Schieferöl: Gefahr für erneuerbare Energien

Schieferöl: Gefahr für erneuerbare Energien

von Sebastian Matthes

Der Schieferöl-Boom in den USA könnte die Diskussion um endliche Rohstoffe auf den Kopf stellen. Der Ölrausch bedroht außerdem den Ausbau der Erneuerbaren.

In den USA ist nicht nur ein Gasrausch ausgebrochen, sondern auch das Öl fließt wieder wie zu Zeiten der letzten Rohstoff-Euphorie in den 80er-Jahren. Die neuen Gas- und Ölvorkommen fördern Unternehmen aus Schichten von Schiefergestein, die bis vor einigen Jahren noch unzugänglich waren.

Die Folge: Massive Investitionen in die Förderung fossiler Energiequellen und ein neuer Öl-Boom könnten den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen in den nächsten Jahren massiv verlangsamen. Sicher, es gibt auch noch eine Menge billiges Öl in den Wüsten in Nahost. Aber vor allem bei den sogenannten unkonventionellen Ölreserven, also denen aus Teersand und Schiefergestein, sehen Rohstoffexperten großes Wachstumspotenzial.

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Zur Förderung des Schieferöls werden, wie auch bei der Förderung von Schiefergas, Gesteinsschichten mit Horizontalbohrungen unter Einsatz hohen Drucks und Chemikalien aufgebrochen.

Einige Experten erwarten bereits, der Schieferöl-Boom könnte die Ölpreise massiv senken und damit grüne Energiequellen wie Sonne und Wind auf lange Zeit unwirtschaftlich machen. Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft PwC etwa kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil von Schieferöl an der weltweiten Ölproduktion bis 2035 einen Umfang von 14 Millionen Barrel haben könnte - pro Tag. Das wäre ein Anteil von zwölf Prozent an der weltweiten Ölversorgung.

Annahmen auf den Kopf gestelltDieser plötzliche Boom könnte die Ölpreise in den nächsten zwei Jahrzehnten um 30 bis 50 Dollar senken, haben die PwC-Experten errechnet. Das ist keine Einzelmeinung. „Wir gehen davon aus, dass die Welt 2020 angesichts eines großen Angebots und mauer Nachfrage mit Öl geflutet sein wird“, sagt Volkswirt Julian Jessop von Capital Economics dem "Handelsblatt". Sein Research-Haus sieht die Ölpreise der Sorte Brent zum Ende des Jahrzehnts bei 70 Dollar je Barrel. Vor einigen Jahren hätten diese Vorhersagen noch Kopfschütteln unter Experten ausgelöst. Denn es schien sicher: Die Zeit des billigen Öls geht zu Ende.

Für die Wirtschaft hat das kurzfristig positive Effekte, resümiert PwC: Große öl-importierende Länder wie Deutschland, Japan und Indien können durch die sinkenden Energiepreise auf mehr Wirtschaftswachstum hoffen. Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate hingegen müssen sich um ihre Wirtschaft bangen.

Das würde einerseits die geopolitischen Mächteverhältnisse weiter verschieben, weil Länder wie die USA ihre Abhängigkeit von Regionen wie dem nahen Osten verringern.

Der Boom ist für das Klima eine KatastropheDoch für die grüne Wirtschaft sind all das schlechte Nachrichten. Denn niedrigere Ölpreise machen alternative Antriebstechnik wie Brennstoffzellen- oder Batterie-Motoren sowie erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wind und Biomasse weniger attraktiv.

Egal, könnte man denken. Hauptsache billige Energie. Hauptsache Wachstum.

Aber das wäre zu kurz gedacht. Für den Klimaschutz wäre dieser Schiefergas-Boom - so er denn tatsächlich eintritt - ein Desaster. Schon heute ist das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken, kaum noch erreichbar. Und es bestehen kaum Zweifel daran, dass die kurzfristigen ökonomischen Vorteile durch billigeres Öl langfristig durch die Kosten der Klimafolgen zunichte gemacht werden. Zudem wird auch das Schiefer-Öl irgendwann aufgebraucht sein, unkonventionelle Techniken hin oder her.

PwC empfiehlt Regierungen daher, im Falle einer solchen Billig-Öl-Schwemme, die Energiesteuern zu erhöhen. Mit den Einnahmen könnten sie grüne Technologien fördern und die Grundlagenforschung vorantreiben.

Einziger Trost: Weil Schiefergas etwas billiger zu fördern ist, als Öl-Sande in Kanada oder Reserven in der Arktis, könnte die Förderung an diesen ökologisch sensibleren Orten mittelfristig reduziert werden.

Hier noch ein ausführliches Video, das zeigt, wie die Förderung von Schieferöl- und Gas funktioniert:



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