Sauber, schnell und leise: Vier Elektro-Roller im Vergleich

Sauber, schnell und leise: Vier Elektro-Roller im Vergleich

von Jonas Gerding

Kleinstmotorräder mit Akku vereinen die Vorteile von E-Autos und Pedelecs: Sie sind bequem und unkompliziert zugleich. Vier Elektro-Roller im Vergleich.

Lässt der Lieferservice Joey’s Pizza in München seine Roller-Flotte ausschwärmen, hört man das kaum. Leise schnurrend schlängeln sich die rund 20 Boten vorbei an knatternden Autos, Bussen und Motorrädern. Die mobile Pizzeria hat sich schon vor zwei Jahren Elektro-Roller angeschafft.

Das Unternehmen hat dabei schon früh das Potential gesehen, das in den klimafreundlichen E-Zweirädern steckt: Deren Akkus sind schnell geladen und bei vielen Modellen herausnehmbar. Trotzdem kann man innerstädtisch auf dem Weg zur Arbeit oder dem Einkauf beim Tempo mithalten.

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Mittlerweile aber nicht nur da. Einige Modelle sind auch auf Landstraßen mit 80 Stundenkilometern unterwegs. Klar: Nach spätestens 100 Kilometern müssen auch die Marathonläufer unter den Akku-Scootern an die Steckdose. Aber wer fährt schon mit dem Roller von München nach Hamburg, um die Schwiegereltern zu besuchen?

Zugegeben, die Anschaffungskosten für strombetriebene Roller sind noch etwas höher. Aber im Alltag können manche Akku-Vespas schon heute überzeugen. Hier vier Elektro-Roller im Vergleich:

Emco Novi C1500

Die Firma Emco ist ein Allrounder und eher für Bad-Accessoires und Klimaanlagen als für E-Roller bekannt. Doch nach eigenen Angaben haben sie es bei E-Rollern zum Marktführer in Deutschland gebracht - unter anderem mit dem Novi C 1500. Die Lithium-Ionen-Batterie des Rollers bringt den Fahrer 50 Kilometer weit. Dann muss der Roller für nur zwei Stunden an die Steckdose. Für die Fahrt zur Arbeit langt das ohnehin. Und für längere Fahrten bietet Emco einen zweiten Wechselakku.

Der ist ebenfalls 10 Kilo schwer, unter dem Sitz gelagert und verdoppelt die Reichweite. Beide kann der Nutzer einzeln herausnehmen und beispielsweise in der Wohnung laden. Maximale Geschwindigkeit: 45 Kilometer pro Stunde. Preis: rund 3.500 Euro.

Etropolis Retro Lithium

Der Name sagt es bereits: Der Retro Lithium kommt old-fashioned als Scooter daher - ist technisch aber auf dem neuesten Stand. Die 20 Kilogramm schwere Lithium-Polymer-Batterie ist herausnehmbar und schafft Distanzen bis zu 80 Kilometer. Dafür dauert das Aufladen etwas länger: Erst nach sechs bis acht Stunden ist sie wieder komplett voll. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern richtet Etropolis ihr Standard-Modell nach den EU-Vorgaben. Wer möchte, kann allerdings auch die Mofa-Version wählen und auf 20 Stundenkilometer verzichten. Preis: rund 3.500 Euro.

Govecs Go! S1.4

Zwischen 30 und 50 Kilometer weit kommt der Fahrer des GO! S1.4. Auch Govecs setzt daher auf die Lithium-Wechselbatterie. Sie wiegt 15 Kilogramm, ist herausnehmbar und nach zwei bis drei Stunden wieder komplett aufgeladen. Das Modell ist mit einem Tempo von maximal 45 Stundenkilometern unterwegs. Auf 83 Stundenkilometer schafft es der größere Bruder, der GO! S3.4. Und für Lieferdienste wie Joey’s Pizza hat Govecs die T-Serie entwickelt: ein Upgrade der normalen Modelle mit Features wie den überdimensionalen Stauräumen für die Essensbestellungen. Der Go! S1.4 kostet rund 5000 Euro.

BMW C evolution

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber jetzt haben auch die traditionellen Auto- und Motorradbauer ihre Ingenieure auf die E-Sparte angesetzt. BMW beispielsweise hatte bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) im vergangenen Spätsommer den C evolution vorgestellt. Erst im Mai kommt das Modell auf den Markt. Und es deutet an, wie viel sich in der Branche noch bewegen wird: 100 Kilometer Reichweite soll das Modell haben und auf 120 Stundenkilometer beschleunigen können - allerdings bei einem stolzen Preis von rund 15.000 Euro. Die Batterie wird man nicht zum Aufladen herausnehmen können.

Mitschwimmen oder davonfahren?

Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen E-Roller zuzulegen, sollte sich daher zwei zentrale Frage stellen: "Zum einen muss man sich damit befassen, welche Strecken man zurücklegen muss", sagt der ehemalige Rallyefahrer Manfred Hiemer, der in München Elektrofahrzeuge verkauft. Wer innerstädtisch unterwegs sei, der komme meist mit einem 45 Stundenkilometer schnellen Roller aus, meint der Geschäftsgründer von e mocom. “Da schwimmt man dann einfach mit”. Bei regelmäßigen Fahrten auf Landstraßen rät er seinen Kunden allerdings oft zu den schnelleren Modellen.

"Zum anderen muss man sich fragen: In welchem Umfeld wohne ich?", rät Hiemer. Gerade in Städten habe nicht jeder die Möglichkeit, das Fahrzeug in der eigenen Garage aufzuladen. Da würden sich dann die Modelle mit herausnehmbaren Akkus lohnen - wenn es nicht auch einfacher geht. "Erst einmal sollte man mit der Hausverwaltung reden”, rät er. Oft ließen sich pragmatische Lösungen finden wie eine Steckdose neben dem Hauseingang. "Was beim gemeinsamen Waschkeller klappt, sollte doch beim Roller nicht anders sein."

Die letzte Frage lautet natürlich, wie viel man für das Batteriegefährt ausgeben will. Im Vergleich sind Benziner nämlicher immer noch sehr viel günstiger - für Lieferdienste wie Joey’s Pizza, die viel Strecke machen, lohnt sich die Anschaffung aber schon heute. Schließlich kostet eine Akkuladung Strom nicht mal einen Euro.

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