Sachsen-Anhalt: Dampferzeuger mit Flüssig-Erdgas geht an den Start

Sachsen-Anhalt: Dampferzeuger mit Flüssig-Erdgas geht an den Start

von Wolfgang Kempkens

LNG gilt als Multitalent, ist aber selten im Einsatz. Nahe Naumburg verfeuert jetzt eine Anlage Flüssig-Erdgas.

Diesen Winter dürften sich viele Blicke auf das kleine Wethau nahe Naumburg an der Saale in Sachsen-Anhalt richten. Denn am 9. Dezember geht dort ein Dampferzeuger in Betrieb, der mit Flüssig-Erdgas (englisch: LNG - Liquefied Natural Gas) versorgt wird. Er ist einer der ersten seiner Art Deutschland.

Der Kessel versorgt in Wethau den dritten Produktionsstandort des Tierfutterherstellers Dr. Alder's, der seinen Hauptsitz in Heinsberg bei Mönchengladbach hat, mit Prozesswärme. Tanklastwagen karren das flüssige Erdgas heran.

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LNG im Tank ist billiger und besser zur UmweltSchiffe transportieren das LNG in gut isolierten Tanks von den Erzeugern etwa in Norwegen, Indonesien und Qatar zu riesigen Terminals, in denen es wieder in den gasförmigen Zustand versetzt und in die Netze eingespeist wird. Nur ein kleiner Teil wird in flüssiger Form verkauft, etwa in den wenigen Tankstellen, die Autos mit LNG-Motoren versorgen.

Deutschland hat kein LNG-Terminal. Doch der Energieversorger E.on hat sich vor seiner spektakulären Konzern-Abspaltung 30 Prozent der Kapazität einer Regasifizierungsanlage in Rotterdam gesichert. Von dort wird auch die Anlage in Wethau beliefert.

Während es in den Niederlanden und in Italien bereits einige LNG-Tankstellen gibt, sind in Deutschland lediglich einige mobile Anlagen in Betrieb, die testweise umgerüstete Lkw versorgen. Deren Emissionen sind weitaus geringer als die von dieselbetriebenen Fahrzeugen. Vor allem sind die Feinstaubemissionen gleich null. Dazu sind diese Fahrzeuge erheblich leiser und können während der Fahrt empfindliche Lebensmittel kühlen. In den Niederlanden wird ein solches Fahrzeug derzeit getestet. Und auch der Geldbeutel bleibt gefüllt. Denn Flüssigerdgas ist erheblich billiger als Diesel.

LNG auch billiger als HeizölEs ist auch billiger als Heizöl. Das hat Dr. Alder's bewogen, in seiner jüngsten Produktionsstätte auf LNG zu setzen. Verglichen mit einer Anlage, die mit Heizöl betrieben wird, reduzieren sich die Kosten um bis zu 15 Prozent, so der Krefelder Gasspezialist Primagas, der die Anlage in Wethau gebaut hat.

Ehe es in die Brenner des Kessels gepumpt wird, muss es erwärmt werden, damit es sich in Gas zurückverwandelt. Die nötige Wärmeenergie liefert die Umgebungsluft. Die eiskalte Flüssigkeit kann nebenbei auch Kühlräume oder Klimaanlage  versorgen. Das reduziert den Energieverbrauch.

LNG-Infrastruktur für Lkw nötigFür Kleinverbraucher aber ist eine LNG-Anlage für Prozesswärme oder ein LNG-Blockheizkraftwerk ungeeignet, weil die Investitionskosten, wegen der Regasifizierungsanlage sehr hoch sind. Es lohne sich erst ab einem Jahresverbrauch von 3,5 Millionen Kilowattstunden (das entspricht etwa 350.000 Litern Heizöl) pro Jahr, sagt Primagas.

Außer Primagas bemühen sich auch andere Unternehmen, in Deutschland einen Markt für LNG-Anlagen zu schaffen. Energie9000 im bayrischen Schmidham etwa, das mit einer Amortisationszeit von sechs bis sieben Jahren rechnet, oder ADK Gas-Technologies im baden-württembergischen Neresheim.

Das Multitalent LNG kann die Abhängigkeit Deutschlands vom Erdöl reduzieren und helfen, die Klimaschutzziele der Bundesregierung doch noch zu erreichen. Dazu müssten allerdings Kessel und Blockheizkraftwerke, die Heizöl verfeuern, durch LNG-Anlagen ersetzt werden. Noch mehr brächte es, eine LNG-Infrastruktur für Lkw zu schaffen.

Die Kohlendioxid-Emissionen würden durch ein Umrüsten von Dieselmotoren auf LNG um mindestens zehn Prozent sinken. LNG sei die einzige wettbewerbsfähige Option zur Reduzierung der Ölabhängigkeit und der Treibhausgasemissionen im Schwerlastverkehr, heißt es denn auch in einer Studie der Deutschen Energie-Agentur.

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Korrektur vom 5.12.2014: In einer ursprünglichen Fassung war an Stelle des Dampferzeugers von einem Blockheizkraftwerk die Rede. 

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