Routenplaner fürs Rad: Digitaler Helfer berechnet den saubersten Weg

Routenplaner fürs Rad: Digitaler Helfer berechnet den saubersten Weg

von Malte Laub

Ein neuer Routenplaner soll Radfahrern eine Umleitung aus Abgas und Smog bieten - viele Forscher helfen dabei mit.

Fahrradfahrer gehören zu den ökologischsten Verkehrsteilnehmern – dem Dreck der anderen sind sie aber schutzlos ausgesetzt. Bevor man Radlern nun Fahrradhelme mit Luftfiltern auf den Kopf setzt, kann man sie einfach über saubere Seitenwege führen, findet Marianne Hatzopoulou.

Die Assistenzprofessorin an der McGill University im kanadischen Montreal hat dazu den Clean Ride Mapper entwickelt, einen Zweirad-Routenplaner mit einem ökologischen Kniff: Neben der kürzesten Strecke berechnet das Programm auch den leisesten Weg und die Route mit der geringsten Belastung durch Luftverschmutzung für den Fahrer.

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„Wir haben herausgefunden, dass sich Radfahrer besonders auf ihrem Weg zur Arbeit in beträchtlichem Maße der Luftverschmutzung aussetzen“, sagt Hatzopoulou, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Team der Transportation and Air Quality Research Group gestartet hat. Statt also morgens aufs Rad zu steigen und den immer gleichen Weg abzustrampeln, soll in Zukunft ein Blick auf den Clean Ride Mapper die Strecke bieten, die die Lunge schont – und diese Route kann von Tag zu Tag eine andere sein.

Großes Ziel: Ein Echtzeit-Planer„Luft ist immer in Bewegung“, sagt Hatzopoulou, „es reicht also nicht, einfach die Hauptverkehrsstraßen zu vermeiden, um sich weniger Verschmutzung auszusetzen.“ Je nach Windrichtung, Verkehrsaufkommen und Tageszeit könnten sich die Brennpunkte einer Stadt innerhalb kurzer Zeit verwehen.

Die Forscherin stellt diese Unberechenbarkeit vor Probleme, denn sie kann noch nicht auf Echtzeiterhebungen zurückgreifen. Die Daten, die dem Planer zugrunde liegen, hat Hatzopoulou mit ihrem Team über vier Jahre gesammelt. Nur in Montreal - andere Städte sind noch nicht in das Programm integriert. Der Clean Ride Mapper bietet Radlern momentan also nur Durchschnittswerte, wenn auch auf einer soliden Basis.

Hatzopoulou sieht ihr Programm daher bislang in erster Linie als Mittel, auf die Luftverschmutzung in Städten aufmerksam zu machen und Radler dafür zu sensibilisieren. Eine Smartphone-App, die Live-Daten einbezieht, soll aber schnell folgen. „Unser größtes Hindernis ist, dass Luftverschmutzungssensoren bislang nicht zuverlässig genug sind“, sagt die Forscherin. Je nach Marke und Bauart seien die Unterschiede noch zu groß. Derzeit arbeite ihr Team aber daran, Ausgleichsvariable zu entwickeln, um mit kostengünstigen Mikrosensoren an den Start zu gehen. „Die Technologie entwickelt sich so schnell, ich rechne schon bald mit passenden Sensoren“, sagt Hatzopoulou.

Weltweite Forschung mit LuftsensorenAustauschen kann sie sich in der Zwischenzeit mit Kollegen weltweit. Darby Jack von der New Yorker Columbia University beispielsweise stattet derzeit einige Dutzend Radfahrer der US-Metropole mit Sensoren aus, um noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, wie hoch die Belastung durch Luftverschmutzung für Fahrradfahrer ist.

In Antwerpen ist vor drei Jahren ein Projekt an den Start gegangen, das zeigen will, wie wichtig es ist, die Verschmutzung mobil zu messen. „Statische Sensoren haben Beschränkungen, wenn es darum geht, zu messen, wie die Belastung durch Luftverschmutzung im Alltag wirklich ist“, heißt es in einem Paper der Forscher aus Belgien. Auch im sizilianischen Syrakus haben Wissenschaftler Radler mit Sensoren ausgestattet und eine Webplattform entwickelt, auf der Bürger die so gemessenen Verschmutzungswerte einsehen können.

Dass in Zukunft für mehrere Städte Luftverschmutzungs-Karten zur Verfügung stehen werden, ist angesichts der Vielzahl der Forschungsprojekte also zu erwarten. Forscherin Hatzopoulou glaubt auch an den Bedarf nach ihrer App. „Ich bin mir sicher, dass Radfahrer wissen wollen, welcher Luftverschmutzung sie sich aussetzen“, sagt sie. Die App soll kommen. Ob die Zweiradpendler aber letztlich auch Umwege in Kauf nehmen, um Smog oder Lärm zu entgehen oder ob es ihnen doch auf eine halbe Stunde mehr Schlaf ankommt, wird sich zeigen – die Streckenunterschiede variieren zwischen einigen hundert Metern und mehr als zehn Kilometern auf längeren Routen.

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