Schiffsverkehr: Erste rein elektrische Fähre sticht in See

Schiffsverkehr: Erste rein elektrische Fähre sticht in See

von Jan Willmroth

Norwegen zeigt die Fähre der Zukunft: Statt mit Diesel fährt sie mit Elektromotoren und Akkus, die allein so viel wiegen wie zehn Elektroautos.

Unter Deck sind Giganten verbaut, wie sie wohl nur in Schiffen zum Einsatz kommen können: Die beiden Akkus der neuen norwegischen Fähre, die ab 2015 zwischen Lavik und Oppedal im Sognefjord in Westnorwegen verkehren soll, wiegen zusammen etwa zehn Tonnen. So viel wie zehn E-Fahrzeuge des Typs Mitsubishi MiEV. Und doch ist die Fähre um einiges leichter als vergleichbare Dieselschiffe.

Die Auto- und Passagierfähre ist die erste weltweit, die allein mit elektrischer Energie fährt. Und sie zeigt auf, welches Potenzial elektrisch betriebene Schiffe für den Fährverkehr haben: Jede Strecke von bis zu einer halben Stunde Fahrtzeit könnten mit der heute verfügbaren Technologie schon Elektrofähren erledigen. Tausende Tonnen CO2 und Millionen Liter Schiffdiesel ließen sich so einsparen.

Anzeige

Das Pionierschiff hat der deutsche Mischkonzern Siemens zusammen mit der norwegischen Werft Fjellstrand als Beitrag zu einem Wettbewerb des norwegischen Transportministeriums entwickelt – und ihn gewonnen. Die Fähre ist 80 Meter lang, bietet Platz für 120 Autos und 360 Passagiere. Das Design ist speziell auf den Elektroantrieb zugeschnitten: Statt dem üblichen Stahl besteht die Außenhaut der Fähre aus Aluminium. Um den Wasserwiderstand zu minimieren, ist das Schiff als Katamaran gebaut. Obwohl die Batterien so gigantisch schwer sind, soll die neue Fähre nur halb so schwer sein wie eine mit konventionellem Antrieb.

Volle Akkus in zehn MinutenDas hat auch direkte Auswirkungen auf den Antrieb: Derzeit verkehrt auf der Route ein Schiff mit mehr als 2000 PS im Bug (rd. 1.500 Kilowatt). Mit dem geringeren Gewicht und dem minimierten Wasserwiderstand reichen die 800 kW der verbauten Elektromotoren aus – laut Siemens wird das Schiff im Normalbetrieb nur 400 davon brauchen, um seine zwei Schiffsschrauben anzutreiben.

Die entscheidende Innovation steckt aber wohl in den riesigen Akkus. Denn im Linienverkehr ist es kaum vorstellbar, die Schiffe nach jeder Fahrt erst einmal sechs Stunden an die Steckdose zu hängen. Deswegen stehen in jedem Fährhafen weitere große Akkus bereit. Und die laden die Schiffsbatterien in unglaublichen zehn Minuten wieder komplett voll, während Passagiere aus- und zusteigen. Sticht das Schiff in See, bleibt genügend Zeit, die Reserveakkus mit Strom aus dem normalen Netz zu laden.

Um die revolutionäre Fähre komplett zu machen, verbauen Siemens und Fjellstrand lauter energiesparende Technik und Systeme zur Wärmerückgewinnung, ergänzt durch LED-Lampen und Solarmodule. Die Zukunft des Schiffsverkehrs sieht sauber aus.

Linktipp: In vielen Ländern tüfteln Ingenieure daran, den Fährverkehr umweltfreundlich zu machen. In New York verkehrt eine Fähre mit Brennstoffzellenantrieb, in Schottland soll bald eine Hybrid-Fähre auslaufen, Windturbinen an Bord sollen den Spritverbrauch bei Stena Line reduzieren – und kleine Solarschiffe sind sowieso an vielen Orten geplant. Mehr dazu hier.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%