Sauberer Hafen: Hamburg hängt Kreuzfahrtschiffe an die Steckdose

Sauberer Hafen: Hamburg hängt Kreuzfahrtschiffe an die Steckdose

von Wolfgang Kempkens

In Häfen ankernde Kreuzfahrtschiffe sind Schmutzschleudern. Stromanschlüsse für die Bordversorgung sollen das ändern.

Ganz langsam gleitet das Kreuzfahrtschiff zum Anleger. Die Hafenarbeiter vertäuen den Riesen, der Kapitän schaltet den Antriebsmotor aus. Der Schiffsdiesel läuft dagegen weiter. Er treibt den Generator an, der den Kreuzer mit Strom versorgt. Selbst während der Pause im Hafen braucht ein Feriendampfer so viel Strom wie ein großes Dorf, um die Kabinen zu klimatisieren, die Vorratsräume zu kühlen und die üppige Beleuchtung zu versorgen.

Im Hamburger Hafen lässt der Kapitän künftig aber auch den Diesel abschalten. Dann wird das Schiff mit Landstrom versorgt. Die überdimensionale Steckdose für das Verbindungskabel zum Schiff baut Siemens gerade auf. Sie kostet die Hamburg Port Authority, also die Hafenbehörde, stolze 8,5 Millionen Euro, und geht 2015 in Betrieb.

Anzeige

Verbrauch von 24.000 HaushaltenGanz schön viel Geld, wie es scheint. Doch der Landstromanschluss, so die schlichte Bezeichnung, ist eine High-Tech-Anlage. Der ankommende Drehstrom wird zunächst in Gleichstrom umgewandelt und dann auf das jeweilige Schiff abgestimmt.

Europäische Dampfer brauchen meist Strom mit einer Frequenz von 50 Hertz, amerikanische benötigen 60 Hertz. Dazu kommen unterschiedliche Bordspannungen zwischen 6000 und 11.000 Volt. Die im Hamburger Hafen zur Verfügung gestellte Stromleistung liegt bei zwölf Megawatt. Das würde für die Versorgung von 24.000 Durchschnittshaushalten reichen.

Noch haben längst nicht alle Kreuzfahrtschiffe einen Landstromanschluss, der ebenfalls weit mehr ist als eine schlichte Steckdose. Nach international gültigen Regeln darf der Landstrom nicht direkt ins Bordnetz der Schiffe fließen. Für die Trennung sorgt ein Transformator an Bord, sodass es keine direkte Kabelverbindung zwischen den beiden Netzen gibt. Das soll Unfälle verhindern.

Mit Landstromanschlüssen werden derzeit alle Schiffe der Rostocker Reederei Aida ausgestattet, auch die älteren. Um auch während der Fahrt Emissionen zu reduzieren, erhalten Neubauten zusätzlich aufwändige Abgasreinigungsanlagen. Sie fangen Rußpartikel ein, spalten, wie der Kat im Auto, Stickoxide und waschen Schwefelverbindungen aus. Bis 2016 werden auch die zehn älteren Schiffe der Reederei nachgerüstet.

Umweltauflagen machen Erdgasantriebe reizvollIn Hamburg läuft zudem ein Versuch mit einem schwimmenden Kraftwerk, das Schiffe umweltverträglich mit Strom versorgt. Auf der Barge laufen Generatoren, die von Erdgasmotoren angetrieben werden. Diese emittieren weitaus weniger Kohlendioxid und Schadstoffe als Schiffsdiesel. Das Hamburger Unternehmen Becker Marine Systems und die Brunsbütteler Schlepperreederei Schramm Group haben das schwimmende Kraftwerk entwickelt.

Hintergrund der Bemühungen ist eine Vorgabe der europäischen Kommission. Demnach sollen die Emissionen durch Schiffe in Hafenstädten bis 2050 um 60 Prozent reduziert werden. Bis 2020 muss der Schwefelanteil in Schwer- und Dieselöl, das von Schiffen verbrannt wird, außerdem von 4,5 auf 0,5 Prozent sinken. Den Treibstoff zu entschwefeln ist ein aufwändiger Prozess, den sich die Raffinerien gut bezahlen lassen.

Schiffe gehören zu den übelsten Umweltverschmutzern, weil sie meist Schweröl verbrennen, das streng genommen als Sondermüll entsorgt werden müsste.

Ein einziges Schiff emittiert auf einer durchschnittlichen Kreuzfahrt so viel Schadstoffe wie fünf Millionen Pkw, wenn sie die gleiche Entfernung zurücklegten, hat der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) errechnet. In vielen Küstengebieten, zu denen auch Nord- und Ostsee und die Straße von Dover gehören, gelten schon ab 2015 strengere Umweltauflagen.

Landstromanschlüsse reichen deshalb nicht, um die Kreuzer fit für die Zukunft zu machen. Auch Antriebe, die mit vergleichsweise sauberem flüssigem Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG) laufen, sind zunehmend verbreitet. Die Kosten für den Treibstoff liegen ungefähr gleich auf denen für Treibstoffe auf Erdölbasis. Die norwegische Reederei Fjord Line betreibt bereits zwei Fähren mit einer Kapazität von jeweils 1500 Passagieren, die ausschließlich mit LNG fahren.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%