Schweden-Startup: Kites sollen unter Wasser Strom erzeugen

Schweden-Startup: Kites sollen unter Wasser Strom erzeugen

von Wolfgang Kempkens

Lenkdrachen waren bisher etwas für die Lüfte. Nun will das Unternehmen Minesto sie zur Energieproduktion in Meeresströmungen nutzen.

Wenn es irgendwann am Meeresgrund laufen sollte, würden die britischen Inseln mit dem Kraftwerk Deep Green einen Gutteil ihres Strombedarfs decken. 18 Gigawatt Leistung könnten die auf dem Meeresgrund vertäuten Kites liefern, was vergleichbar ist mit zwölf der weltweit größten Kernkraftwerke.

Und das ist die Idee hinter dem ungewöhnlichen Kraftwerk: Die Kites mit einer Spannweite von 8 bis 14 Meter, die an ihrem Bauch einen Turbogenerator zur Stromerzeugung tragen (siehe Grafik links), tänzeln in der Unterwasserströmung wie Lenkdrachen in der Luft: Sie bewegen sich kontinuierlich in Form einer Acht. Durch ihre Bewegung strömt Wasser durch das Schaufelrad.

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Der produzierte Strom fließt durch ein Kabel, das in das Halteseil integriert ist, in eine Sammelstation auf dem Meeresgrund. Von dort wird er per Seekabel an Land transportiert. Weil Wasser ein weitaus dichteres Medium als Luft ist, genügen schon kleine Spannweiten, um nennenswerte Mengen Strom zu produzieren. Zu sehen sind die Kraftwerke nicht. Sie arbeiten in Tiefen von 50 bis 300 Meter und würden rund um die Uhr Strom erzeugen.

Deep Green ist von dem schwedischen Unternehmen Minesto entwickelt worden, einer Ausgründung aus der Saab-Gruppe. Minesto-Geschäftsführer Ander Jansson sagt, dass ein Kite je nach Standort und Spannweite eine Leistung von 150 bis 800 Kilowatt hat. Er schätzt, dass zwei dieser Unterwasserkraftwerke mit einer Leistung von zusammen einem Megawatt umgerechnet 2,1 bis 2,4 Millionen Euro kosten.

Drachen unter WasserEine wirtschaftliche Stromerzeugung wäre mit diesen Prototypen nicht möglich. Er würde pro Kilowattstunde mehr als 25 Cent kosten. Wenn die Kites in Serie gefertigt würden, könnte der Erzeugungspreis auf 6 bis 24 Cent pro Kilowattstunde sinken, glaubt Jansson.

Savid Olinger, Maschinenbauprofessor am Worcester Polytechnic Institute im US-Bundesstaat Massachusetts, arbeitet an einem ähnlichen Kraftwerk. Kürzlich hat er von der National Science Foundation der USA 300.000 Dollar erhalten. Im Laufe des nächsten Jahres will er sein Unterwassermodell fertigstellen.

Es soll speziell für konstante Meeresströmungen ausgelegt werden, etwa um Teile der Energie des Florida-Stroms zu nutzen. Dieser fließt zwischen Florida und Kuba aus dem Golf von Mexiko heraus und vereinigt sich an der Ostküste Floridas mit dem Golfstrom. Der Florida-Strom ist gut für 20 Gigawatt Leistung, glaubt Olinger.

Mit Kites, die sich genauso wie die bewegen, die unter Wasser eingesetzt werden sollen, will das Hamburger Unternehmen SkySails Strom erzeugen. Die Lenkdrachen der Hanseaten tänzeln jedoch im Himmerl über dem Wasser durch die Luft. Sie steigen auf eine Höhe von bis zu 800 Meter. Dabei drehen sie eine Seiltrommel, die mit einem Generator gekoppelt ist.

Hat der Kite die Gipfelhöhe erreicht wird er aus dem Wind gedreht. Die Trommel rotiert und holt ihn wieder ein. Dabei wird weitaus weniger Strom verbraucht als beim Aufstieg erzeugt wird. Dann wiederholt sich das Spiel.

Hier noch ein Film, der die Minesto-Technologie erklärt:



 

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