternehmen GlassPoint Solar errichtete sogenannte Parabolspiegel, die die Sonnenstrahlen auf ein wasserdurchflossenes Rohr konzentrieren. Darin entsteht der Dampf, der wenig später zähes Öl erweicht. Eine zweite Anlage dieser Art steht in Oman im Nahen Osten kurz vor der Fertigstellung.

Turmkraftwerke für die ÖlförderungBrightSource Energy, ebenfalls aus Kalifornien, hat eine technisch völlig andere Anlage für Chevrons Coalinga-Ölfeld in Kalifornien gebaut. Flache Spiegel, die sehr viel preiswerter herzustellen sind als die gebogenen Parabolspiegel, konzentrieren die Sonnenstrahlen auf einen so genannten Receiver an der Spitze eines Turmes. Dort wird Luft auf eine Temperatur von bis zu 800 Grad Celsius erwärmt. Anschließend fließt sie durch einen Dampferzeuger, das ist ein Kessel, durch dessen Inneres sich wasserdurchflossene Rohre schlängeln, aus deren Ende dann Dampf strömt.

Ebenfalls in den Ölmarkt möchte der französische Konzern Areva mit seiner Tochter Areva Solar eindringen. Er hat das einfachste und damit billigste Konzept, das allerdings sehr viel mehr Platz verschlingt als die Lösungen der amerikanischen Unternehmen. Die Sonnenstrahlen werden von preiswert herzustellenden schwach gebogenen Spiegeln, die ständig in die richtige Position gebracht werden müssen, auf ein wasserführendes Rohr konzentriert.

In Spanien, den USA und bald auch in Nordafrika gibt es inzwischen eine Reihe von Anlagen, in denen die Wärme der Sonne zur Stromerzeugung genutzt wird. Teilweise sind es Turmkraftwerke nach dem Baumuster von BrightSource, teilweise Parabolrinnenkraftwerke. In Zukunft wollen die Wüstenstaaten in Afrika und am Golf diese Technik noch ausbauen.

Der Forschung dient ein Turmkraftwerk in Jülich bei Aachen, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt betrieben wird. Diese Art der Sonnennutzung nennt man Solarthermie, im Gegensatz zur Fotovoltaik, bei der das Sonnenlicht direkt in Strom verwandelt wird.

Bei wie vielen weiteren Ölfeldern die Sonnentechnik zur Förderung eingesetzt werden kann, lässt sich bisher nicht absehen. Vielleicht könnte sie aber auf lange Sicht den Zugang zu unkonventionellen Ölreserven umweltfreundlicher machen. Wenn man den gegenwärtigen Run auf diese Lagerstätten bedenkt, ist das vielleicht nicht die schlechteste Aussicht.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%